| Beobachter: | Thomas Schröfl | ||||||||||
| Datum: | 26. 01. 2007 | ||||||||||
| Zeit: | 19.00 bis 19.20 MEZ | ||||||||||
| Ort: | Edlach/Rax
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| Instrument: | freisichtig, Astrobrille | ||||||||||
| Bedingungen: |
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| Bericht: | Aus Anlaß eines Artikels in S&T haben Wolfgang Vollmann und ich im Herbst 2005 bereits über die Nachtkurzsichtigkeit (Nachtmyopie) berichtet. Da mir auch beim Autofahren des Nachts aufgefallen ist, dass ich die Rücklichter weit vor mir fahrender Autos nicht völlig scharf sehe, sondern etwas ausgefranst, ähnlich dem Komabild eines Sterns (+Komet mit Schweif+), bin ich der Sache weiter nachgegangen, mit dem Ergebnis, dass ich mir nun eine Astro- oder Nachtbrille zugelegt habe. Zu den physiologischen Hintergründen: Das Auge ist bei entspannter Akkomodation (in der sog. +Akkomodationsruhelage+) im Gegensatz zur weitverbreiteten Ansicht nicht auf unendlich eingestellt, sondern auf eine kürzere Entfernung, die individuell ein wenig unterschiedlich etwa zwischen 2 m und 0,5 m liegt. Das entspricht -0,5 dpt bis -2 dpt Abweichung von der Unendlicheinstellung. Diese Akkomodationsruhelage nimmt das Auge z.B. nachts im Schlaf oder nach längerer Zeit bei geschlossenen Augen oder bei längerer Betrachtung einer sehr großflächigen strukturlosen (z.B. grauen) Wand ein. In allen diesen Fällen können die Sehzellen in der Fovea, dem 0,5 mm kleinen Ort des schärfsten Sehens, keine Strukturen wahrnehmen, die nötig wären, um Fokussierreize ans Gehirn weiterzugeben, die dann Befehle an den Ringmuskel um die Augenlinse auslösen, sich zusammenziehen oder zu entspannen, und so die Brechkraft der Augenlinse zum Fokussieren steuern. Wenn es nachts so dunkel ist, daß die fürs Farbensehen zuständigen Zapfen nicht mehr funktionieren und man nur noch mit den hell-dunkel-empfindlichen Stäbchen sieht, stellt sich das Auge ebenfalls auf die Akkomodationsruhelage ein und wird auf diese Weise +kurzsichtig+. Diesen Zustand nennt man +Nachtmyopie+ (Myopie = Kurzsichtigkeit). Dieser Effekt ist bei weitem der ausschlaggebendste. Dazu kommen noch weitere Effekte, nämlich die bei Dunkelheit voll geöffnete Pupille, wodurch also viel Licht durch die Randbereiche kommt, das beim Tagessehen ausgeblendet ist. Das durch den Rand der geweiteten Pupille fallende Licht konvergiert in einem näher an der Pupille gelegenen Fokus, d.h. das Auge hat für den Randbereich eine kürzere Brennweite (kürzere Brennweite +> zu langer Augapfel +> Weitsichtigkeit) und schließlich spielt auch noch die Tatsache der unterschiedlichen Maximalempfindlichkeit von Stäbchen und Zapfen eine Rolle. Die Maximalempfindlichkeit der für das Nachtsehen zuständigen Stäbchen liegt bei 507nm, während das der fürs Tagsehen zuständigen Zapfen bei 555nm liegt. Bei Nacht spielen also kürzere Wellenlängen eine größere Rolle. Aufgrund der chromatischen Längsaberration des Auges ist die Brennweite des Auges bei kürzeren Wellenlängen (blauerem Licht) aber länger, was eine Kurzsichtigkeit zur Folge hat. Das +Kurz+ von Kurzsichtigkeit ist von dem für die längere Brennweite zu kurzen Augapfel abgeleitet (längere Brennweite +> zu kurzer Augapfel +> Kurzsichtigkeit). Nun von der Theorie zur Praxis: ich habe mir eine Brille anfertigen lassen, die für die Ferne mit zusätzlichen -0,75dpt gegenüber meiner Tagbrille korrigiert ist. Diesen Wert habe ich schon vor einiger Zeit als den besten mittels vom Optiker ausgeborgter Vorsteckgläser ermittelt. Wichtig: die Gläser sollen nicht getönt und nicht aus Polycarbonat hergestellt sein. Als ich am Freitag in Edlach ankomme, steht Orion im Süden. Von Norden her hellt der Mond ziemlich stark auf und von Süden her die Nachtpiste am Semmering, worunter die gewohnte Dominanz des Sternbildes am Himmel doch stark leidet. Mit der Tagbrille sind die Sterne des Schwertgehänges gerade noch erkennbar, mit der Astrobrille jedoch deutlich. Ich schätze den Zugewinn auf gut eine halbe Magnitude. Und noch ein weiterer Vorteil macht sich bemerkbar. Im Gegensatz zur Tagbrille, bei der die Sterne etwas ausgefranst wie mit leichtem Koma aussehen, sind sie mit der Astrobrille punktscharf. Also ein klarer Zugewinn an Helligkeit und Schärfe und somit die Astrobrille auch der klare Testsieger. PS: Kurzsichtigkeit ist nicht Voraussetzung für Nachtmyopie. Sie kann auch bei Normalsichtigen auftreten. Und hat man bei sich Nachtmyopie festgestellt, so ist eine Astrobrille nicht nur für das Hobby zu empfehlen, sondern auch ein Sicherheitsfaktor bei nächtlichen Autofahrten. |