Deep Sky Nacht

Hohe Wand, beim Gasthof Postl, 16. 12. 2006

20061216api18.html

Beobachter:Alexander Pikhard
Datum:16. 12. 2006
Zeit:18.00 bis 23.30 MEZ
Ort:Hohe Wand, beim Gasthof Postl
Instrument:12" Meade LX200, Canon EOS 350D + 300mm Tele
Bedingungen:
Durchsicht:gut (2)
Aufhellung:gut (2)
Seeing:ausreichend (3)
Freis. vis. Grenzgroesse:5.0
Temperatur:+6 °C
Luftfeuchtigkeit:trocken
Wind:kein
Bemerkungen:Zeitweise Cirren, die rasch durchziehen. Nach 23 Uhr Aufzug einer hohen Wolkendecke.
Bericht:

Einmal mehr ist es in Wien extrem grauslich, in den Bergen aber schön. Da eine Störung angesagt ist, heißt es, diesen Abend noch zu nützen. Ich fahre früh, schon gegen 17 Uhr, von Wien los. Die Fahrt Richtung Hohe Wand ist so grauslich wie das Wetter in Wien; stellenweise dichter Nebel, auch auf der Südautobahn, dazu nur rund 0°C, das macht keine Freude. Auch in Weikersdorf (mit seinem entzückenden, kleinen Weihnachtsmarkt), Winzendorf, Gaaden und Stollhof dichter Nebel.

Die große Überraschung passiert unmittelbar nach der Mautstelle: Ende des Nebels, vor mir liegt die Hohe Wand in voller Pracht, und darüber die Sterne! So tief unten hätte ich die Obergrenze des Nebels nicht vermutet. Fein, da kann ich heute ja zum Gasthof Postl fahren. Dieser Platz hat viele Vorteile: Garantiert dunkel (hinter dem Holzstoß), keine Bagger, eben (alles im Vergleich zur Kleinen Kanzel); kein Kaltluftsee, guter Südhorizont (im Vergleich zum Wildgehege), und ja, auch kein Cola-Automat; und der nahe Gasthof (für alle Fälle); und Handyempfang. Und es ist herrlich "warm": Statt -2°C im Tal hat es hier +6°C.


Auf in die Sternennacht

Anfangs noch eine Begegnung der seltsamen Art. Im Wald im Süden tauchen Lichter auf; erst ein paar, dann viele. Verirrte Paragleiter? Um diese Zeit wohl kaum. Es ist eine Laternenwanderung mit vielen Kindern. Auf dem Parkplatz machen sie dann ein Lagerfeuer, und brennen, zu den durchaus passenden Klängen von Händels Feuerwerksmusik, ein -- Feuerwerk ab! Ok, es sind eh nur ein paar Raketen. Aber für eine gute halbe Stunde umhüllt die Musik den Sternenhimmel. Toll! Sollten wir vielleicht auch anbieten. Ohne Feuerwerk.

Ein Blick nach Süden zeigt die ungewöhnliche Situation: Man sieht bis ins Tal, wo die Nebeldecke vom künstlichen Licht direkt beleuchtet wird. Trotzdem ist es hier oben sehr dunkel. Die Durchsicht ist gut und man erkennt auch seltene südliche Sterne.


Südhorizont mit südlichem Fisch (Fomalhaut) und Bildhauer
(Click auf das Bild für Legende)

Im Westen verabschieden sich die Sommersternbilder. Wird ja auch Zeit ...


Die Sommersternbilder versinken im Westen

Was tun heute? Angesichts des guten Himmels entscheide ich mich zunächst, Aufnahmen mit dem 300mm Tele zu machen. Zunächst muss ich erkennen, dass das Aufnehmen zenitnaher Objekte wegen der Bildfelddrehung sinnlos ist. Ich sollte endlich die Polwiege in Betrieb nehmen, aber noch so ein schweres Teil ... Also wende ich mich weniger hohen Regionen zu.


M38 und NGC 1907 (der kleine, diffuse Fleck rechts neben M38); 5 x 30s bei 1600 ISO. Verkleinerter Bildausschnitt.

Irgendetwas "hat es" heute; in hohen Lagen bekomme ich keinen vernünftigen Fokus; entweder verrutscht etwas in dem 80-300mm Zoom-Objektiv oder es verbiegt sich gar das Kameragehäuse leicht. Ärger. Aber diese Konfiguration ist ja wirklich nicht für Astrofotografie gemacht. Visuell noch M37 (eine Pracht!) und M36, auch sehr schön.Ich nehme die beiden großen offenen Sternhaufen NGC 1647 und NGC 1746 im Stier auf, ganz in der Nähe. Für sie ist 300mm die ideale Brennweite.


NGC 1647; 6 x 30s bei f/5.6 und 1600 ISO. Verkleinerter Bildausschnitt.


NGC 1746; 6 x 30s bei f/5.6 und 1600 ISO. Verkleinerter Bildausschnitt.

Na gut; visuell schaue ich noch zu den beiden sehr ungleichen Haufen NGC 1807 und NGC 1817 an der Grenze vom Stier zum Orion. Ersterer ist groß und locker, zweiterer eher dicht. Beide passen auf ein Mal ins Gesichtsfeld des 40mm Pentax am 12" LX200.

Aber jetzt zu originelleren Objekten. Dass Sculptor kulminiert, lässt mich einen interessanten Versuch machen. Die Galaxie NGC 253 ist visuell ganz gut, mal sehen, was fotografisch möglich ist. Wieder mit dem 300mm Tele.


NGC 253 und der Kugelsternhaufen NGC 288 (links unten); 10 x 30s bei F=300mm, f/5.6, 1600 ISO.
Verkleinerter Bildausschnitt.

Wow, gut, für die geringe Höhe! Und auch der seltsame Kugelsternhaufen NGC 288 kommt gut und vor allem aufgelöst heraus. Ein in der Tat rätselhaftes Objekt, sehr groß und sehr locker.

Orion steht schon hoch. Zeitweise ziehen Cirren über den Himmel, Vorboten der nahenden Kaltfront. Doch sie ziehen sehr rasch und hinterlassen einen klaren Himmel.


Orion mit ein paar hohen Wölkchen

Mir fällt auf, dass Eridanus kulminiert. Erstaunlich, ich kann den Fluss bis zum Horizont verfolgen:


Eridanus schlängelt sich über den Himmel, auch Fornax ist hier zu sehen.
(Click auf das Bild für Legende)

Im Erdianus gibt es einige lohnende Objekte. NGC 1535 ist ein schöner, sehr heller Planetarischer Nebel. Und es gibt jede Menge Galaxien. Ich beginne nahe bei Rigel. NGC 1700 ist gar nicht so übel. NGC 1625 und NGC 1600 sind etwas schwächer, aber auch deutlich. NGC 1400 und NGC 1407 sind ein nettes Galaxienpaar, das auf einmal in das Feld des 40mm Pentax passt. Und die große Balkenspirale NGC 1300 ist auch deutlich, wenn auch schon sehr tief. Hat Eridanus die runden NGC-Nummern eigentlich abonniert?

Der Andromedanebel steht jetzt nicht mehr im Zenit, also ein Versuch.


M31 und Begleiter; 10 x 30s bei F=300mm, f/5.6, 1600 ISO.

Es haut mit dem Fokus in größerer Höhe nicht hin. Das muss ich mir anschauen. Trotzdem ein ganz nettes Bild. Im Westen mehren sich jetzt die Cirren. Zeit, sich doch dem Orion zu widmen, sozusagen als Abschluss.


M42-Region; 8 x 30s bei F=300mm, f/5.6, 1600 ISO.

Hier schaffen es auch die schwachen Nebel um NGC 1977 aus dem Hintergrund heraus. Dieses Bild ist übrigens auch ein Probelauf für die neue Version 4.0 von AstroArt. Diese Version kann jetzt auch die CR2-Dateien der EOS 350D direkt verarbeiten und, was noch wichtiger ist, die 8 Megapixel Bilder ohne vorherigem Verkleinern verarbeiten (Stacken, Filtern, etc.). Man braucht nur etwas Geduld, denn manches geht bei dieser Bildgröße nicht mehr so schnell. Dennoch: Wer eine DSLR einsetzt, sollte unbedingt Version 4 von AstroArt einsetzen. Der Upgrade von Version 3 kostet 105 US-Dollar, die es auf jeden Fall wert sind!

Die Wolken werden mehr und daher noch ein Blick zum Saturn. Er steht noch tief und daher durchwirbelt ihn das Seeing ordentlich.

Nach 23 Uhr macht der Himmel zusehends dicht, was nach einigen Minuten des Überlegens Abbau bedeutet. Die Heimfahrt wird ohendies grauslich, denn der Nebel sorgt bei Temperaturen um die -3°C für glatte Straßen. So dauert die Heimfahrt wesentlich länger als im Sommer. Trotzdem: Es war wieder einmal eine sehr schöne Nacht auf der Hohen Wand.