Orioniden-Ausbruch, Zodiakallicht

Atzelsdorf / NÖ, 21. 10. 2006

20061021twe23.html

Beobachter:Thomas Weiland
Datum:21. 10. 2006
Zeit:23.35 bis 04.05 UT
Ort:Atzelsdorf / NÖ
Geogr. Länge:16°33' E
Geogr. Breite:48°30' N
Seehöhe:220
System:
Instrument:Freies Auge
Bedingungen:
Durchsicht:gut (2)
Aufhellung:gut (2)
Freis. vis. Grenzgroesse:5.5
Wind:kein
Bemerkungen:Meist heiter bis wolkenlos
Bericht:

Die Orioniden sind ein mäßig aktiver Meteorstrom, der alljährlich zwischen dem 21. und 23. Oktober ein meist plateauförmiges Maximum erreicht, wobei die stündlichen zenitalen Raten (ZHRs) im allgemeinen zwischen 15 und 30 liegen. Als Erzeuger gilt der Komet 1P/Halley. Die Orioniden ziehen als sehr schnelle Meteore (geozentrische Geschwindigkeit 66 km/s) über den Himmel und hinterlassen häufig Spuren, helle Exemplare sind aber eher selten. Ihr Radiant befindet sich zunächst im nordöstlichen Bereich des Orion bzw. später in den Zwillingen und erreicht erst in der zweiten Nachthälfte größere Höhen über dem Horizont.

Die Orioniden sind dafür bekannt, dass ihr Aktivitätsprofil, sowohl was die Zeitpunkte des Haupt- bzw. etwaiger Nebenmaxima als auch deren Höhe betrifft, von Jahr zu Jahr unterschiedlich ausfällt. Dies ist auf eine ausgeprägte Filamentstruktur des Stromes zurückzuführen. Darüber hinaus wurde eine ungefähr 12jährige Periodizität, die dem Einfluss Jupiters zuzurechnen ist, festgestellt. Höhere Maxima wären demnach wieder 2008-2010 zu erwarten.

Infolge günstiger Witterung konnte ich heuer in der Zeit zwischen 17./18. und 26./27. Oktober an fünf Nächten von Atzelsdorf / NÖ aus insgesamt ca. 18 Stunden lang beobachten. Von gelegentlichen Wolken bzw. Nebel abgesehen, waren die Bedingungen gut, in den großteils mondlosen Nächten lagen die Grenzgrößen zwischen +5,6mag und +6,1mag.

In der ersten Beobachtungsnacht (17./18.10.) bewegten sich die ermittelten ZHRs im Rahmen des zu Erwartenden (2 +/- 2 bis 10 +/- 5), und nichts deutete auf einen möglichen Aktivitätsausbruch hin. Doch bereits während des ersten Beobachtungsintervalls vom 21. auf den 22.10. (23:35-00:30 UT) konnte ich 12 Orioniden sichten (ZHR 41 +/- 12), dies steigerte sich auf 24 Stück zwischen 02:35-03:35 UT (ZHR 58 +/- 12). Auffallend war der hohe Prozentsatz heller Meteore (maximal -3mag), was auch in einem niedrigen Populationsindex von r = 2,04 zum Ausdruck kommt. Üblicherweise liegen die r-Werte im Mittel bei 2,4. Interessanterweise fand auch die Abnahme der Aktivität verzögert statt. So erreichten die ZHRs selbst drei Tage nach dem Maximum (24./25.10.) noch immer Werte zwischen 29 +/- 7 und 33 +/- 8. Auch am 25./26.10. und 26./27.10. lagen diese über dem zu erwartenden Niveau (17 +/- 7 bis 30 +/- 8 bzw. 4 +/- 3 bis 14 +/- 6). Hellere Orioniden zeigten blau- bis grünweiße, gelbe sowie orange Farben, 32 Prozent von ihnen hinterließen eine Spur. Daneben traten auch ε-Geminiden, Tauriden sowie sporadische Meteore auf. Insgesamt lieferten die Orioniden 2006 also ein bemerkenswertes Maximum, welches jene der letzten Jahre hinsichtlich Dauer und Stärke bei weitem übertraf.

Abschließend sei erwähnt, dass ich am Morgen des 25. Oktober bei ausgezeichneten Sichtverhältnissen das Zodiakallicht als schlanke, spitz zulaufende "Pyramide" bis zu Regulus im Löwen verfolgen konnte.