| Beobachter: | Alexander Pikhard | ||||||||||||||
| Datum: | 26. 11. 2006 | ||||||||||||||
| Zeit: | 19.30 bis 23.15 MESZ | ||||||||||||||
| Ort: | Hohe Wand, Kleine Kanzel | ||||||||||||||
| Instrument: | 12" Meade LX200, Canon EOS 350D | ||||||||||||||
| Bedingungen: |
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| Bericht: |
Gestern, Samstag, war der Himmel auch oberhalb der dichten Nebeldecke wolkenverhangen, doch heute sieht das schon wieder ganz anders aus; das verheißen zumindest die Wetterseiten im Internet, wenngleich das Erraten der Nebelobergrenze ein bißchen ein Glücksspiel ist. Die Obergrenze der Hochnebeldecke hängt von vielen Faktoren wie Relief und Windrichtung ab und kann sogar von einem Tal zum nächsten um einige hundert Meter variieren. Was soll's, es geht Richtung Hohe Wand. Schon auf der Südautobahn ab Leobersdorf herrscht Nebel, grausliche Fahrbedingungen. Leichter Nebel mit Nieselregen dann bis Stollhof. Keine Lichter am Berg zu sehen, das ist ein gutes Zeichen, die Nebeldecke beginnt weit unten. Am Anfang der Mautstraße ist noch alles in Ordnung, doch nach der ersten Kehre beginnt das Abenteuer. Die Sichtweite fällt auf ca. fünf Meter. Schritttempo ist angesagt, vorsichtiges Vorwärtstasten von einem Strich der Leitlinie zum nächsten. Die engen Kurven in der Wand. Nach längerer Zeit die Abzweigung am Anfang des Plateaus, noch immer dichter Nebel. In den Wald. Die Abzweigung zum Gasthof Postl ist nicht zu erahnen, diesen Platz kann man vergessen. Weiter durch den Wald, schier endlos im dichten Nebel. Zweifel kommen auf. Dann steigt die Sichtweite auf über 100m und nach einem kurzen Waldstück sehe ich vor mir - die Mondsichel! Ich befinde mich knapp vor dem Wildgehege; so weit geht der Nebel also hinauf. Ich biege zum Parkplatz ein; zwei Beobachter sind schon hier. Ein erster Lokalaugenschein ergibt: Es ist unangenehm feuchtkalt und irgendwie liegt Nebel in der Luft, auch wenn die Sicht klar ist. Das wirkt instabil. Ich beschließe, zur Kleinen Kanzel weiterzufahren. Dort ist das Gasthaus hell erleuchtet. Darum sind die beiden ja auch beim Wildgehege gelandet. Eine kurze Verhandlung mit dem Wirt erbringt aber, dass das Licht ohnedies abgedreht wird, wenn die letzten Gäste das Lokal verlassen haben. Was ist ca. einer halben Stunde auch der Fall ist. Die Bedingungen? Leichter Wind, trocken und - warm. Kein Vergleich zu dem kaum 300m entfernten und ca. 60m tiefer gelegenen Wildgehege-Parkplatz. Das nennt man Kleinklima. Der Boden ist feucht, was darauf hindeutet, dass es vor kurzem auch hier noch nebelig war. Was der Wirt auch bestätigt. Doch es trocknet rasch auf. Eine Gruppe beschließt also, hier aufzubauen. Einer der beiden Beobachter vom Wildgehege kommt dann auch noch hierher. Sein Dobson ist eben rasch ab- und wieder aufgebaut. Nach dem Aufbau erst einmal die Lage erkunden. Wow, traumhaft. Vom kleinen Aussichtspunkt neben dem Gasthof bietet sich ein atemberaubender Blick auf den Schneeberg, der sich über das vom Mond beschienene Nebelmeer erhebt.
Bemerkenswert ist das Licht der Edelweißhütte auf dem Schneeberg, das wie ein heller Stern vor der dunkle Kulisse des Berges leuchtet. Über dem Nebel strahlt ein traumhafter Sternenhimmel. 6,5mag ist die freisichtige Grenzgröße letztlich, doch vorerst hellt noch der Mond den Himmel auf und ist daher auch das erste Objekt.
Der Mond geht unter und der Himmel wird wieder unsagbar dunkel. Nur ganz gedämpft das Licht von Wiener Neustadt, sonst kein künstliches Licht aus dem Tal. Die Milchstraße zieht durch den Zenit und ist extrem reich strukturiert. Deutlich erkennt man mit freiem Auge zahlreiche helle und dunkle Filamente, aber auch M31 und M33. Mit einem vor das Auge gehaltenen H-Beta-Filter sind auch der Nordamerika- und California(!)-Nebel sowie später der Rosettennebel leicht mit freiem Auge zu erkennen.
Abgesehen von den Weitwinkelfotos steht heute rein visuelles Beobachten auf dem Programm. Es startet im Schwan, wo mit 40mm Pentax und O-III-Filter einige bekannte Nebel besucht werden. Zuerst der Cirrus-Nebel. Der Teil NGC 6960 ist wirklich extrem auffällig, ein elegantes, ruhiges, geschwungenes Filament. Der Teil NGC 6992-5 ist turbulent, ein wild verzweigtes System aus in einander verschlungenen Filamenten, mindestens drei Gesichtsfelder lang. Der Crescent-Nebel NGC 6888 ist ebenfalls sehr deutlich, man erkennt heute sogar einen komplettes Oval aus nebeligen Filamenten. Jetzt geht es ohne O-III-Filter in Zenitnähe weiter. M31 ist eine Wucht. Leicht erkennt man zwei Spiralarme und Dunkelwolken bis zum Zentrum. Auch M32 erscheint größer als gewohnt mit einer zarten, ovalen, diffusen Hülle. Man kann sogar die Farbe dieser blauen elliptischen Zwerggalaxie erahnen. M33 füllt mit seinen Spiralarmen das Gesichtsfeld, zahlreiche Knoten sind zu erkennen, darunter auch die hellsten H II-Gebiete in dieser Galaxie. NGC 891 habe ich selten so gut gesehen. Deutlich schwebt die Spindelgalaxie in einem sehr sternreichen Feld, das dunkle Staubband ist gut zu erkennen. Ein paar offene Sternhaufen stehen auf dem Programm. NGC 7789 in der Cassiopeia. Umwerfend, wie toll dieser Haufen bei so klarem Himmel aussieht. Ein dichter Haufen aus sehr schwachen Sternen in der Milchstraße, hebt sich extrem gut vom Hintergrund ab und wirkt wirklich reich. Einfach schön. NGC 457, "E.T.", wirkt auch nicht schlecht bei diesen Bedingungen. Und über h+χ Persei brauche ich wohl nichts zu schreiben. Einfach sensationell. Der Milchstraße entlang geht es weiter in den Fuhrmann, wo M37 ein Objekt ist, das wir minutenlang bestaunen. Unglaublich, wie schön dieser dichte Haufen im Feld des 40mm Pentax steht. M38 und der dicht dabei stehende NGC 1907 sind ebenfalls ein sehr schöner Anblick und ganz ähnlich M35 und NGC 2158, die als nächste Objekte auf dem Programm stehen.
Man kann aber nicht nur Klassiker beobachten. Ein paar Exoten sollten auch einmal dabei sein. Erstes Objekt der selten besuchten ist NGC 404, "Mirachs Geist". Die Galaxie ist wirklich sehr deutlich und wirkt in der Tat wie ein Reflex des nahen Sterns. Danach schwenke ich in eine eher unbekannte Region des Himmels, in das Sternbild Giraffe (Camelopardalis). Die Galaxie NGC 2403 ist erstaunlich, sie ist nämlich nicht nur zu erkennen, sie zeigt auch visuell zahlreiche Strukturen in Form heller Knoten und dunkler Wolken. Wird wohl eines der nächsten fotografischen Ziele sein. Der Planetarische Nebel NGC 1501 ist ein sehr schönes Objekt seiner Kategorie. Auch im Stier wartet mit NGC 1514 ein Exote. Der Planetarische Nebel ist eine große, bläuliche, diffuse Hülle um einen deutlichen Zentralstern, größer als die üblichen "kleineren" PN. Bei den guten Bedingungen heute ein interessantes Objekt, bei schlechteren Bedingungen sicherlich nicht zu sehen. Wenn schon Stier, dann rasch zu M1. Der Crab-Nebel ist heute auch ohne Filter ein wirklich deutliches Objekt. Orion steht hoch genug. Der Große Orionnebel ist einmal mehr mit Worten nicht zu beschreiben. Toll, umwerfend, und am schönsten heute eindeutig ohne Filter. Da kommen die feinsten Ausläufer und Reflexionsstrukturen doch am besten heraus. Ich besuche auch die Nachbarschaft. Die Nebel NGC 1973/75/77 sind sehr deutlich und man erkennt natürlich gut den "Running Man", die Dunkelwolke, die sie einschließen. Südlich des Orionnebels steht NGC 1999, um das "Schlüsselloch" zu sehen, muss aber stärker vergrößert werden (14mm Pentax). Ich steuere zum Pferdekopfnebel, da geht ein Raunen durch die Runde. Ein Blick nach Nordosten zeigt, dass sich eine Nebelwand nähert. Der Südwind hatte sich zunächst gelegt, jetzt frischt der Wind von Nordosten her auf und treibt den Nebel vor sich her.
Kurzzeitig verschwinden sogar die hellsten Sterne, doch gerade, als wir zu verzweifeln beginnen, tauchen sie wieder auf. Nach wenigen Minuten ist der Spuk vorbei und es kann weitergehen. Es sind auch alle von uns noch da :-) Auch die Tiere im Wildgehege, die uns hinter dem Zaun die ganze Zeit neugierig bei unserem nächtlichen Treiben zusehen. Ich borge mir von Tahir einen H-Beta-Filter aus, damit ist der Pferedekopfnebel dann kein Problem mehr; ich konnte ihn andeutungsweise auch ohne diesen Filter im 40mm Pentax erkennen. Die Transparenz ist wieder da. Der Flammennebel NGC 2024 ist auch sehr schön zu sehen. In Tahirs 12" Dobson ist dann auch der California-Nebel mit 31mm Nagler und H-Beta wirklich deutlich zu sehen. Ein Versuch mit dem Fornax-Galaxienhaufen endet im Haus - der Südhorizont ist hier doch zu hoch. Ich wende mich dem Eridanus zu. Die Galaxie NGC 1300 ist zwar zu sehen, begeistert mich aber weniger. Dafür ist der Planetarische Nebel NGC 1535 wirklich schön. Weiter in die Zwillinge, hier warten zwei Planetarische Nebel auf stärkere Vergrößerung: NGC 2371/72 ("Erdnuss") und NGC 2392 ("Clown"). Beide sind sehr deutlich und reich strukturiert. Im Nordosten steht der Große Wagen schon wieder recht hoch, daher sind M81 und M82 fast schon Pflicht und vor allem auch wirklich wunderbare Objekte. Sie passen auf einmal ins Gesichtsfeld des 40mm Pentax, wenn auch knapp. Beeindruckend ist heute auch der Eulennebel, schon ohne Filter erkennt man die beiden runden, dunklen "Augen" in der runden, diffusen Scheibe. Auch M108 zeigt sich als deutliche Kantengalaxie. Saturn geht auf. Das Seeing macht den Blick zu ihm selbst bei nur 75-facher Vergrößerung nicht lohnend. Aber immerhin, er ist wieder da. Und da morgen leider Montag ist, soll der tief stehende Ringplanet auch das letzte Objekte dieser schönen Beobachtungsnacht sein. Die Heimfahrt ist dann weniger problematisch, der Nebel ist weniger dicht und die große Herausforderung bleibt zum Glück aus. |