Astropraxis: Sommerhighlights

Sofienalpe, 25. 08. 2006

20060825api19.html

Beobachter:Alexander Pikhard
Datum:25. 08. 2006
Zeit:19.30 bis 01.00 MESZ
Ort:Sofienalpe
Instrument:Diverse; Astrofotos mit Canon EOS 350D + 300mm Tele
Bedingungen:
Durchsicht:gut (2)
Aufhellung:gut (2)
Seeing:ausreichend (3)
Freis. vis. Grenzgroesse:5.5
Temperatur:15 °C
Luftfeuchtigkeit:feucht
Bemerkungen:Sehr klar, anfangs noch wolkig
Bericht:

Dass in unseren Breiten die Koordination astronomischer Veranstaltungen wegen der unberechenbaren Wetterlage ein Horrortrip ist, ist allgemein bekannt. Heute Gestaltet sich die Frage nach der Durchführbarkeit der geplanten Astropraxis aber endgültig zum Ratespiel. Die verläßlichen Wettermodelle, allen voran BOLAM, sagen erst im Lauf der Nacht ein Abziehen der Störungsfront voraus. Draußen herrscht am Nachmittag noch dunkler, wolkenverhangener Himmel mit letzten Regenschauern. Einzig das Satellitenbild macht Hoffnung und um 17 Uhr bricht dann erstmals die Sonne durch die Wolken, zeigt sich im Westen der sprichwörtliche Silberstreif am Horizont.

Was tun? Die Astropraxis auf Samstag zu verschieben erscheint riskant bei dieser Entwicklung. Denn die Modelle sagen für die Nacht von Samstag auf Sonntag Wetterverschlechterung voraus, und wenn auch die einige Stunden früher als vorhergesagt eintritt, hätten wir Pech. Also lautet die Entscheidung: Wir trauen uns und starten aus einem düsteren, verregneten Freitag auf die Sofienalpe.

Es soll sich auszahlen ...


Auch so kann ein verregneter Tag zu Ende gehen ...

Ein strahlender Sonnenuntergang leitet einen klaren und nicht allzu kühlen Abend ein. Viele haben die Hoffnung nicht aufgegeben und kommen mit ihren Teleskopen auf die Sofienalpe zur Astropraxis, und das trotz der späten Entscheidung.


Die Restwolken können uns nichts mehr anhaben

Einmal mehr entsteht hier hoch über Wien ein buntes Teleskoptreffen.


Teleskoptreffen unter abziehenden Wolken


ISS zieht ihre Spur durch die Cassiopeia


Beobachten unter dem Großen Bären

Die Astropraxis steht unter dem Motto "Highlights am Sommerhimmel" und so beobachten wir die ganzen Sehenswürdigkeiten dieser Jahreszeit mit diversen Instrumenten, vom 105mm ETX bis zum 18" Dobson. Einmal mehr unvergeßlich sind die schönen Kugelsternhaufen M13, M15 und M92 im 18" Dobson, aber auch der Cirrius-Nebel, der trotz naher Stadt mit UHC-Filter gut zu erkennen ist.

Höhepunkt ist sicher M15 im 18" Dobson mit 7mm Pentax. Erstmals können Roland und ich ohne Zweifel den planetarischen Nebel Pease 1 ausmachen; er zeigt sich bei indirketem Sehen ohne Probleme als diffuser Fleck am Rand (der Kernzone) dieses schönen, dichten Kugelsternhaufens.

Während bis nach Mitternacht an diversen Rohren primär visuell beobachtet wird, mache ich am 12" LX200 huckepack ein paar Aufnahmen mit der EOS 350D und 300mm Tele (die optische Qualität des 80-300 EF Zoom ist leider nicht umwerfend bei Sternen). Mit dieser Brennweite kommen einige der größeren "Klassiker" in ihren Sternfeldern gut heraus. Alle Aufnahmen mit 800 ISO, hier verkleinert wiedergegeben.

Zunächst in die Osthälfte des Himmels, zu den Herbststernbildern, in die Cassiopeia:


NGC 457 (Cas), 20 Sekunden


NGC 663 (Cas), 20 Sekunden


NGC 7789 (Cas), 20 Sekunden

Dann in die Nachbarschaft:


h + χ Per, 20 Sekunden


M34 (Per), 20 Sekunden


M31 (And), 5 x 20 Sekunden

Es ist schon erstaunlich, wie gut M31 trotz der Nähe zur Stadt herauskommt. Beide Begleiter und zwei Spiralarme sind deutlich zu erkennen, der Nebel erstreckt sich weit, trotz des Stadtlichts im Hintergrund. Sogar NGC 206 ist mit Phantasie zu erkennen.

Jetzt Richtung Zenit:


M39 (Cyg), 20 Sekunden


M27 (Vul), 7 x 20 Sekunden

Und schließlich noch nach Südwesten, wo noch einige schöne offene Sternhaufen warten:


IC 4665 (Oph), 20 Sekunden


NGC 6633 (Oph), 20 Sekunden


IC 4756 (Ser), 20 Sekunden


M11 (Sct), 20 Sekunden

Erst nach Mitternacht beginnen die ersten mit dem Abbau und jetzt ziehen auch wieder Wolken auf. Wir haben ein großes Wolkenloch, das einige Stunden früher als prognostiziert kam, optimal genützt.