Deep Sky Abend

Hohe Wand, beim Gasthof Postl, 16. 01. 2009

20090116api19.html

Beobachter:Alexander Pikhard
Datum:16. 01. 2009
Zeit:19:00 bis 23:00 Uhr MEZ
Ort:Hohe Wand, beim Gasthof Postl
Instrument:6" Skywatcher Refraktor 150/1200mm, Canon EOS 350D
Bedingungen:
Durchsicht:sehr gut (1)
Grenzgröße:6.0
Aufhellung:gut (2)
Seeing:ausreichend (3)
Wind:kein
Temperatur:-5°C
Feuchtigkeit:feucht
Sonstige Bedingungen:Gegen 23 Uhr Einfall von Nebel, vorher wolkenlos.
Bericht:

Vergangenen Montag, beim Astrotreff, hatten wir angekündigt, dass es an diesem Wochenende gute Bedingungen für Deep Sky Beobachtung geben werde. Das ist natürlich mutig in unseren Breiten, ist doch ein Wetterbericht über mehr als ein bis zwei Tage nicht allzu seriös. Schon am Dienstag sah es für das Wochenende auch gar nicht mehr so gut aus, und bald stellte sich heraus: Wenn es an diesem Wochenende eine Beobachtungsnacht geben sollte, dann am Freitag.

Freitagnachmittag: Ein farbenprächtiger Sonnenuntergang mit unerfreulich vielen Wolken.


Die Sonne versinkt, begleitet von zahlreichen Wolken


Das sieht ja an sich gut aus


Farbenprächtiger Sonnenuntergang

Ich konferiere am Telefon mit Andreas Pfoser und er überzeugt mich, dass sich diese niederen Wolken bald auflösen werden. Einer schönen Beobachtungsnacht sollte also nichts, auch kein Hochnebel, im Weg stehen. Also mache ich mich etwas später auf den Weg zur Hohen Wand.

Beim Gasthof Postl angekommen, verschwinden gerade die letzten Wolkenfetzen. Einige Beobachter sind schon da.


Venus im Untergang, links das leidige Licht vom Hirschenkogel


Die Milchstraße im Westen. Deneb steht schon sehr tief.

Der Himmel ist gut. Die Milchstraße zieht sich von Westen, wo gerade der Schwan untergeht, über den Zenit nach Osten. Venus geht gerade hinter einem nahen Hügel unter. Da sich kein Hochnebel gebildet hat, ist das Licht der Städte des Wiener Beckens merkbar, aber nicht sehr störend. Störender ist da schon die nahe Flutlichtpiste auf dem Hirschenkogel.


Etliche Geräte werden  ...


... unter klarem Himmel aufgebaut


Beobachter, auch ganz junge, unter dem Orion


Ein nettes, winterliches Teleskoptreffen

Da wir heute einige neue Gäste haben, auch aus unserem derzeitigen Einführungskurs, liegt mein Fokus auf der visuellen Beobachtung und dem Herzeigen der schönsten Winterobjekte. Nach einem Blick zur doch etwas flimmernden Venus geht es ans Deep Sky Beobachten. Geduldig stelle ich ein Objekt nach dem anderen am 6" Skywatcher ein, Claus Thienels 12" LX-90 leistet auch gute Dienste als Teleskop zum Durchschauen. Hans Peter aber findet immer mehr Spass am Fotografieren mit seinem Starfire-Refraktor.

Die Highlights sind natürlich der Große Orionnebel M42, die Pleiaden M45 und der Große Andromedanebel M31. Sie sehen heute ja auch wirklich extrem gut aus. Dann geht es an zahlreiche Sternhaufen: M35 mit NGC 2158, M36, M37; M41 und M44; NGC 457 ("E.T.") und der traumhafte NGC 7789; und natürich ein weiterer Klassiker, h+χ Persei.

Dann zu Galaxien. M31 ist traumhaft, auch seine beiden Begleiter M32 und M110 sind schön. Auch M33 ist gut zu sehen, mit einer Andeutung der Spiralarme sogar schon im 6" Skywatcher. Ein besonders schöner Anblick sind M81 und M82; zunächst auf einmal in einem Feld und dann bei stärkerer Vergrößerung jede der beiden Galaxien einzeln.

Auch der Crabnebel M1 ist ein sehr schönes Objekt. Zwischendurch muss aber dann doch auch ein bisschen fotografiert werden und ich mache mich zunächst einmal an M42, mit mehr im Hinterkopf.


M42 und Nachbarschaft. Mosaik aus zwei Aufnahmen, verkleinert.

M42 nehme ich mit einem fokal verkürzten Skywatcher 5 x 50s lang auf (1600 ISO), das Nebelgebiet NGC 1973-75-77, das den "Running Man" einschließt, 10 x 50s, und mache ein Mosaik draus. Nicht übel.

Hans Peter hat den aufgehenden Saturn eingestellt. Beeindruckend, trotz der geringen Höhe. Plötzlich ist er weg. Von Norden her schiebt sich binnen Minuten eine Hochnebelwand über den Himmel, die Sterne verschwinden. Noch wird ca. 15 Minuten lang beraten, dann bauen wir ab und fahren heim. Wir hatten ohnedies einige tolle Stunden Astronomie hier.

Auf der Heimfahrt zeigt das Thermometer ein wahres Wechselbad an. Innerhalb kurzer Distanzen enorme Temperaturunterschiede. Beim GH Postl war es mit den Wolken richtig "warm" geworden. Am Fuss der Hohen Wand hat es "nur" -3°C. In Weikersdorf am Steinfeld dann -7°C. Aber schon auf der Autobahn bei Wr. Neustadt wieder -3°C. Am Stadtrand von Wien dann gar nur mehr -1°C, bei mir zuhause wieder -3°C. Seltsam. Als ich mich Wien nähere, geht der Mond auf. Tiefrot im Letzten Viertel. Der Mond, hier ?!?!

Ich stelle fest, dass der Himmel in Wien klar ist. Im Süden steht ein Wolkenfeld, genau jenes, das uns von der Hohen Wand vertrieben hat. Von der heimischen Terrasse nehme ich dann noch den Mond auf.


Aufgehender Mond. Canon EOS 350D mit Russentonne 100/1000mm.

Ein interessanter Astroabend, auch aus meteorologischer Sicht.