Beobachtung mit Herrn Scheiner

Edlach/Rax, 30. 04. 2008

20080430sfl21.html

Beobachter:Thomas Schröfl (schroefl@via.at)
Datum:30. 04. 2008
Zeit:21:00 bis 23:30 MESZ
Ort:Edlach/Rax
Instrument:NexStar 11 GPS
Bedingungen:
Durchsicht:sehr gut (1)
Grenzgröße:5.5
Aufhellung:gut (2)
Seeing:ausreichend (3)
Wind:kein
Temperatur:12°C
Bericht:

Aufgrund der unsicheren Wetterlage habe ich mich entschlossen nicht zum Teleskoptreffen in die Leiser Berge zu fahren, sondern in Edlach mein schlechtes Gewissen zu beruhigen, das auf einem sehr emotionalem Hintergrund beruht. Man mag es Spinnerei nennen, aber zum meinen Teleskopen habe ich eine nahezu menschliche Beziehung, Auf eine eigene Art sehe ich sie auch als meine Kinder an, die Anspruch auf Zuwendung haben und mein C11, das mir lange beim Einstieg in die Astronomie treu gedient hat, wurde schon zu lange sträflich vernachlässigt. Vor mehr als einem Jahr habe ich eine zuerst von einem Kunden bestellte und dann stornierte Meade-Ultra-Wedge erworben und an das C11 adaptiert, es aber seither unterlassen das Teleskop genau einzunorden. Das soll heute anders werden.

Laut Betriebsanleitung mache ich zunächst ein Two-Star-Alignment, richte dann das Teleskop auf den Meridian und höhenmäßig ungefähr auf den Himmelsäquator aus, in der Absicht nach der Scheiner-Methode die Driftabweichung festzustellen und zu korrigieren. Was einfach klingt, ist gar nicht so leicht, denn in dieser Gegend ist nur sehr schwer ein ausreichend heller Stern zu finden, der von der wenn auch nur schwach eingestellten Beleuchtung des Micro-Guide-Okulars nicht überstrahlt wird. Ein längeres Spiel mit Korrekturen beginnt, aber der Stern wandert immer wider nach ein paar Minuten aus. Dann erinnere ich mich, daß die Steuerungssoftware ein Wedge-Alignment Utility anbietet und probiere dieses aus. Dabei fährt der Teleskoptubus in eine Stellung parallel zu den Gabelarmen. Dann bringt man zunächst mittels Sucher und dann mittels Fadenkreuzokular den Polarstern durch Azimut und Höhenverstellung der Wedge genau ins Zentrum. Auch das ist eine recht feinfühlige Fummelei, da in den Gewinden natürlich ein gewisses Spiel und damit ein Totgang beim Richtungswechsel ist. Dazu kommt dann noch viel Gefühl beim Festziehen der Schrauben. Beim ersten Mal sind zwar die Schrauben fest, aber dafür ist auch Polaris wieder weg. Beim zweiten Mal mit viel Vorsicht gelingt es dann und dann kommt die Nagelprobe mit der Scheiner-Methode. Wieder suche ich einen passenden Stern am Meridian und siehe da, über mehrere Minuten ist kein Abdriften mehr zu sehen. Für kürzere Belichtungszeiten sollte das reichen, Weitere Beobachtungsnächte werden zeigen, wieviel Nachjustage noch notwendig ist.

Zum Abschluß wende ich mich noch Saturn zu, um einen Vergleich zur Astropraxis des letzten Sonntags zu haben. Es zeigt sich ein gewaltiger Unterschied in der Qualität des Seeings. Konnte ich am Sonntag mit dem Takahashi auf 330 fache Vergrößerung gehen und wohl noch darüber hinaus, hätte ich ein noch kürzerbrennweitiges Okular gehabt, so ist heute schon unter 200 fach eindeutig Schluß. Eine höhere Vergrößerung ist nur mehr leer ohne Zugewinn an Details. Das erhöht eindeutig meine Vorfreude auf den bevorstehenden Wohnsitzwechsel in Wien, der es mir in Zukunft ermöglichen wird aus der Stadt unter besseren Seeingbedingungen Planeten zu beobachten.

In der Überzeugung mich mit meinem C11 wieder versöhnt zu haben beende ich diese technikgeprägte Beobachtungsnacht.