| Beobachter: | Thomas Schröfl | ||||||||||||||
| Datum: | 09. 09. 2006 | ||||||||||||||
| Zeit: | 10.00 bis 23.45 MESZ | ||||||||||||||
| Ort: | Edlach/Rax
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| Instrument: | Optolyth 100/700, Takahashi Mewlon 180, Lille-H-alpha-System | ||||||||||||||
| Bedingungen: |
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| Bericht: | ANO-VST (zur Erinnerung meine Sternwarte in Edlach namens Austrian North Observatory + Very Small Telescope) erlebt ihr erstes Going Public. Eine junge Dame hat im Vorbeigehen bei Astro-Experts Fotos meiner Sternwarte gesehen, Kontakt mit mir aufgenommen und ihrem astronomieinteressierten Onkel einen Sternabend in Edlach zum Geburtstag geschenkt. Zweiter Gast ist Stephan Kiene, ein neues Mitglied der WAA.. Nachdem Freitag abends die Kaltfront abgezogen ist, tritt ein, was BOLAM prognostizierte, nämlich ein strahlend schöner Samstag, bei angenehmen frühherbstlichen Temperaturen. Vormittags wird die Kuppel und die Außensäule betriebsklar gemacht, denn am Nachmittag wollen wir die Sonne beobachten. Der Takahashi ist auf der GP-DX, das Coronado-Weißlicht-Bino am Stativ und der Optolyth mit dem Lille-H-Alpha System in Bereitschaft. Schon vor dem Eintreffen der Gäste beobachte ich die Sonne im Weißlicht und mit dem Solar-Continuum-Filter und mache mit der D70s auch einige Aufnahmen, denn es zeigt sich eine recht schöne Fleckengruppe. Ein großer Fleck mit einigen kleinen Flecken in unmittelbarer Umgebung, alle zusammen eingefaßt von einer sehr schönen Penumbra, und dann zwei kleine Fleckengruppen. Nun zu den Gästen: Gerhard Richter und Dr. Elisabeth Windsteig, die Geburtstag Beschenkten, sind seit der Sofi 1999 astronomieinteressiert, erforschen seither den Himmel mit kleinen Feldstechern und nahmen im März an der Sofi-Reise in die Türkei teil, wo sie Alex kennenlernten und mir begeistert vorschwärmten, wie spannend und verständlich er Newcomer in die Astronomie einführt. Für mich ein Anlaß heftig für die WAA die Werbetrommel zu rühren. Das wird wohl zwei weitere Teilnehmer am Einführungskurs im Oktober geben. Spontan wurde von ihnen dann auch noch ein in Gloggnitz ansässiger Freund am Abend zum Mitmachen eingeladen. Stephan Kiene ist seit kurzem Mitglied bei der WAA, seit wenigen Tagen stolzer Besitzer eines 10-Zoll Dobsons und wird von Roland Graf gerade zum Dobsonauten ausgebildet. Ein im Nachbarort Prein residierender Freund hat ihm die Astronomie in der Raxgegend nahe gebracht. Zuerst werden mit dem Coronado-Bino die Flecken in Augenschein genommen, aber das ist ja für die Gäste nichts wesentlich Neues, denn seit der Sofi haben sie Baader-Solarfolie für ihre Binos. Der Blick durch den Takahashi bei 60facher Vergrößerung löst dann die erste Begeisterung aus, als der große Fleck in allen seinen Details und der schön gezeichneten Penumbra sichtbar wird. Eine gute halbe Stunde sind meine Gäste nicht mehr vom Teleskop zu trennen, dabei wartet noch H-alpha auf sie. Dann mahne ich zur Eile, damit uns die Sonne nicht in den Bäumen verschwindet, die meine Sicht nach Westen beschränken. Schnell ist der bereits vorbereitete Optolyth mit dem H-alpha-System auf der Montierung und die Sonne eingestellt. Wie immer, wenn man etwas zeigen will, findet es nicht statt. Der Sonnenrand ist heute ausnehmend ruhig. Nur vereinzelt zeigen sich ganz kleine Protuberanzen. Aber für jemanden, der die Sonne noch nie im H-alpha-Licht gesehen hat, ist die Faszination des Neuen grenzenlos. Langsam merke ich, meine Gäste sind eindeutig vom virus astronomicus unheilbar angesteckt. Währenddessen stößt Stephan Kiene zu uns und der neue Anblick der Sonne läßt ihn sofort mit einem PST liebäugeln. Bei Kaffee und Kuchen geht das Fachsimpel los und zieht sich bis in die Dämmerung. Als die ersten Sterne auftauchen wird die Montierung initialisiert und los geht es mit der Einführung in die praktische Astronomie. Leider ist auch der Mond schon aufgegangen und nur zwei Tage nach dem Vollmond läßt die Aufhellung nicht viel Deep-Sky zu. Also versuche ich Objekte zu zeigen, bei denen die hohe Hintergrundhelligkeit nicht allzu störend ist. Wir beginnen mit dem Kleiderbügel, einem klassischen Fernglasobjekt, gehen weiter zu h + chi Persei und nach einem Streifzug durch Schwan und Adler probieren wir uns an M31, aber bei dieser Aufhellung ist nur der innerste Kern zu sehen. Dann steigen wir um auf den Takahashi, um uns einige Doppelsterne und planetarische Nebel vorzunehmen. Albireo begeistert wie immer. Dann sehen wir uns epsilon lyrae sowie Alcor und Mizar an. Ring- und Hantelnebel sind zwar zu sehen, aber viel von der Pracht säuft in der Hintergrundhelligkeit ab. Da liegt es an mir den Gästen den Mund für eine richtige Deep-Sky-Nacht wäßrig zu machen und eine kurze Einschulung im indirekten Sehen erweist sich da als sehr nützlich. Bei jedem Objekt bin ich natürlich auch bemüht ein wenig vom astrophysikalischen Hintergrund zu vermitteln. Schließlich soll man ja auch wissen, was es ist, was man sieht. Wenn uns schon der Mond das Leben schwer macht, dann soll er sich uns auch entsprechend zeigen. Damit er absolut als der strahlende Höhepunkt des Abends auftritt, montiere ich das Baader-Bino und es erzielt auch voll seine Wirkung mit dem Apollo-Feeling in 3D über die Mondoberfläche zu schweben. Nahezu bis Mitternacht können sich meine Gäste nicht mehr vom Teleskop trennen. Erst die Kälte und die ansteigende Feuchtigkeit treiben sie dann in die Wärme des Hauses, wo bei heißem Tee bis zwei Uhr morgens fast alle Aspekte der Astronomie beleuchtet werden. Natürlich nütze ich dabei jede Gelegenheit das Angebot der WAA entsprechend herauszustreichen. Einigermaßen müde lande ich um halb Drei im Bett, wo es sich in der Zwischenzeit canis minor + unsere Malteserhündin Lucie (in the sky with diamonds) + bequem gemacht hat. Zufrieden lasse ich meinen ersten Tag als +Astronomielehrer+ an mir vorüberziehen. |