| Bericht: | Das Schlechtwetter kommt nicht. Im Gegenteil. So beschließen
Renate Weiland, Roland Graf und ich, nach dem Abenteuer Astronomie in Langenzersdorf auf die Sofienalpe zu fahren;
die Wolken ziehen ab und geben einen unglaublich klaren Himmel frei.
 Panorama mit Jupiter
Wir haben "nur" Rolands 18" Dobson dabei, und ganz nach dem Motto "back to the roots"
machen wir eine visuelle Tour durch den Sommer- und Herbsthimmel mit vielen unbeschreiblichen Eindrücken.
 Unsere kleine Gruppe unter dem Großen
Bären - keine Montage, eine echte Aufnahme!
Es fällt schwer, die tollen Eindrücke zu beschreiben, den die Objekte in dem großen 45cm-Spiegel
hinterlassen, aber ich versuche es trotzdem. Unterhaltsam ist in jedem Fall das Einstellen. Fast 10 Jahre
GoTo-Montierung haben bei mir keine Spuren hinterlassen, was man einmal gut kann, verlernt man nie. Umso
eindringlicher mein Apell an alle Einsteiger: "Finger weg von GoTo-Montierungen, sie nehmen die Freude am
Sternenhimmel!"
M13 ist das erste Objekt. Ihn einzustellen ist eine Leichtigkeit, zumal er ja schon im kleinsten
Sucher gut zu sehen ist. Im 7mm Pentax (ca. 285-fache Vergrößerung) ist der Anblick, trotz phasenweise
merkbarem Seeings, einfach gigantisch. Konstrastreich und plastisch schwebt der große Kugelsternhaufen im
Gesichtsfeld. Heute kann ich sogar nachvollziehen, dass einige Beobachter in seiner Mitte ein "Y" aus
Sternen sehen.
M92 ist zum Auffinden schon etwas schwieriger, doch auch dieser Haufen ist im Sucher gut zu
erkennen. Im 7mm Pentax ist auch er wirklich wunderschön, kleiner als M13 und deutlich konzentierter und
ebenfalls sehr plastisch.
Um Kugelsternhaufen weiter zu vergleichen, schwenke ich den Dob auf
M15. Ein leicht zu findender Haufen, allerdings habe ich anfangs noch ein paar Orientierungsprobleme,
suche zu nahe an ε Pegasi. Telrad hilft mir hier aus der Patsche. An dieser Stelle sei allen, die eine solche
Einstellhilfe ihr Eigen nennen, der Deep Sky Reiseatlas von Michael Feiler und Philip Noack ans Herz gelegt.
Er zeigt nämlich für alle bekannten Objekte die das Telrad-Muster am Himmel. M15 selbst ist sicher
der dichteste der hellen Kugelsternhaufen, enorm konzentriert mit einem deutlichen Kern und schwachen,
fein verteilten Sternen. Dabei ist M15 ziemlich genauso weit von uns entfernt wie M92, nämlich rund
30.000 Lichtjahre. Ebenfalls ein wunderschöner Anblick.
Es geht weiter mit Kugelsternhaufen und das nächste Ziel ist natürlich M2, von β Aquarii
nicht schwer zu erreichen. Dieser Haufen ist wieder weniger konzentriert und eigentlich auch recht groß,
jedenfalls auch ein schöner Anblick, vor allem unter diesen Bedingungen - wenngleich M2 doch schon in der
Lichtglocke von Wien steht.
In der Liste der Kugelsternhaufen darf natürlich auch
M5 nicht fehlen, obwohl auch er schon sehr tief im Südwesten steht. Dennoch ist der
Anblick dieses Haufens, der M13 nicht um viel nachsteht, im 7mm Pentax ein echter Hammer.
Wenn wir jetzt schon bei Kugelsternhaufen sind, darf einer, trotz seiner Lage, nicht fehlen: M22
Es handelt sich um den größten und hellsten Kugelsternhaufen, der in unseren Breiten zu sehen ist.
Er ist nach ω Centauri und 47 Tucanae überhaupt der dritthellste Kugelhaufen am Himmel.
Leider steht er stets sehr tief im Süden. Ihn aufzufinden ist keine allzu große Herausforderung,
denn er steht nahe λ Sagittarii und ist mit seinen 5,1mag auch in dieser geringen Höhe und im
Streulicht der Stadt im Sucher gut zu erkennen. Im 7mm Pentax scheint er fast das Gesichtsfeld zu füllen,
ist gut aufgelöst und wirkt lockerer als die bisher betrachteten Kugelsternhaufen. Kein Wunder, mit
"nur" 10.000 Lichtjahren ist M22 doch deutlich näher als M13 (25.000 Lj) und Konsorten.
Mittlerweile spannt sich die Milchstraße von Nordosten nach Südwesten und ist von Horizont zu
Horizont zu sehen. Eine helle Passage der ISS nahe am Zenit vorbei sorgt für kurzzeitige Abwechslung.
Wir verfolgen sie mit dem Dobson und für Sekundenbruchteile gelingt es mir, sie im 7mm Pentax
einzufangen - man kann in der Tat ihre Strukturen erkennen! Ein Versuch, Pluto aufzufinden, scheitert an den mit
Starry Night zu Hause angefertigten Suchkarten. Die Sterne auf der Karte haben mit jenen am Himmel nicht allzu
viel gemeinsam. Kein Wunder, dass Matthias zwei Tage zuvor mit der gleichen Karte am gleichen Objekt gescheitert
ist. Es geht halt doch nichts über einen guten Sternatlas.
Wir wenden uns der zenitnahen Region des Himmels zu.
Den Anfang macht der Ringnebel in der Leier,
M57. Er ist heute wirklich sehr hell und mit indirektem Sehen erkennt man auch den
Zentralstern im 7mm Pentax. Das Innere des Nebels wirkt bläulich, eine wärmere Färbung
nach außen ist aber nicht zu erkennen.
Für den Hantelnebel,
M27, wählen wir eine schwächere Vergrößerung, die ihn wirklich
schön in einem reichen Milchstraßenfeld "schweben" lässt. Ihn einzustellen ist
mit der Spitze des Pfeils, die heute sogar freisichtig kein Problem darstellt, wirklich einfach. Der
Anblick dieses Nebels ist schon beeindruckend, und das noch ohne UHC-Filter.
Jetzt aber zu spannenden Objekten! Den Anfang macht
NGC 6960, der westliche Teil des Cirrus-Nebels bei 52 Cygni. Erstaunlich: Im 30mm
Pentax ohne Filter ist nichts zu erkennen (außer die schöne, rötliche Färbung von 52 Cyg).
Mangels 2" UHC-Filter (er ist, wie der Rest meiner Ausrüstung, zu Hause geblieben, weil ich heute
wirklich nicht mehr mit einer Beobachtung gerechnet hatte, schon gar nicht unter so tollen Bedingungen)
verwenden wir ein 20mm Weitwinkel-Okular mit einem 1¼"-UHC-Filter. Oh Wunder! Mit dem Filter
ist der Nebel einfach unglaublich deutlich. Mehrere Gesichtfelder lang spannt sich das dünne,
verwundene Filament, es ist ein Vergnügen, ihm mit dem Dobson zu folgen. Das Aufsuchen von
NGC 6992, dem östlichen Teil des Cirrus-Nebels, ist auch recht einfach, und
einmal gefunden, erfreuen wir uns daran, das weit verzweigte Nebelfilament über mehrere
Gesichtsfelder mit dem Dobson zu verfolgen. An diesem Objekt scheint die Zeit stehen zu bleiben!
Ich wage mich an das schwierigste Objekt des Abends, an den Crescent-Nebel
NGC 6888. Ehrlich gesagt, ich finde ihn nach der Methode des Stöberns.
Das ist aber nahe dem Zenit gar nicht leicht! Der Nebel selbst ist dann wirklich zu erkennen,
allerdings täte ihm eine schwächere Vergrößerung gut (die fällt aber
mangels 2" UHC-Filter aus).
Nach den Nebeln jetzt zu den Galaxien. Der Sommerhimmel nimmt jetzt die westliche Hälfte des
Himmels ein, der Herbsthimmel zu östliche. Die Milchstraße spannt sich von Osten nach Westen.
Hoch über uns die Region vom Schwan über den Cepheus zur Cassiopeia.
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M31 ist natürlich sehr hell, und im 30mm Pentax XW erkennt man nicht nur den
hellen Kern und
M32 auf einmal im Gesichtsfeld, sondern auch ein bis zwei dunkle Bänder. Mit
etwas Schwenken erkennt man auch den zweiten Begleiter,
M110, auch wenn dieser nicht allzu spektakulär ist.
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M33 wird zu Herausforderung. Die Galaxie steht doch ziemlich im Lichtschein von
Wien im Südosten. Wir bauchen mehrere Anläufe, bis endlich zunächst im huckepack montierten
8" f/5-Newton ein Hauch zu erkennen ist. Dann ist auch im großen 18" zumindest der Kern
der Galaxie zu sehen. Schade, dass sie gerade in dieser Richtung steht.
Etwas leichter ist da schon das Auffinden von
NGC 7331, der schönen, hellen Kantengalaxie im Pegasus. Im 7mm Pentax ist sie
wirklich recht dominierend und zeigt ihre Form sehr deutlich. Das nahe bei ihr stehende Stephans Quintett
kann ich mangels genauer Aufsuchkarte nicht genau identifizieren, wenngleich ich beim Stöbern schon
glaube, es gesehen zu haben.
Wir schwenken nach Norden.
M51 ist, obwohl fast in unterer Kulmination, noch immer sehr deutlich, man erkennt
beide Kerne, also auch NGC 5195.
M81 und
M82 stehen schon wieder höher und geben im 30mm Pentax einen wunderbaren
Anblick ab, beide sind auf einmal im Gesichtsfeld zu erkennen.
Es ist schon weit nach Mitternacht, doch wie soll man sich von so einer tollen (und milden) Nacht trennen?
Vielleicht ist es ja die letzte so warme Nacht heuer, und der Himmel so unglaublich klar. Im Norden und Nordwesten
beobachten wir seit geraumer Zeit Wetterleuchten, doch der Wind kommt hier auf der Sofienalpe noch immer von
Süden bis Südosten, keine Gefahr also.
Wir wenden uns den letzten Objekten zu.
h + χ Persei ist im 30mm Pentax XW einfach mit Worten nicht zu beschreiben;
unglaublich, wie viele Sterne da im Gesichtsfeld stehen. Erstaunlich auch der Unterschied zwischen
den beiden Haufen. "h" (NGC 869) hat wirklich viel hellere Sterne als χ (NGC 884). Markant
in "h" ist auch eine kleine, männchenförmige Sterngruppe.
Und was steht da im Osten über dem Horizont? Die
Pleiaden (M45)! Es wird Winter ... auch Aldebaran ist schon da. Die Pleiaden sind
vor allem im 8" Newton schön, da passen sie ins Gesichtsfeld.
Es ist ein Uhr vorbei und bevor auch noch der Orion aufgeht (nein, der kommt erst einige Stunden später),
bauen wir doch Rolands Dobson ab. Diese rein visuelle Beobachtungsnacht, in der wir uns viel Zeit für jedes
Objekt genommen haben, hat enormen Spass gemacht. Und es war sehr ruhig heute auf der Sofienalpe. Kein Surren von
Motoren, kein Gepiepse von Steuerungen oder Computern. Überhaupt war außer unserem kleinen Grüppchen
nur zwei weitere Beobachter mit einem Rohr da. Das schöne Wetter kam offenbar wirklich unvermutet - oder waren
alle anderen auf der Ebenwaldhöhe?
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