Venus, Mond und Deep-Sky

Edlach/Rax, 20. 01. 2007

20070120sfl16.html

Beobachter:Thomas Schröfl
Datum:20. 01. 2007
Zeit:16.30 bis 20.00 MEZ
Ort:Edlach/Rax
Geogr. Länge:15 48 11
Geogr. Breite:47 41 21
Seehöhe:600
System:
Instrument:Swarovski Habicht 8x56, Takahashi Mewlon 180
Bedingungen:
Durchsicht:sehr gut (1)
Aufhellung:gut (2)
Seeing:schlecht (4)
Freis. vis. Grenzgroesse:6.0
Temperatur:14 °C
Luftfeuchtigkeit:44
Bericht:

Nach langer Zeit mangelnder Gelegenheiten oder schlechten Wetters tritt dieses Wochenende ein, was ich gar nicht zu erhoffen wagte. BOLAM sagt für Samstag zwischen 15 und 21 Uhr ein Wolkenloch voraus. Zu Mittag ist es noch trüb und grau aber mein Vertrauen in BOLAM unerschütterlich und wie sich dann zeigt zu recht. Um 15 Uhr scheint die Sonne und der Himmel ist azurblau.

Um ca. 16:30 geht die Sonne ziemlich genau in SW hinter dem Preiner Gschaid unter. Erstmals kann ich an diesem Punkt einen Sonnenuntergang beobachten, denn in den letzten 2 Wochen hat eine mittlere Großschlägerung meine Sichtbedingungen dramatisch verbessert. Kaum ist die Sonne weg finde ich mit dem Fernglas auch schon die Venus, ein gleißend heller Punkt in der Abenddämmerung. Mit etwas Gefühl für Ekliptik und Elongation läßt sich schon erahnen, was uns die nächsten Monate für eine gute Venussichtbarkeit bescheren werden. Bald wird es keine Ausreden mehr für VAOP-Aktivitäten geben.

Da kommt mir in den Sinn, daß ja gerade Neumond war und eigentlich auch schon eine dünne Mondsichel zu sehen sein müßte. Und wirklich steht in der Mitte zwischen Venus und dem Horizont eine von der Refraktion stark vergrößerte ganz schmale Sichel in der Dämmerung. Nach einer knappen halben Stunde ist der Zauber hinter dem Horizont verschwunden. Zeit den Takahashi zum Auskühlen ins Freie zu bringen und die Montierung vorzubereiten.

Um 18:30 geht es dann mit den klassischen Deep-Sky-Objekten los. Erstes Ziel ist natürlich M42. Schon der erste Blick ins Okular bestätigt die alte Regel: ist es mondlos und klar, dann geht starker Wind und das Seeing ist grauslich. Eine der drei Zutaten fehlt halt immer. Mehr als das Panoptic 35mm (=62fach) ist heute einfach nicht drin. Aber es geht sich aus die vier Trapezsterne klar zu trennen. Bei dieser Durchsicht ist M42 eine wahre Wucht. Das ganze Gesichtsfeld wird von der riesigen nebeligen Fledermaus ausgefüllt. Eine gute Viertelstunde lang gönne ich mir diesen Anblick und entdecke dabei immer wieder neue Details.

Der zweite Klassiker, M1, wird dagegen eher zur Enttäuschung, eine nebeliges Fleckchen ohne Details. M1 würde mindestens das Doppelte an Vergrößerung vertragen, aber daran ist heute nicht zu denken.

Dafür entschädigen mich die offenen Sternhaufen M35 bis M38 und schließlich M45, der im Sucher viel mehr von seiner Pracht zeigt als das Fernrohr, dessen Bildfeld dafür etwas zu klein ist. Zum Abschluß gehe ich noch zu M31. Ich kann mich nicht erinnern je um so viel mehr als bloß den zentralen Kern dieser Galaxie gesehen zu haben. Mit dem Panoptic habe ich ein Gesichtsfeld von 1,1 Grad und das reicht für die feinen Ausläufer nicht mehr aus. Auch das Staubband ist ansatzweise zu erkennen. Wenige Sekunden nach 19:49 gibt es dann ein Schauspiel besonderer Art. Ein Satellit zieht von SW nach NO an M31 entlang. Meine erste Neugier ist zufrieden gestellt, als mir Starry Night verrät, daß es der Satellit EGP war, aber wer oder was ist der? Im Internet werde ich dann rasch fündig. Es handelt sich um den japanischen Satelliten Experimental Geodetic Payload, gestartet am 12.8.1986. http://en.wikipedia.org/wiki/Experimental_geodetic_payload verrät wie er arbeitet. Spiegel reflektieren das Sonnenlicht, der Satellit wird mit den Hintergrundsternen fotografiert. Da die Satellitenbahn genauestens vermessen ist, sind daraus Positionsbestimmungen des Beobachtungsortes auf der Erde berechenbar. Ähnlich werden Positionsbestimmungen mittels Laser vorgenommen. Bekannt ist die Position des Satelliten und gemessen wird die Laufzeit des Lasers, woraus die Position der aussendenden Bodenstation errechnet werden kann.

Wie BOLAM vorausgesagt hat, beginnen gegen 20 von Westen her Wolken aufzuziehen. Resumee des Abends: vertraue BOLAM und sei zur rechten Zeit am rechten Ort.