Sonnenbeobachtung

Edlach/Rax, 17. 08. 2006

20060817sfl13.html

Beobachter:Thomas Schröfl
Datum:17. 08. 2006
Zeit:13.20 bis 15.00 MESZ
Ort:Edlach/Rax
Geogr. Länge:47 41 21
Geogr. Breite:15 48 11
Seehöhe:600
System:
Instrument:Takahashi Mewlon 180, Optolyth-Refraktor 100/700mm, Nikon D70s
Bedingungen:
Durchsicht:sehr gut (1)
Seeing:sehr gut (1)
Temperatur:28 °C
Luftfeuchtigkeit:37 Prozent
Wind:kein
Bericht:

Die Schlechtwetterfront ist endlich abgezogen + die WAA Summer Star Party ist ja vorbei + und ein strahlend blauer Himmel ohne Wolken und mit hervorragender Durchsicht begrüßt mich zum Morgenkaffee auf meiner Terrasse. Auch wenn Namibia meinen Hunger aufs Beobachten reichlich gestillt hat, kann man ja nie genug bekommen und so beschließe ich den heutigen Tag fast ausschließlich der Astronomie zu widmen. Schließlich ist ja Urlaub und der soll Spaß und Freude machen.

Gott sei Dank habe ich gestern abends den Takahashi am künstlichen Stern neu kollimiert, nachdem ihn der Transport nach Namibia etwas dekollimiert hatte. Anfangs hatte ich etwas Befürchtungen die Sache könnte schief gehen und das Ergebnis schlechter als besser werden, aber die Anleitung zum Kollimieren des Mewlon ist kurz und prägnant und wenn man sie genau befolgt kann eigentlich nichts daneben gehen. Gut wäre es nur, würde darauf hingewiesen, daß die Beispielsbilder dem direkten Blick durchs Fernrohr ohne Zenithspiegel entsprechen, aber das habe ich richtig erraten. Das Ergebnis einer 15-minütigen Arbeit ist ein völlig zentrierter Schatten des Sekundärspiegels und absolut konzentrische Beugungsringe.

Zu Mittag montiere ich am Mewlon das Baader Solarfilter und schon der erste Blick durchs Okular verheißt Glück. Etwas südlich vom Sonnenäquator, ca. In der Mitte zwischen dem Sonnenzentrum und dem östlichen Rand steht ein riesiger hufeisenformiger Fleck, tiefschwarz mit einer großen Penumbra, etwas darunter einige sher keine Flecken und etwas weiter westlich zwei kleine Fleckengruppen mit einer sie jeweils umgebenden Penumbra, jede bestehend aus mehreren kleinen Flecken. Wie gewohnt färbt das Solar-Continuum-Filter die Sonne giftgrün ein, erhöht aber gleichzeitig merkbar den Kontrast und die Schärfe, obwohl heute ein weit überdurchschnittliches Tages-Seeing herrscht. Bevor ich das Gerät wechsle mache ich mit der Nikon noch zwei Aufnehmesereien, einmal im Weißlicht und dann mit dem Solar-Continuum.

Am Optolyth montiere ich dann das H-alpha-Filter und bin schon sehr gespannt auf den Anblick, denn noch nie hatte ich Gelegenheit Sonnenflecken in H-alpha zu sehen. Meine Erwartungen werden weit übertroffen. Dank des guten Seeings ist auf der gesamten Oberfläche der Sonne die Granulation zu sehen, aber was sich um die Flecken tut ist einfach nur als sensationell zu beschreiben: feinste Filamente und Strukturen so reichlich an der Zahl, das es fast verwirrend wirkt. Anhand des Buches +Die Sonne Beobachten+ werde ich in den nächsten Tagen studieren, was ich da alles gesehen habe. Aber noch ist eine weitere Steigerung möglich. Statt monokular zu schauen schließe ich das Baader Bino an und dieser Blick wirft einen wahrlich vom Hocker. Die Sonnenoberfläche scheint richtiggehend in 3D zu brodeln. Alle Strukturen gewinnen enorm an Plastizität und vermitteln das Gefühl direkt über der Sonne zu schweben. Nur am Rande sei noch erwähnt, daß natürlich auch wieder mehrere Protuberanzen zu sehen waren. Auch hier wird natürlich die Nikon für eine Aufnahmeserie angeschlossen. Bei der Ausarbeitung zeigt sich leider, daß ich den Sonnenfleck nicht richtig im Bild zentriert habe; also morgen nochmals (falls das Wetter mitspielt).


Sonne im Weißlicht Baader Astro-Solar-Folie Nikon D70s ISO 200 15 x 1/400sec mit Registax nachbearbeitet


Sonne mit Baader Solar-Continuum-Filter Nikon D70s ISO 800 15 x 1/400sec mit Registax nachbearbeitet