Geminiden

Atzelsdorf / NÖ, 14. 12. 2006

20061214twe01.html

Beobachter:Thomas Weiland
Datum:14. 12. 2006
Zeit:01.10 bis 05.00 UT
Ort:Atzelsdorf / NÖ
Geogr. Länge:16°33' E
Geogr. Breite:48°30' N
Seehöhe:220
System:
Instrument:Freies Auge
Bedingungen:
Durchsicht:sehr gut (1)
Aufhellung:gut (2)
Wind:kein
Bemerkungen:Meist heiter, Mondlicht
Bericht:

Der Meteorstrom der Geminiden zählt in unseren Breiten zu den prächtigsten, regelmäßig wiederkehrenden Erscheinungen des Meteorjahres. Er erreicht am 13. oder 14. Dezember ein meist sehr ausgeprägtes Maximum, wobei die stündlichen zenitalen Raten (ZHRs) in den letzten Jahren ausnahmslos über 100 lagen. Im Gegensatz zu anderen Strömen gelten die Geminiden als Auflösungsprodukte eines Asteroiden (Apollo-Typ (3200) Phaethon), bei dem es sich nach Ansicht mancher Autoren auch um einen weitgehend entgasten Kometenkern handeln könnte. Auf jeden Fall besitzen die Geminiden-Teilchen eine deutlich höhere Dichte als die anderer Meteorströme, weshalb sie nur selten nachleuchtende Spuren erzeugen. Die Geminiden ziehen als mäßig schnelle Meteore (geozentrische Geschwindigkeit 35 km/s) über den Himmel, helle Exemplare (zumindest 0mag) machen je nach Grenzgröße bis zu einem Viertel der sichtbaren Population aus. Ihr Radiant befindet sich nahe Castor in den Zwillingen und steht praktisch die ganze Nacht über dem Horizont.

Für 2006 war das Maximum von der IMO für den 14. Dezember, 10:45 UT, +/- 2,3 Stunden vorausgesagt worden, weshalb für Mitteleuropa die höchsten Raten am Morgen des gleichen Tages zu erwarten waren. Insgesamt herrschten am 13./14.12. gute Beobachtungsbedingungen, wenngleich immer wieder Zirren (meist weniger als 20 Prozent der Himmelsfläche) durchzogen, und der sichtbare Mond (1,5 Tage nach dem letzten Viertel) eine Abnahme der Grenzgröße von +5,8mag auf +5,5mag bewirkte. Alles in allem konnte ich aber doch etwa 3,5 Stunden von Atzelsdorf / NÖ aus (16°33' E, 48°30' N) beobachten.

Bereits in der ersten Beobachtungsstunde (01:10-02:10 UT) konnte ich 63 Geminiden sichten, was bei einem ermittelten Populationsindex von r = 2,06 einer ZHR von 137 +/- 17 entspricht. Zahlreiche helle Meteore (bis zu -3mag) erschienen und erweckten den Eindruck, sich zeitlich knapp vor dem Maximum zu befinden. Während des darauffolgenden Beobachtungsintervalls (02:10-03:00 UT) nahm die Zahl der hellen Erscheinungen ab, dennoch erreichte die ZHR trotz eines Populationsindex von nur r = 1,90 einen Wert von 149 +/- 24. Dies dürfte auf die größere Wolkenbedeckung, welche einen zu hohen Gesamtkorrekturfaktor (3,92 bei 38 gesichteten Geminiden) bewirkt, zurückzuführen sein. Während der beiden letzten Beobachtungsstunden hielten sich Störungen durch Wolken glücklicherweise in Grenzen. So konnte ich zwischen 03:00-04:00 und 04:00-05:00 UT etwa gleich viele Geminiden (42 bzw. 41) registrieren. Bei Populationsindices von r = 2,16 bzw. 2,03 entspricht dies ZHR-Werten von 121 +/- 19 bzw. 127 +/- 20. Auf Grund des Mondlichts dürfte aber auch hierbei die untere Grenze wahrscheinlicher sein. Knapp vor Beobachtungsende (04:57:35 UT) erschien schließlich der eindrucksvollste Geminide, eine gelblichgrüne Feuerkugel, deren Helligkeit von -2mag auf -5mag zunahm und die in Richtung Nordwesthorizont durch neuerlich aufziehenden Zirren zog.

Ansonsten zeigten hellere Geminiden blauweiße, gelbe sowie orange Farbtöne, knapp 3 Prozent von ihnen hinterließen eine Spur. Daneben traten ein paar Monocerotiden, Sigma-Hydriden, Coma Bereniciden sowie sporadische Meteore auf.

Insgesamt betrachtet lieferten die Geminiden 2006 auch für Mitteleuropa einen beeindruckenden Meteorschauer mit einem offensichtlich ausgeprägten Nebenmaximum vor 02:00 UT.