| Beobachter: | Alexander Pikhard | ||||||||||||||
| Datum: | 01. 12. 2006 | ||||||||||||||
| Zeit: | 18.30 bis 23.00 MEZ | ||||||||||||||
| Ort: | Hohe Wand, Kleine Kanzel | ||||||||||||||
| Instrument: | 12" Meade LX200, Canon EOS 350D | ||||||||||||||
| Bedingungen: |
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| Bericht: |
Endlich einmal kein Hochnebel; nach einem strahlenden, recht milden Tag versinkt die Sonne auch in Wien. Tut gut, dieser Farbtupfen in der Natur nach Tagen in eintönigem Grau. Ein klarer Dämmerungshimmel macht Lusts aufs Beobachten, doch da ist auch der Mond, der in kitschiger Pastellfarbe im Osten emporsteigt.
An sich würde sich ja sogar ein Beobachtungsplatz in der Nähe Wiens anbieten, doch der Schein trügt. Schon jetzt liegt leichter Dunst in der Luft, und das kann im Lauf der Nacht nur noch schlimmer werden, bis zur Hochnebeldecke. Also beschließe ich, trotz des schon recht vollen Mondes auf die Hohe Wand zu fahren. Die Durchsicht ist dort in jedem Fall besser und Nebel ist ja vorerst nicht zu erwarten. Die Hohe Wand liegt in hellem Mondlicht; mit freiem Auge sind in etwa so viele Sterne zu sehen wie auf der Sofienalpe bei klarem, mondlosen Himmel. Na immerhin. Und im Lauf der Nacht wird es auch noch etwas besser, denn es liegt anfangs auch hier noch ganz leichter Dunst in der Luft.
Es ist deutlich kälter als noch vor einer Woche. In Gaaden zeigte das Außenthermometer nur mehr +2°C an; die Temperatur stieg bei den engen Kehren in der Felswand noch einmal auf +4°C an (leichte Inversionsschicht oder Thermik von der Wand), um dann bis zur Kleinen Kanzel auf etwa 0°C zu fallen. Zunächst. Allerdings wurde es im Lauf der Nacht wieder wärmer. Ein verrücktes Wetter ... Der Blick von der Kleinen Kanzel ist heute überwältigend. Der Schneeberg liegt im Mondlicht, nur der Gipfel ist schneebedeckt, und das Anfang Dezember. Über dem Becken davor bildet sich eine Nebeldecke, sie wird von unten von Puchberg und Losenheim beleuchtet. Die anderen Täler sind nebelfrei.
Mein erstes Ziel ist natürlich der Mond. Das Seeing ist gut und so kommen Details gut heraus.
Ein Kontrollblick zu einigen Nebeln, die wir vorige Woche hier beobachtet haben, zeigt deutlich, dass schwache, nebelige Objekte heute keinen Sinn machen. Ich verlege mich daher auf offene Sternhaufen und beschließe, einige von ihnen (mehr oder wenige bekannte Objekte) auf Chip zu bannen. Da der Himmel sehr aufgehellt ist, nehme ich einheitlich mit 10 Sekunden Belichtungszeit bei 1600 ISO auf. Brennweite bei f/6.3 ist 1890mm. Zu schaffen macht das Tubusseeing, im Winter bei niedrigen Temperaturen schon ein echtes Problem. Zunächst die Klassiker im Fuhrmann:
Jetzt zu den weniger bekannten offenen Sternhaufen im Fuhrmann:
In den Zwillingen warten dann noch zwei bekannte Haufen, ein ungleiches Paar:
Nebel machen zwar keinen Sinn, aber einer sicher schon: Der Orionnebel. Zumindest sein Kernbereich ist heute bestechend, visuell sind sechs Trapezsterne ganz deutlich zu erkennen.
Es geht visuell weiter; eine Klasse von Objekten, die trotz des Mondlichts durchaus gut zu beobachten sind, sind die Planetarischen Nebel. Da kann man mit einem O III-Filter den Kontrast gewaltig steigern und die gute Durchsicht nutzen. So ist NGC 2022 im Orion ein ganz nettes Objekt, ein kleiner Ring. Besonders schön ist heute der Clown-Nebel NGC 2392 in den Zwillingen. Bei schwacher Vergrößerung eine runde, diffuse Scheibe, aber bei starker Vergrößerung erkennt man deutlich die Unterteilung in die innere und äußere Scheibe sowie die Bögen um den Zentralstern, so dass man sogar das "Gesicht" erkennen kann - visuell! Besonders im 18" Dobson ist dieses Objekt beeindruckend.
Den Abschluß macht einmal mehr ein Blick zum Saturn. Er geht jetzt schon vor 23 Uhr auf. Natürlich steht er anfangs noch tief, aber im Lauf der Zeit wird er ein mehr und mehr ansehnliches Objekt. Der Ring ist schon recht schmal geworden, kein Wunder, die Kantenstellung 2009 kündigt sich schon recht deutlich an. Da ich morgen dienstlich verreisen muss, baue ich relativ früh ab, aber es gibt ohnedies nichts mehr zu beobachten bei diesem Mondlicht. Es war eine sehr schöne, gar nicht winterliche Beobachtungsnacht hier. Am nächsten Morgen sehe ich die Hohe Wand wieder, aus dem Flugzeug. Der erste Berg, der sich aus einem schier endlosen Nebelmeer erhebt, gleichsam eine Klippe am Rande der Welt. Es fehlt eigentlich nur mehr der Leuchtturm ... |