Sternabend-Premiere

Kahlenberg, 21. Juli 2007

Sie waren legendär, unsere Sternabende auf dem Kahlenberg. Wir brauchten bloss ein Teleskop auf der einsamen Terrasse aufstellen, und schon kamen Interessierte in Scharen, offenbarten, dass sie sich schon immer für Astronomie interessierten und niemanden gefunden hätten, den sie fragen könnten. Es entstanden interessante Gespräche rund um die gezeigten Objekte, oft bis lange nach Mitternacht.

Dann kamen die Bagger. Jahrelang wurde alles auf dem Kahlenberg umgebaut. Unser Ersatzplatz auf dem Cobenzl war kein Ersatz; die Besucher blieben aus. So stellten wir die Sternabende ein.

Doch auch die größte Baustelle wird einmal fertig und im Juni eröffnete der neue Hotel- und Restaurantkomplex samt neuer Aussichtsterrasse. Wir nahmen Kontakt mit dem Resident Manager der Austria Trend Hotels, die das neue Hotel und Restaurant betreiben, auf, und Herr Reitbauer freute sich sehr, dass wir mit unseren Sternabenden - die offenbar wirklich schon zu einer Institution geworden und daher stadtbekannt waren - nach einer Generalprobe am Astronomietag im Mai wieder auf den Kahlenberg zurück kehren würden.

Heute ist es so weit. Und offenbar als Belohnung für unsere intensiven Vorbereitungen auf diesen Abend beschert uns die Natur einen traumhaften Abend. Wolkenlos, mild, aber dank eines auffrischenden Windes nicht mehr so drückend heiß wie noch am Vortag. Den ganzen Tag über hatte keine Wolke den Himmel getrübt, keine Minute bestand Zweifel an der Durchführbarkeit unserer Premiere. Danke!


Ein Himmel wie aus dem Bilderbuch, es kann losgehen

Das neue Ambiente ist sehr ansprechend, wenngleich die Sicht nach Osten ein wenig eingeschränkt ist. Links und rechts wird die Terrasse von trendigen Lokalen flankiert, deren Beleuchtung aber so dezent ist, dass sie nicht wirklich stört (wir wollen ja keine Deep Sky Rekorde brechen).


Die neue Gastronomiezene und ...


... die neue Terrasse sind auch ...


... für Astronomie geeignet, also ...


... bauen wir unsere Mobile Sternwarte hier auf

In kurzer Zeit ist unsere Mobile Sternwarte aufgebaut und mit ein paar Tricks auch wirklich sturmfest gemacht. Es kann losgehen.


Der Mond ist bereit, wir sind es auch, es kann losgehen

Und die Legende lebt! Kaum steht das erste Teleskop auf der Terrasse, scharen sich Interessierte darum, stellen Fragen, folgen interessiert den Erklärungen und staunen. Erstes Ziel ist aber nicht der Mond, sondern die Venus, die bald untergeht. Jede Minute zählt. Viele sind erstaunt, dass der helle Abendstern, der die Abende im Frühling so wunderbar verziert hat, bald nicht mehr zu sehen sein wird, und doch ist es so, es ist der unaufhaltsame Lauf der Zeit.


Das 10" LX-200 ist bereit; ein erstes Zögern, ...


... doch dann ist die Begeisterung übr die Venus groß

Teleskop Nummer eins ist heute das 10" LX-200GPS der WAA, das Christine und Kurt Bretschneider engagiert betreuen. Dank seiner Computersteuerung findet es die Venus in der Dämmerung bald und ist daher in dieser Phase des Abends die erste Adresse.

Die Venus verschwindet bald hinter den Hügeln des Wienerwaldes, so ist der Mond, der in schöner zunehmender Phase eher tief am sommerlichen Dämmerungshimmel steht, das nächste Ziel. Es hat schon einen Grund, warum wir einen öffentlichen Sternabend an einem Samstag bei zunehmendem Halbmond veranstalten. Der Blick zum Mond durch ein Fernrohr ist einer der beeindruckendsten und hat schon viele dazu bewogen, sich eingehender mit dem Weltall zu beschäftigen.


Der Mond im 10" LX-200GPS, noch in der hellen Dämmerung

Hinter den Teleskopen bilden sich lange Schlangen, doch wir haben vier Teleskope im Einsatz, das hält die Wartezeiten kurz.


Lange Schlangen hinter den Teleskopen, hier beim Blick zum Mond

Neben dem 10" LX-200GPS (einem 25cm-Spiegelteleskop) sind noch weitere Instrumente im Einsatz. Da sind einmal die beiden Dobsons. Der 8" Dobson der WAA ist ein sehr bewegliches 20cm-Spiegelteleskop, dessen niedriger Einblick vor allem Kindern sehr entgegen kommt und durch den auch vorwiegend der Mond beobachtet wird. Er wird von Monika Klapka mit viel (Wort)witz betreut.


Asiatischer Kampfsport? Zwei Dan-Träger bei der Begrüßung vor dem Kampf? Nein, Christine und Gast beim 8" Dobson, beide zufällig in weißer Kleidung und schwarzem Gurt.


Der 18" Obsession von Roland Graf ist nicht nur unser größtes Teleskop hier auf dem Kahlenberg, sondern auch das größte mobile Teleskop in Wien.

Der 18" Obsession-Dobson von Roland Graf ist mit seinem 45cm-Spiegel nicht nur das größte Teleskop heute auf dem Kahlenberg, sondern auch das größte mobile Teleskop in Wien. Er zeigt zunächst Mond und Planeten unglaublich detailreich, doch seine große Stunde wird später in dieser Nacht schlagen.

Ein weiterer Star ist auch Wolfang Valentins 6" Zeiss-Refraktor. Dieses Teleskop sieht wirklich nach Fernrohr aus und liefert auch hervorragende Bilder. Es ist mit einem Binokular ausgestattet, das es erlaubt, mit beiden Augen zu beobachten - sehr bequem!


Der 6" Zeiss-Refraktor von Wolfgang Valentin ...


... sieht wirklich wie ein Fernrohr aus

Damit haben wir unsere Instrumentenflotte vorgestellt. Ein 15cm-Refraktor und drei Spiegelteleskope mit 20, 25 und 45cm Durchmesser sind in der Tat die Ausstattung einer guten und vor allem großen Volkssternwarte. Unsere ist mobil. Die Teleskope plus das Informationszelt machen allerding auch vier Autoladungen Material aus.


Sterngucken auf dem Kahlenberg

Der nächste Höhepunkt des Abends ist der Untergang des Mondes. Das heiße Wetter der letzten Tage hat uns eine markante Dunstschicht beschert, die die Auf- und Untergänge von Sonne und Mond tiefrot werden läßt. Heute ist der Monduntergang ein wahres Erlebnis, so dunkelorange sieht man unseren Erdtrabanten selten untergehen.


Rötlich verfärbt versinkt der Mond hinter den nächtlichen Bergen des Wienerwalds


Der untergehende Mond im Fernrohr

Der tief stehende Mond wird war vom Seeing, dem Flimmern der Atmosphäre, so stark verzerrt, dass im Fernrohr kaum mehr feine Details zu erkennen sind. Doch das Farbenspiel ist schon ein besonderes Erlebnis. Und jetzt, da der Mond unter gegangen ist, gilt unsere ganze Aufmerksamkeit dem Riesenplaneten Jupiter, der tief über Wien im Südwesten steht.


Jupiter und Antares über dem Lichtermeer der Stadt

Wir werden heute Zeugen einer interessanten Erscheinung. Der innerste Jupitermond Io wandert (bei den heutigen Seeing-Bedingungen leider unbeobachtbar) vor dem Planeten vorbei, doch rund eine Stunde versetzt beschert uns der Schatten von Io einen Transit, und den können wir gut sehen. Wir erleben eine totale Sonnenfinsternis auf Jupiter!


Jupiter um 22.42 Uhr MESZ. Wir erkennen zwar jede Menge Details in der Atmosphäre, der Mond Io ist aber nicht zu erkennen. 178°/348°.


22.52 Uhr. Die Sonnenfinsternis auf Jupiter hat begonnen. Der Schatten von Io wandert als schwarzer Punkt nördlich des NEB über den Planeten. 184°/354°.


23.32 Uhr. Der Schatten hat jetzt schon fast die Mitte der Scheibe erreicht, doch Jupiter steht schon tief und Details werder schwieriger erkennbar. 209°/18°.

Jupiter zeigt sich heute einmal mehr mit nur einem, dem nördlichen Äquatorband, das südliche bleibt verschwunden. Mit der Webcam (Philips SPC 900) und IR Sperrfilter gelingen die drei obigen Aufnahmen. Das Computerauge kann doch mehr erkennen als wir selbst am Teleskop. Moderne Astronomie.

Der Himmel ist dunkel und die Beleuchtung nicht extrem störend, außerdem wird die Bestrahlung der Kirchenfront um Mitternacht abgeschaltet. Er wird Zeit für Deep Sky.


Deep Sky am 18" Obsession ...


... und am 6" Zeiss-Refraktor

Die klassischen Deep Sky-Objekte, die wir heute zeigen, sind der Ringnebel in der Leier (M57) und der schöne Kugelsternhaufen M13 im Herkules. Anhand dieser Objekte können wir auch Sternentwicklung und sogar Kosmologie erläutern. Den Abschluss bildet in der Tat sogar eine Galaxie, nämlich M51 in den Jagdhunden hoch über dem Kahelbergsender.


Kahlenberg. Hier lohnt sich nicht nur der Blick nach unten, sondern auch nach oben

Geschätzte 80 Personen haben an unserem Sternabend teilgenommen, die zahlreichen Gäste, die nur kurz vorbei geschaut haben, nicht eingerechnet. Bei herrlichem Wetter können wir nur von einer gelungenen Premiere sprechen. Die Legende lebt wieder, die Werbung für Astronomie war intensiv wie schon lange nicht - jedenfalls sind uns alle Imagebroschüren und Programmhefte ausgegangen, und wir hatten viele mitgebracht.

Unser herzlicher Dank gilt unserem Team von heute Abend (Christine und Kurt Bretschneider, Roland Graf, Monika Klapka und Wolfang Valentin) für den Antransport Ihrer Instrumente und stundenlanges engagiertes Betreuen der Mobilen Sternwarte sowie dem Resident Manager der Austria Tend Hotels, Herrn Christian Reitbauer, für die Ermöglichung unserer Sternabende in der neu errichteten Hotelanlage.

Text und Fotos: Alexander Pikhard