Fotospielereien

Wien 12, 20. 01. 2007

20070120api21.html

Beobachter:Alexander Pikhard
Datum:20. 01. 2007
Zeit:21.45 bis 23.45 MEZ
Ort:Wien 12
Instrument:12" Meade LX200, Canon EOS 350D, Philips SPC 900
Bedingungen:
Durchsicht:sehr gut (1)
Aufhellung:gut (2)
Seeing:gut (2)
Temperatur:14 °C
Wind:maessig aus W
Bemerkungen:Aufzug von Wolken aus S.
Bericht:

Ich habe mich nach der Beobachtung der wunderschönen Begegnung von Venus und Mond von den rasch heranziehenden Wolken wohl etwas zu sehr schrecken lassen, als ich das Teleskop abbaute. Jetzt, am späteren Abend, ist es wieder klar. Also gut, ich baue wieder auf. Geht ja rasch.

Die Durchsicht ist brillant und die Luft ruhig, die Sterne flimmern kaum. Zeit für einen Sirius-Versuch. Diesmal versuche ich, mit der EOS 350D am 12" LX200 erfolgreich zu sein. Erste Tests mit direkter Belichtung zeigen, dass das nix wird. Sirius überstrahlt einfach alles. Also modifiziere ich meine Hartmann-Blende, die ich fürs Fokussieren verwende. Aus den beiden Löchern mache ich gekreuzte Spalte.


Sirius durch mein improvisiertes Gerät, Originalgröße

Die beiden Spalte erzeugen tolle Beugungsspektren, doch Sirius B gelingt mir so auch nicht; die Öffnung dürfte jetzt zu klein sein. Aber ich habe ein exzellentes Fokussierwerkzeug geschaffen: Wenn ein heller Stern als symmetrisches Kreuz abgebildet wird, dann ist der Fokus exakt.

Ich nütze die (noch) gute Durchsicht für Aufnahmen am 12" LX200 mit zwei kaskadierten f/6.3 Reducern, das gibt f/3.3 - aber leider kein ebenes Bild mehr auf der großen Fläche des Chip der EOS 350D. Das ging mit den alten CCD-Kameras mit kleinen Chips noch recht gut, aber nicht mit einer DSLR.

Ich beginne mit Sirius, um einige Effekte zu studieren.


Sirius, 12" LX200 bei f/3.3, 10s bei 1600 ISO, mit Flatfieldkorrektur

Erstens: Bei einem so hellen Objekt versagt die Entspiegelung diverser Komponenten, daher der Ring und andere Reflexe. Zweitens: In der Bildmitte ist der Fokus wirklich optimal. Drittens: Am Bildrand nicht mehr. Viertens: Ein Flatfield ist unerläßlich.

Rasch schwenke ich auf die Hauswand und nehme ein paar Flatfields auf. Passt.

Das Gesichtsfeld ist beeindruckend und auch die Empfindlichkeit. Ich ziele auf den Orionnebel (was sonst).


M42. 10s-"Schnappschuss" am 12" LX200 bei f/3.3 und 1600 ISO, mit Flatfieldkorrektur.
Verkleinerter Bildausschnitt.

Analyse: Erstens zeigen hellere Sterne am Bildrand deutliche Verzeichnungen. Schade. Zweitens: Die "Speed" passt; in nur 10 Sekunden einen derart ausladenden Orionnebel (in der Stadt) ist schon eine feine Sache. Drittens: Die Flatfieldkorrektur passt, nur ganz am Rand entsteht Mist, den ich wegschneide. Dunkelstrom wäre auch gut gewesen, aber noch kann ich das Rauschen im Hintergrund untergehen lassen.

Nächster Test: M41 (gerade noch, denn von Süden her ziehen hohe Wolken auf).


M41. 10s-"Schnappschuss" am 12" LX200 bei f/3.3 und 800 ISO, mit Flatfieldkorrektur.
Verkleinerter Bildausschnitt.

Das Objekt liegt gut im Gesichtsfeld und ich kann viel Rand wegschneiden. Für kleinere Objekte, die nicht den ganzen Chip benötigen, ist die Kombination mit zweimal f/6.3 durchaus brauchbar. Auf dem Rohbild war sehr viel Hintergrund drauf, wegen aufziehender Wolken. Da ein offener Sternhaufen keine feinen, diffusen Strukturen hat, schneide ich im Histogramm den Hintergrund sehr brutal weg. Das erleichtert auch die Flatfieldkorrektur.

Bei großen Objekten gibt es schon Probleme. Auf zu den Pleiaden.


M45. 10s-"Schnappschuss" am 12" LX200 bei f/3.3 und 1600 ISO, mit Flatfieldkorrektur.
Verkleinertes Originalbild.

Auch hier ein paar Effekte. Erstens: Die Verzeichnung der hellen Sterne abseits der Bildmitte ist nicht mehr akzeptabel. Aus einem f/10 SCT läßt sich für eine DSLR kein schnelles Wide-Field-Instrument machen. Das ist die Grenze. Zweitens: Das Objekt braucht den ganzen Chip. Den "Mist" in den Ecken, der durch die Flatfield-Division entsteht, muss ich wegretuschieren. Unschön.

Die Wolken ziehen höher und bevor sie den Saturn erreichen, montiere ich die EOS 350D ab und die SPC 900 an. Auch hier kämpfte ich zuletzt mit einigen seltsamen Effekten.

Die Konfiguration ist zunächst 1,5-fache Barlowlinse und IR-Passfilter. Saturn ist hier, bei f/15, recht dunkel. Dennoch lasse ich die Nachverstärkung auf ihrem Normalwert, die Belichtungszeit maximal, und damit ich überhaupt etwas sehe, hebe ich Gamma fast auf Maximum. Das gibt in der Tat ein recht brauchbares Bild.


Saturn, 12" LX200 bei f/15 (F=4,5m), 550 Frames, Originalgröße.

Auf die Helligkeit der Ringe nahe um die Opposition habe ich schon hingewiesen. Besonders schön finde ich auch die Wolkenbänder, die heuer sogar feine Strukturen zeigen.

Ich experimentiere weiter. Mit 2x-Barlow ist das Bild so dunkel, dass ich die Verstärkung anheben muss. Und da entstehen die diagonalen Streifen, die das Bild ruinieren. Sie sind, im Gegensatz zu Saturn, natürlich ortsfest. Mit einem Flatfield wären sie zu eliminieren, doch es geht zu viel Information verloren.

Woher kommen diese Streifen? Ich vermute zunächst einen Einstreuungseffekt und ordne die Kabel von Teleskop, Kamera und Laptop anders an. Bringt nichts. Es ist offenbar ein Effekt in der Kamera. Oder ein Softwareproblem. In der Tat dürfte es ein solches sein, denn durch Variieren diverser Einstellungen von VirtualDub bekomme ich die Streifen kurzzeitig weg (etwa bei der FPS-Einstellung "Round to nearest millisecond"). Doch sobald ich aufnehme, sind sie wieder da. Es düfte sich um ein "Missverständnis" zwischen VirtualDub und dem Treiber der SPC 900 handeln.

Kämpft noch jemand mit den "diagonalen Streifen" bei der SPC 900 oder hat vielleicht jemand eine Lösung gefunden? Jetzt ist die Community gefragt!