Komet in der Vollmondnacht

Sofienalpe, 06. 10. 2006

20061006api19.html

Beobachter:Alexander Pikhard
Datum:06. 10. 2006
Zeit:19.00 bis 00.10 MESZ
Ort:Sofienalpe
Instrument:12" Meade LX200, Canon EOS 350D
Bedingungen:
Durchsicht:sehr gut (1)
Aufhellung:sehr schlecht (5)
Seeing:gut (2)
Freis. vis. Grenzgroesse:4.0
Temperatur:17 -> 12 °C
Wind:kein
Bemerkungen:Vollmondnacht mit sehr guter Durchsicht
Bericht:

Der tiefblaue Himmel am Nachmittag verspricht eine sehr klare Nacht, doch es ist Vollmond. Was soll's, bei guter Durchsicht kann man auch bei Vollmond einiges beobachten.


Kitschig geht der Mond über der Meidlinger Kaserne auf

Also hinauf auf die Sofienalpe. Es geht in erster Linie darum, einen Blick auf den Kometen C/2006 M4 (SWAN) zu erhaschen. Auf der Sofienalpe dann ein Traumabend.


Was für eine klare Dämmerung!

Im Osten steht der Mond schon höher ...


Strahlend hell steigt der Mond empor

Ich baue rasch auf; je höher der Mond und je tiefer der Komet steigt, desto schlechter. Habe ihn schon! Manchmal ist eine GoTo-Montierung doch von Vorteil.


Komet C/2006 M4 (SWAN); 12" LX-200 bei f/6.3, Komposit aus insgesamt
9 Aufnahmen à 25 Sekunden, 400 bis 1600 ISO

Na bitte, da ist ja sogar ein Schweif auf der Aufnahme drauf, und das bei Vollmond. Die Coma des Kometen ist wirklich sehr hell und auch schon beim visuellen Betrachten auffällig grünlich. Dieser Komet wird uns noch mehr Freude machen, wenn der Mond vom Abendhimmel verschwunden sein wird.

Mittlerweile sind Karin, Matthias und Roland auch eingetroffen und bauen rasch auf, um noch einen Blick zu dem immer tiefer stehenden Kometen zu erhaschen. Der Mond steigt indes höher und beleuchtet die Szene so hell, dass wir bald die Wiese, auf der wir stehen, als grün erkennen. Trotzdem wagen wir uns an etliche Deep Sky Objekte.


Die empfindlicher Kamera läßt unser kleines Teleskoptreffen erscheinen, ...


... als fände es am hellen Tag statt, erhellt von den Strahlen der Sonne. Doch es ist Mondlicht!


Der helle, aber klare Himmel ist für's freie Auge interessant, ...


... aber auch mit dem Fernrohr. Sternhaufen und kleine Nebel gehen allemal!


Zweifellos ein recht skurriler Anblick

Im hellen Mondlicht erscheint die Szenerie auf den jeweils 15 Sekunden lang belichteten Aufnahmen wie unter Tags; der Himmel ist blau, die Wiese grün, die Farben so satt, als würde die Sonne sie direkt beleuchten (indirekt tut sie es ja ohnedies).

Wäre da nur die kleinste Spur von Dunst, es wäre sinnlos. Doch heute ist die Durchsicht extrem gut. Nur selten ziehen ein paar hohe Wolken durch und lösen sich rasch auf. Ziehen sie über den Mond, ergibt sich ein tolles Farbenspiel.


Tolles Farbenspiel irisierender Wolken. Das ist kein Halo!

Was kann man bei so hellem Mondlicht eigentlich beobachten? Nun, eine ganze Menge. Sternartige Objekte leiden ja unter der Hintergrundaufhellung relativ wenig, also sind Sternhaufen durchaus gut zu beobachten. Aber auch kleine Nebel sind trotz des Vollmonds lohnende Ziele.

Die erste Runde gebührt den Kugelsternhaufen: M13 und M92, kein Problem und beeindruckend, natürlich vor allem in Rolands 18" Dobson. Aber auch M56 ist sehr schön, und das will schon etwas heissen, denn dieser kleine Kugelsternhaufen ist nicht mehr so brillant wie die beiden zuvor beobachteten Klassiker. Klar, dass auch M15 und M2 ein sehr schöner Anblick sind.

Bei den offenen Sternhaufen verhält es sich differenzierter. M11 ist traumhaft, keine Frage. M71 ist da schon eher ein Grenzfall, seine schwachen Sterne erfordern eine hohe Vergrößerung, die heute aber durchaus anwendbar ist, da das Seeing gut ist. Die etwas größeren und lockereren offenen Sternhaufen (M52, M103, NGC 457 "E.T." und NHC 663, aber auch h+χ Per) verlieren insofern ein wenig, als sie normaler Weise vom Kontrast zum dunklen Hintergrund leben, und der ist heute natürlich nicht vorhanden. Aber sie sind allemal sehr schöne Objekte. Sogar NGC 7789 ist durchaus schön, und das trotz seiner vielen, schwachen Sterne.

Wir können sogar Nebel beobachten, und zwar kleine planetarische Nebel, die sich mit ihrer hohen Flächenhelligkeit locker gegen den hellen Himmelshintergrund durchsetzen können. M57, NGC 6826 ("Blinking Planetary"), NGC 6543 ("Katzenauge") und NGC 7009 ("Saturnnebel") sind schöne Objekte.

Auch der Andromedanebel ist gar nicht so schlecht, flächige Objekte sind aber generell nicht leicht oder gar nicht zu beobachten.

Zuletzt wagen wir uns an den Mond. Mit guten, starken Graufiltern kein Problem. Wir werden mit sehr gutem Seeing belohnt, das uns sogar noch einen Hauch von Terminator beschert (Vollmond ist erst um 5.13 Uhr MESZ, es sind noch rund 6 Stunden bis dahin). Der Mond erscheint extrem kontrastreich und dank günstiger Libration sind die randnahen Mare Australe, Smythii und Marginis gut zu sehen.


Vollmond! 22 Aufnahmen am 12" LX-200 bei f/3.3, 1/2500s bei 100 ISO, gestackt.

Es ist unglaublich, wie viele Details auch der Vollmond zeigt. Auf den ersten Blick bestechen die Strahlenkrater, allen voran Tycho. Aber auch Copernicus, Kepler, Proclus und Anaxagroras (ganz nahe beim Nordpol) sind auffällig.

In der kontrastverstärkten, aus 22 Einzelbildern gestackten Aufnahme kommen aber auch die zahlreichen kleinen, hellen Punkte zum Vorschein, die praktisch nur bei Vollmond zu sehen sind. Es handelt sich um sehr kleine Krater mit hellem Kraterboden. In der Tat verhält sich ja der Regolith, der die Mondoberfläche vor allem in den Bergländern überzieht, ähnlich wie die reflektierende Schicht unserer Autokennzeichen. Daher werden gerade die Böden junger Krater um den Vollmond so hell, weil sie das Sonnenlicht unabhängig von seinem Einfallswinkel praktisch in die gleiche Richtung zurück reflektieren, und bei Vollmond stehen wir eben in dieser Richtung. Daher die vielen hellen Punkte auf dem Mond. Während einer Mondfinsternis sind diese Punkte übrigens gut geeignet, um Kontaktzeiten mit dem Erdkernschatten auf wenige Sekunden genau zu bestimmen.

Nach dem Blick zum Mond sieht die uns umgebende Landschaft auf einmal viel dünkler aus. Wir haben das, was der Himmel heute hergibt, beobachtet und bauen zufrieden ab. Selbst jetzt hat es noch 12°C. Fein!