Astropraxis: Uranus, Neptun, Pluto

Sofienalpe, 17. 08. 2006

20060817api19.html

Beobachter:Alexander Pikhard
Datum:17. 08. 2006
Zeit:19.30 bis 01.00 MESZ
Ort:Sofienalpe
Instrument:12" Meade LX200, Canon EOS 350D, 18" Obsession Dobson
Bedingungen:
Durchsicht:sehr gut (1)
Aufhellung:gut (2)
Seeing:ausreichend (3)
Freis. vis. Grenzgroesse:5.5
Temperatur:25 - 16 °C
Luftfeuchtigkeit:trocken
Wind:maessig aus SW
Bemerkungen:Gegen Mitternacht Durchzug von Cirren; Seeing in Horizontnähe (Jupiter) sehr schlecht.
Bericht:

Spontanität gehört in unseren Breiten zur Astronomie dazu wie das Salz zur Suppe. Manges genauer Wettermodelle (BOLAM hat heute offenbar total aufgegeben) bleibt nur der Blick zum Himmel und auf Satellitenbild, und beide verheissen eine traumhafte Beobachtungsnacht. Also erfolgt der Aufruf an alle zur Sonderastropraxis. Sie soll heute unter dem Motto Uranus, Neptun und Pluto stehen.

Auf der Sofienalpe empfängt uns ein Sommerabend wie aus dem Bilderbuch. Einem einmal mehr malerischen Sonnenuntergang folgt eine über die meiste Zeit hinweg wolkenlose und klare Nacht.


Ein klarer Himmel, ein Teleskop und nichts dazwischen. Das ist der Stoff, aus dem Amateurastronomenträume sind.

Es wird ein kleines Teleskoptreffen; und da viele Nachtschwärmer diesen milden Abend nützen, um die nächtliche Natur zu genießen, haben wir heute auch viele Gäste, die den einen oder anderen Blick durchs Fernrohr riskieren.


Beobachter unter dem Großen Wagen (samt kleinem Satellitenflare und Flugzeugspur)

Das - föhnbedingt schlechte - Seeing macht einen Strich durch die Beobachtung der beiden Schattentransits auf Jupiter, doch bald ist es dunkel genug für Deep Sky.


Nächtliches Treiben an diversen Instrumenten


Nicht nur beobachten, auch erklären ist wichtig


Dobson-Astrogymnastik


Nächtliches Hantieren an der GoTo-Steuerbox

Nach Doppelsternen in der Dämmerung geht es bald an die Deep Sky-Klassiker; keine Frage, bei diesen herrlichen Bedingungen lassen M13, M92, M5 und M57 niemanden kalt. Über unseren Köpfen spannt sich die Milchstraße und mit einem UHC-Filter ist auch der Cirrus-Nebel kein Problem, und das so nahe bei Wien.

Doch eigentlich sind wir wegen der äußeren Planeten hier und so stelle ich mit dem 12" LX200 Pluto ein, dank GoTo kein echtes Problem (identifiziert habe ich ihn schon tags zuvor). Der kleine, ferne Planet (?) ist heute wirklich gut zu erkennen. Da sich seine Lage zum Vortag auch nicht wesentlich verändert hat, kann ich ausnahmsweise auch ein Foto von gestern "ausborgen".


Pluto in den Sternen der Schlange

Nach 23 Uhr stehen auch Uranus und Neptun einigermaßen hoch über dem Horizont, so hoch, wie das bei ihrer Deklination eben geht. Uranus ist heute ein spannendes Ziel, denn alle Monde stehen praktisch in größter Elongation. Ob das mit der 350D am LX200 zu machen ist?

Ich nehme 15 Bilder zu je 20 Sekunden bei 1600 ISO auf, verwerfe vier und stacke den Rest. Das Ergebnis ist für eine ungekühlte Kamera recht beachtlich.


Uranus mit den Monden Ariel, Umbriel, Titania und Oberon (von oben nach unten).
Verkleinerter Bildausschnitt, Inset 3x vergrößert.

Größtes Handicap ist eigentlich die Hintergrundaufhellung, steht der Planet doch knapp über der Stadt. Aber die vier Monde sind gut zu erkennen, trotz auf f/6.3 verkürzter Brennweite (wegen des Seeings und der unexakten Nachführung bei azimutaler Aufstellung). Die vier Monde haben scheinbare Helligkeiten zwischen 13,7 und 14,8 mag. Miranda stünde an sich nördlich von Uranus in größter Elon6ation, doch der nur 17 mag schwache Mond geht im Streulicht des Planeten und im Himmelshintergrund unter.

Jetzt zu Neptun. Ich mache hier eine ähnliche Aufnahmeserie, verfolge aber ein etwas anderes Ziel (wähle daher eine ganz andere, härtere Nachbearbeitung).


Neptun mit Triton (knapp rechts daneben) und Nereide (Pfeil).
Verkleinerter Bildausschnitt.

Triton ist kein Problem, er ist schon auf einer nur 10 Sekunden lang belichteten Einzelaufnahme unschwer zu erkennen (scheinbare Helligkeit rund 13,5 mag). Doch ich "jage" den zweiten Neptunmond, die erst 1949 von Kuiper entdeckte Nereide. Das knapp 19 mag (!) schwache Möndchen ist eine Herausforderung, aber es steht sehr weit von Neptun entfernt. In der Tat kann ich Nereide, dank JPL Horizons Ephemeris Generator, identifizieren und durch extreme Histogrammstreckung in dem Summenbild auch sichtbar machen. Die schwächsten auf der Aufnahme eindeutig erkennbaren Sternchen haben wirklich 19 mag, und das bei einer Belichtungszeit von 15 x 20 Sekunden bei 1600 ISO. Das Signal/Rauschverhältnis der EOS 350D ist wirklich einzigartig und kommt an gekühlte CCD-Kameras heran.

Die Mission zur Uranus, Neptun und Pluto verläuft sehr zufriedenstellend, Fazit ist, dass die Monde von Uranus und Neptun wirklich zu Amateurzielen geworden sind.

Als wir schon dachten, Cirren würden die Beobachtungsnacht jäh beenden, ziehen sie wieder ab. Roland kommt gegen Mitternacht mit seinem 18" Dobson, und so verbringen wir eine weitere Stunde unter klarem Himmel und bestaunen die Sehenswürdigkeiten dieser Spätsommernacht in ungewohnter Klarheit.