Komet SWAN in einer unglaublich klaren Nacht

Sofienalpe, 25. 10. 2006

20061025api19.html

Beobachter:Alexander Pikhard
Datum:25. 10. 2006
Zeit:19.30 bis 22.30 MESZ
Ort:Sofienalpe
Instrument:12" Meade LX200 und 300mm Tele, Canon EOS 350D
Bedingungen:
Durchsicht:sehr gut (1)
Aufhellung:gut (2)
Seeing:gut (2)
Freis. vis. Grenzgroesse:5.5
Temperatur:12 °C
Wind:leicht aus SE
Bemerkungen:Anfangs Durchzug hochnebelartiger Bewölkung, dann extrem klar.
Bericht:

Ein strahlend klarer Herbsttag mit unglaublich klarem Himmel macht Lust aufs Beobachten, und so findet sich spontan eine kleine Beobachtergruppe auf der Sofienalpe ein. Einzig das Bangen wegen des Hochnebels dämpft die Freude, doch bei der Ankunft ist der Himmel strahlend klar. Rasch aufbauen! Bald ist der Komet C/2006 M4 anvisiert und die grosse Überraschung perfekt: Der Komet hat einen enormen Helligkeitsausbruch! Im Okular des 12" LX200 strahlt er mit einem hellen, sternartigen Kern und einer grossen, hellen Coma. Im Rolands 18" Obsession ist er überhaupt ein Hit. Auch ein breiter Schweifansatz ist gut zu erkennen. Rasch die Kamera montieren!

Ich nehme zuerst durch das 12" LX200 bei f/6.3 auf und dann mit dem huckepack montierten 300mm Tele.

1
C/2006 M4 (SWAN), 12" LX200 @ f/6.3, 15 x 20 Sekunden bei 1600 ISO, verkleinerter Ausschnitt

2
Obige Aufnahme mit Larson-Sekanina-Filter verstärkt

3
C/2006 M4 (SWAN), 300mm Tele, 9 x 30 Sekunden bei 1600 ISO, verkleinerter Ausschnitt

Unglaublich, wie schnell sich der Komet bewegt! An einem nahen Stern können wir die Bewegung im Fernrohr ohne Mühe schon beim blossen Durchschauen erkennen.

5
Bewegung von C/2006 M4 (SWAN)
im Zeitraum von nur 17 Minuten

Dann ziehen von Süden her Wolken auf. Hochnebel? Frustration macht sich breit. Abbauen? Während wir diskutieren, was wir tun sollen, und mit dem Schicksal hadern, zeigen sich immer wieder Wolkenlöcher. Und dann das Unglaubliche: Die Wolken ziehen wieder ab, und geben einen Himmel frei, klar und brillant, wie wir untertags angesichts der tiefblauen Färbung erhofft hatten.

4
Fuhrmann, Zwillinge und Stier mit Hyaden und Pleiaden über dem Licht von Wien

Die Milchstrasse hoch über uns, klar und deutlich, und das auf der Sofienalpe. Heute ist kein Abend für "normale" Objekte, sondern für Besonderes. Nach den Klassikern M13, M27 und M57, die heute viele Minuten lang bestaunt werden, widmen wir uns schwierigen Aufgaben.

Der Cirrus-Nebel ist schon im 12" LX-200 sehr deutlich. Doch im 18" Obsession mit 30mm Pentax XW und O III-Filter erscheint der Nebel wie auf einem Foto. Deutlich abgehoben, kontrastreich und reich strukturiert sowohl das Filament NGC 6960 als auch der weit verzweigte NGC 6992-5. Ein Traum, mit dem grossen Dobson die beiden Filamente abzufahren.

Doch nicht genug damit; nächstes Ziel ist der Crescent-Nebel NGC 6888. Auch unglaublich deutlich in der gleichen Konfiguration, die charakteristische Blase in der reichen Milchstrassenregion ist kein Problem. So gut haben wir sie noch selten gesehen. Weiter zu schwierigen Objekten. In der Cassiopeia sind das die Nebel NGC 281 (deutlich zu erkennen) und der Bubble-Nebel NGC 7635; er ist zwar klein, aber ebenfalls sehr deutlich.

Jetzt weg mit dem O III-Filter und zu Galaxien. M31 mit Begleitern ist spektakulär, M33 sehr deutlich, und das so nahe bei Wien. Dann noch ein Blick zu den Pleiaden und ein paar Sternhaufen im Fuhrmann. Es wird jetzt doch etwas dunstiger.

Es darf, denn morgen starten wir nach Prag, und da ist ohnedies ein früherer Abbau angesagt. Nach einer nicht allzu langen Wolkenphase durften wir die klarste Nacht auf der Sofienalpe in diesem Jahr erleben. Traumhaft!