Deep Sky Nacht

Hohe Wand, beim Gasthof Postl, 24. 09. 2006

20060924api19.html

Beobachter:Alexander Pikhard
Datum:24. 09. 2006
Zeit:19.30 bis 23.15 MESZ
Ort:Hohe Wand, beim Gasthof Postl
Instrument:12" Meade LX200, Canon EOS 350D, 18" Obsession Dobson
Bedingungen:
Durchsicht:sehr gut (1)
Aufhellung:gut (2)
Seeing:schlecht (4)
Freis. vis. Grenzgroesse:6.0
Temperatur:12 °C
Luftfeuchtigkeit:eher trocken durch den Wind
Wind:stark aus SE
Bericht:

Es ist dieser wunderbare klare Nachmittag, der, verbunden mit noch fast neuem Mond, so richtig Lust auf Deep Sky macht. So trifft sich eine kleine Gruppe von Beobachtern trotz des morgigen Montags auf der Hohen Wand.


Kristallklarer Dämmerungshimmel

Das einzige, das das uneingeschränkte Deep Sky Erlebnis an diesem Abend schmälert, ist der heftige, föhnige Wind. Er ist unangenehm und beschert uns zudem auch noch schlechtes Seeing.


Aufbau in der Dämmerung


Jupiter im Untergang

Jupiter ist kein Thema mehr; kaum ist es dunkel genug, seine Monde auszumachen, geht er auch schon hinter den Bäumen unter. Aber das Seeing läßt heute ohnedies keine Planetenbeobachtung zu. Zum Glück wird es um diese Jahreszeit früh und vor allem rasch dunkel. Von Minute zu Minute sieht man mehr Sterne. Bald sind offene Sternhaufen wie M11 und Kugelsternhaufen wie M13 und M92 lohnende Ziele. Und dann kommt sie heraus, die Milchstraße!


Die sommerliche Milchstraße über der Hohen Wand

Mit immer schwierigeren Objekten begeben wir uns in die Deep Sky Nacht. Kaum, dass die Milchstraße den ganzen Himmel von Norden nach Süden überspannt, sind die Klassiker wirklich mehr als beeindruckend. M27, M57 sind hier auch ohne Filter wirklich traumhaft, aber auch die diversen Sternhaufen sind nicht ohne (M71, M103, NGC 457 und viele andere). Nicht zu vergessen M2, M15 und naürlich M31 und M33.


Tanz um den 18" Dobson unter den Sternen des Großen Wagen


Dobsonauten auf großer Fahrt

Jetzt aber geht es zu schwierigeren Objekten. Doch auch Cirrus- (NGC 6960, NGC 6992-5), Crescent- (NGC 6888), Cocoon (IC 5146)- und Bubble-Nebel (NGC 7635) stellen keine allzu große Herausforderung dar. Auch der Reflexionsnebel NGC 7023 ist sehr deutlich; er überrascht (nicht wirklich) durch den Umstand, dass bei ihm ein UHC-Filter nichts bringt.

Auch ein paar seltenere planetarische Nebel stehen auf dem Programm: NGC 6781 im Adler, ein schöner Ring; NGC 6804 im gleichen Sternbild, eine große, runde Scheibe; NGC 6772, auch im Adler, ein großer, diffuser Nebel. NGC 6905 im Delphin, sehr deutlich; NGC 7008 im Schwan, der Totenkopfnebel, zeigt sogar seine markabere Struktur. NGC 7139 im Kepheus ist auch deutlich zu sehen, aber schwierig.

Tahir Saban bringt vom ITT ein paar Ideen mit, die jedoch am schlechten Seeing scheitern, da es sich um extrem kleine Objekte handelt. M1-92 (Minkowski's Footprint Nebula) ist zwar identifizierbar, aber um seine Struktur zu erkennen, bedarf es nicht unter 450x, und das ist bei dem Seeing nicht möglich. Ähnlich ergeht es uns bei PK64+5.1, Campell's Hydrogen Star. Dafür entschädigt uns ein -3mag Iridium-Flare im Schwan.

Zu etwas späterer Stunde nehme ich noch drei Klassiker mit dem 300mm Tele auf; es hat nicht die beste Abbildung, die Aufnahmen sind für eine "normale" DSLR aber nicht übel.


M45, 5 x 30 Sekunden bei 1600 ISO, verkleinert. Nebel sind ansatzweise zu sehen.


M31 (und Begleiter), 6 x 30 Sekunden bei 1600 ISO, verkleinert. Man übersehe die helleren Sterne.


M33, 9 x 30 Sekunden bei 1600 ISO. Verkleinert.

Die drei Aufnahmen sind im gleichen Maßstab und zeigen schön einen Größenvergleich der Objekte. Die Einzelaufnahmen wurden vorverkleinert, mit AstroArt unter Abzug von Dunkelstrombild gestackt und dann nochmals verkleinert und nachbearbeitet.

Eine letzte Testaufnahme zeigt im Einzelbild bei 30 Sekunden Andeutungen des California-Nebels. Eine gute Orientierung. Ich starte demnächst mit Polwiege. Mit längerer Belichtungszeit sollten dann auch solche Objekte möglich sein.

Jetzt endet jedenfalls eine sehr schöne, zeitweise leider etwas kühle und windige Deep Sky Nacht. Es hat sich ausgezahlt, hierher zu fahren und bei diesem klaren Himmel dem Licht der Großstadt zu entfliehen.