| Beobachter: | Alexander Pikhard | ||||||||||
| Datum: | 20. 01. 2007 | ||||||||||
| Zeit: | 16.00 bis 18.00 MEZ | ||||||||||
| Ort: | Wien 12 | ||||||||||
| Instrument: | 12" Meade LX200 mit Philips SPC 900, Canon EOS 350D mit 80-300mm Tele | ||||||||||
| Bedingungen: |
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| Bericht: | Den ganzen Tag warte ich auf ein Wolkenloch. Das Ziel ist klar; ich möchte den Kometen McNaught noch einmal am Taghimmel beobachten. Bilder, wie sie derzeit von der Südhalbkugel entstehen, sind nicht zu erwarten, aber wenigstens ein Blick ... es wird nichts draus. Als die Wolken endlich abziehen, steht der Komet schon drei Grad unter dem Horizont. Doch das Wolkenloch hat noch andere gute Seiten, und was für welche. Ich beginne zunächst einmal mit einer Webcamaufnahme der Venus. Das Seeing ist ganz passabel, nur dann und wann rüttelt eine Sturmbö das Teleskop etwas durch. Registax kann mit den Frames, auf denen die Venus wie eine Banane aussieht, nichts anfangen, beurteilt sie aber auch nicht als schlecht und versucht, sie mitzustacken - was ein wenig befriedigendes Ergebnis liefert. Doch dann entdecke ich die Option "local contrast". Die ist genau ideal für diese Situation und es entsteht ein brauchbares Bild der Venus.
Es ist sehr klar und fast wolkenlos, ich überlege, was ich noch aufnehmen könnte (manges Komet) und stoße auf Merkur. In nur 8° Elongation von der Sonne etwas heikel, aber es funktioniert. So bilde ich einmal unsere zwei innersten Planeten ab und werde mit einem herrlichen Sonnenuntergang belohnt.
Am Horizont tauchen wieder Wolken auf, ich weiss aus den Wettermodellen, dass das Wolkenloch nicht von langer Dauer sein würde (sonst würde ich jetzt schon zusammenpacken und Beobachten fahren). Als ich mit Starry Night die Phasen von Venus und Merkur verifziere, stoße ich auf etwas, das unbedingt noch beobachtet werden muss ... ob die Wolken das noch zulassen? Sie lassen!
Es gibt nicht viele Himmelsanblicke, die man einfach nur als "schön" bezeichnen muss. Eine enge Begegnung der Venus mit dem Neulicht gehört aber sicher dazu. Ich fühle mich wie ein babylonischer Priester auf seinem Tempelturm, der die vorhergesagte Begegnung von Ishtar und Sin zufrieden beobachtet. Die Konstellation ist einfach umwerfend schön. Bald ist die ganze Mondscheibe zu sehen. Kein Wunder, ist doch das aschgraue Mondlicht unmittelbar nach Neumond am hellsten - auf dem Mond leuchtet ja die noch fast volle Erde, hundert Mal so hell wie bei uns der Vollmond.
Im Fernrohr ist der Mond doch sehr unruhig. Das Seeing setzt der dünnen Mondsichel ordentlich zu, dennoch fotografiere ich durch das 12" LX200 bei f/6.3. Ich kann mich nicht erinnern, eine so dünne Mondsichel detailliert fotografiert zu haben.
Wolken mögen ja störend sein, aber heute sind sie einfach dekorativ.
Fazit: Ein wunderschöner Astronachmittag. |