Deep Sky Abenteuer

Auf und bei der Hohen Wand, 17. 02. 2007

20070217api18.html

Beobachter:Alexander Pikhard
Datum:17. 02. 2007
Zeit:18.00 bis 23.00 MEZ
Ort:Auf und bei der Hohen Wand
Instrument:12" Meade LX200 mit Philips SPC 900, Canon EOS 350D
Bedingungen:
Durchsicht:sehr gut (1)
Aufhellung:gut (2)
Seeing:ausreichend (3)
Freis. vis. Grenzgroesse:5.5
Temperatur:2 °C
Wind:sehr stark aus SE
Bemerkungen:Der starke Südostwind ist extrem störend. Auf der Hohen Wand dann auch noch leichte Staubewölkung. Unter der Hohen Wand, bei Dreistätten, dann wolkenlos.
Bericht:

Ein strahlender Tag, Restwolken verziehen sich am Nachmittag. Wie lange schon konnten wir nicht so richtig beobachten? Keine Frage, die Hohe Wand ruft. Auf der Fahrt dorthin fallen mir ein paar flache Wolken über dem flachen Berg auf. Was wird das? Doch oben, auf der Kleinen Kanzel, scheint die Welt zunächst einmal in Ordnung zu sein.


Venus über dem Schneeberg

Die Venus strahlt über dem Schneeberg in der Dämmerung, ein toller Anblick. Abseits der gut geräumten Straßen liegt etwas Schnee, die Temperatur beträgt -1°C. Doch eines stört: Sehr starker Wind aus Südost. Er sorgt für eine gewisse Portion Flugschnee.


Blick nach Nordosten. Eine Föhnwolke über Wr. Neustadt, darüber "Hunrakan"


Orion über der Kleinen Kanzel, doch halt, da fehlt doch was!

Tief im Norden liegt eine Föhnwolke, harmlos. Darüber ist der Himmel klar. Nur dieser Wind ... Im Süden steht Orion hoch, doch halt, da fehlt doch was! Wo bitte ist Sirius? Da liegt eine Stauwolke, vom heftigen Wind gegen die Hohe Wand gedrückt. Manchmal höher, so dass Orion halb verschwindet, manchmal weg. Aber bitte so geht das nicht. Sturm, Flugschnee und dann noch eine Wolke. Nein. Unsere kleine Gruppe beschliesst, den Berg zu verlassen.

Am Fuße der Hohen Wand, nahe der Ortschaft Dreistätten, finden wir einen dunklen Beobachtungsort. Der Wind bläst immer noch gnadenlos, doch der Himmel ist klar.


Etwas mehr Licht, doch jetzt ist alles da


Widder und Stier über der Landschaft


Kleiner Wagen über Dreistätten


Grosser Wagen, ohne Wolke, aber mit Licht

Es ist hier etwas "wärmer" als oben auf dem Berg, +2°C. Der Wind ist gnadenlos, macht keine Pause und läßt nur visuelle Beobachtungen zu. Nach dem obligaten Blick zum Orionnebel geht es zunächst auf eine Tour durch die Milchstraße zwischen Cassiopeia und Fuhrmann. Hier liegen viele offene Sternhaufen, die ich bei weniger Wind einmal genauer beschreiben muss.

  • h+χ Persei ist ein Klassiker, traumhaft heute, im 40mm Pentax (mehr ist weder sinnvoll bei diesem Objekt noch möglich bei diesem Wind); NGC 7789 in der Cassiopeia ist wirklich eines der schönsten Objekte seiner Art am Himmel, ein zarter Haufen aus vielen schwachen Sternen. NGC 1245 im Perseus ist ein ähnlich schönes Objekt. NGC 1528 ist schön, ähnlich M38 und man fragt sich einmal mehr, wieso dieses Objekt kein Messier-Objekt ist. NGC 1545 erinnert an NGC 457 "E.T." in der Cassiopeia, nur hat er statt vier sechs "Haxen". NGC 1513 ist hingegen weniger spektakulär. Ebenso NGC 1664 im Fuhrmann, an der Grenze zum Perseus. Auch NGC 1776 im Fuhrmann braucht wohl bessere Bedingungen. Schön ist die Gruppe mit M38 und NGC 1907, die beiden ungleichen Haufen passen auf einmal ins Gesichtsfeld des 40mm Pentax. M36 ist sehr schön, ein Klassiker, doch der schönste Haufen im Fuhrmann ist und bleibt M37.

Noch ein paar offene Sternhaufen, M35 in den Zwillingen und M67 im Krebs, dann haben wir genug von diesen Objekten gesehen. Noch einmal Orionnebel, ein Traum heute. Dagegen macht sich M78 eher mickrig aus. Kurz die beiden Planetarischen Nebel in den Zwillingen, NGC 2392 und NGC 2371/2. Sie würden mehr Vergrößerung vertragen, geht aber derzeit nicht.

Es wird Zeit für Galaxien.

  • NGC 2903 im Löwen ist wirklich die schönste und hellste Galaxie in diesem Sternbild. Hab ich heute schon einmal gefragt, warum Messier nicht ... gut, lassen wir das. M65 und M66 sind auch sehr schön und passen auf einmal in das Gesichtsfeld des 40mm Pentax. Auch die Gruppe M105, NGC 3384 und NGC 3389 ist sehr deutlich. Schwenk. M81 und M82 sind heute wirklich umwerfend hell und deutlich. Mit Spielerei passen sie beide ins Gesichtsfeld des 40mm Pentax, doch einzeln zentriert wirken sie besser. Dann noch M108, nicht so beeindruckend wie M82, aber deutlich.

Der Eulennebel M97 ist das letzte Deep Sky Objekt. Aber was ist mit Saturn? Es war bis dato zu windig, doch jetzt legt sich der Wind etwas und ich kann wenigstens zum 21mm Pentax greifen. In ruhigen Momenten ein sehr schöner Anblick, sehr hell, zahlreiche Monde umschwirren den Planeten. Der Wind legt sich etwas mehr, ich merke, dass das Seeing nicht optimal ist. Dennoch mache ich eine Serie mit der Webcam. Bei Wind und mittelmäßigem Seeing.


Saturn bei lausigen Bedingungen

Das war's dann wohl. Abbau, fünf Stunden im Wind reichen mehr als. Ich frage mich, warum ich mir das überhaupt antue. Die schwere Ausrüstung herumschleppen, auf-, ab- und wieder aufbauen, bei suboptimalen Bedingungen. Ich finde, erstmals in meiner amateurastronomischen Laufbahn, keine Antwort auf diese Frage. Ist wohl wieder Zeit für was neues; interessante Beobachtungsprogramme oder einfach eine Pause.