"X-mas Star Party"

Hohe Wand, Kleine Kanzel, 23. 12. 2006

20061223api18.html

Beobachter:Alexander Pikhard
Datum:23. 12. 2006
Zeit:18.00 bis 00.40 MEZ
Ort:Hohe Wand, Kleine Kanzel
Instrument:12" Meade LX200, Canon EOS 350D + 300mm Tele, Philips SPC 900
Bedingungen:
Durchsicht:gut (2)
Aufhellung:gut (2)
Seeing:gut (2)
Freis. vis. Grenzgroesse:5.5
Temperatur:3 °C
Luftfeuchtigkeit:trocken
Wind:leicht aus NE
Bemerkungen:Etwas hoher Dunst
Bericht:

Wenn es für ernsthafte Amateurastronomen (in unseren Breiten) eine Devise gibt, dann die, dass guter Himmel genützt werden muss, auch wenn der Zeitpunkt vielleicht ungünstig ist. Aber was heisst schon ungünstig? Vielleicht bietet ja gerade das Beobachten in der freien Natur jene Stille, die es in der Weihnachtszeit ja wirklich nicht mehr gibt, im Gegenteil. Und seit Wochen liegt Nebel über den Niederungen, doch in den Bergen herrschen tolle Bedingungen. Also: So ungünstig ist der Termin ja doch nicht. Wir rufen zum vorweihnachtlichen Chill-Out auf, und wer diesen Samstag in der Stadt erleben musste, weiss, wie dringend ein solcher ist.

Überraschung 1: Schon in Wien reisst die Nebeldecke auf und gibt den Blick auf die dünne Sichel des zunehmenden Mondes frei. Überraschung 2: Schon bei Guntramsdorf gibt es überhaupt keine Wolken mehr. So fassen wir zunächst den Platz beim Gasthof Postl ins Auge.


Mond im Wolkenloch in Wien


Aschgraues Mondlicht auf der Hohen Wand

Der Wunsch, das aschgraue Mondlicht zu fotografieren, führt eine kleine Gruppe zu einer Nachtwanderung auf den Skywalk. Dort sehen wir nicht nur den Mond ...


Orion geht über einem wogenden Lichtermeer auf. Umwerfend, aber auch erschreckend.

Was für ein Anblick! Über dem Flachland liegt eine dünne Nebelschicht, die von unten, von den Städten und Dörfern, beleuchtet wird. Jede Strassenlampe wird so zum Reflexionsnebel, der die Farben der einzelnen Leuchten deutlich verstärkt. Eine einzige Gemeinde setzt "astronomiefreundliche" Beleuchtung ein. Skybeamer werden als helle, grüne Säulen deutlich, doch der wahre Wahnsinn zeigt sich rechts im Panorama, im Süden: Der Hirschenkogel!


Das ist nicht Lichtverschmutzung, das ist Irrsinn!


Extrem kurz belichtete Aufnahme der Lichtquelle

Die Flutlichtpisten auf dem Semmering erhellen den Himmel mehr als die 40.000 Einwohner zählende Stadt Wr. Neustadt. Wie ein blauer Atompilz ragt die Lichtglocke in den Himmel - und erhellt eine weitere, gut 1.500 bis 1.800m hoch liegende Dunstschicht. Fassungslos betrachten wir diese Auswüchse des Tourismus.

Wir beschließen, nicht wegen des Lichts, sondern wegen des Dunstes, doch zur höher gelegenen Kleinen Kanzel zu fahren. Dort treffen wir noch ein paar andere Beobachter. Und von wegen ungünstiger Termin: So ungünstig kann er nicht sein, denn wir zählen letztendlich 12 Beobachter(innen) an 9 Teleskopen. Ein kleines Teleskoptreffen, so zusagen eine "X-mas Star Party". Das ist noch keine offizielle Bezeichnung, doch wer weiss, was nicht ist, kann ja noch werden.


Panorama von der Kleinen Kanzel. Links das Licht vom Semmering. Die Lichtkegel der großen Städte des Mürztals sind
dagegen wirklich harmlos. Der Milchstraße können sie aber alle nichts anhaben.

Auch hier merkt man den Lichtschein vom Semmering, aber nicht so deutlich, da er durch Wald doch abgeschirmt ist. So ganz optimal sind die Bedingungen nicht, erstens ist da die leichte Dunstschicht, zweitens fehlt der Nebel im Tal. Aber gut, gut sind die Bedingungen schon.


Die Kleine Kanzel hoch über Wr. Neustadt


Das untergehende Sommerdreieck

Während einige noch Objekte im untergehenden Sommerdreieck "jagen", mache ich die Fische und den Walfisch unsicher und beobachte einige exotische Objekte in dieser Region. Gut, M74 ist nicht exotisch, und man erkennt leicht die schönen Spiralarme dieser Galaxie, vor allem in Rolands 18" Obsession. Doch da sind noch ein paar schwache Galaxien. NFC 470 und NGC 474 passen in ein Gesichtsfeld des 40mm Pentax am 12" LX200 und sind recht deutlich. Auch NGC 520 ist deutlich, eine Kantengalaxie. Und auch NGC 521 und NGC 533 sind auf einmal im Gesichtsfeld des 40mm Pentax zu erkennen.

Ich fahre die helle Galaxie M77 an. Sie ist sehr schön und gut zu sehen, aber auch das Zentrum einer kleinen Galaxiengruppe im Walfisch. NGC 1055 ist bemerkenswert. Die große, diffuse Galaxie liegt in gleichen Gesichtsfeld wie M77 (40mm Pentax). Ein weiteres Paar ist NGC 1090 (naja) und NGC 1087 (eine recht bemerkenswerte Galaxie, gut zu sehen). Ich suche noch die Galaxien NGC 936 (schön), NGC 955 (naja), NGC 941 (fast nicht zu erkennen), NGC 1052 (schön) und NGC 1035 (mäßig) an, dann reicht es für die Jagd nach schwachen Galaxien am Herbsthimmel. Nach einem Blick zu NGC 246, bei dem ich feststelle, dass tief stehende Objekte heute nichts bringen, wende ich mich den Klassikern zu.

M36, M37, M38 und M35 (mit NGC 2158) sind wirklich tolle Objekte. Jetzt, da unser Teleskoptreffen seine größte Ausdehnung erreicht hat, geht es eigentlich primär darum, die Klassiker zu beobachten.


Szenen von unserer ...


... X-mas Star Party


Weihnachten unter Sternen. So beginnt der 24. Dezember heuer.

Der Orionnebel begeistert uns alle. Auch wenn die letzte Stufe guter Durchsicht fehlt. Den Pferdekopfnebel schaffen wir visuell kaum mehr. Es reizt mich jetzt doch, auch ein paar Astrofotos zu machen. Da die Bedingungen nicht ganz so toll sind, greife ich zum 300mm Tele. Erst einmal Orionnebel und Umgebung.


M42 und Umgebung, 8 x 30s bei 1600 ISO, F=300mm, f/5.6.

Heute kommt der "Running Man" gut heraus, auch der Bogen unterhalb des Orionnebels. Und das bei nicht ganz optimaler Durchsicht. Schade, dass mein Tele so lausig abbildet. Und erstaunlich, was Bildverarbeitung alles möglich macht. Ausarbeitung der Aufnahmen mit AstroArt 4. Jetzt reizt mich eine Herausforderung. Schon auf einer Einzelaufnahme der Gegend um ζ Orionis erkennen ich deutlich den Flammennebel NGC 2024 (er ist auch visuell toll). Mal sehen ...


Flammennebel und Pferdekopfnebel, 15 x 30 Sekunden, Rest wie oben.

Lassen wir einmal die Sternabbildung beiseite. Der Rest ist beeindruckend. Die Farben der Nebel absolut in Ordnung, der Pferdekopf zu sehen. Mit Einzelbildern von 2-3 Minuten wird das sicherlich eine Wucht, doch das bedeutet, dass ich doch die Polwiege einsetzen muss. Endlich die fehlende Motivation? Jedenfalls meine erste sehr tiefe Aufnahme mit der EOS 350D, und ja, Ergebnis zufriedenstellend.

Jetzt steht Saturn schon hoch, und als Abschluß dieser schönen Beobachtung muss eine Webcamaufnahme des Ringplaneten her. Das Seeing ist jetzt gut, auch die Durchsicht.


Saturn, 12" LX-200 bei f/15 (F=4.5m), ca. 700 Frames, SPC 900.

Es wird ja mit dem Saturn. Mittlerweile schreiben wir den 24. Dezember. Schweren Herzens bauen wir ab, doch im Hinterkopf ist da wohl, dass der Stress noch nicht ganz vorüber ist. Aber mit dieser schönen Beobachtung (und etwas Schlaf) sollte er zu bewältigen sein.