Perseiden

Kreta / Griechenland, 06. 08. 2010

20100806twe00.html

Beobachter: Thomas Weiland
Datum: 06. 08. 2010
Zeit: 00:00 Uhr
Ort: Kreta / Griechenland
Instrument: Freies Auge
Bedingungen:
Durchsicht: sehr gut (1)
Aufhellung: sehr gut (1)
Sonstige Bedingungen: Meist wolkenlos, zeitweise mäßiger bis starker Wind
Bericht:

Unter Amateuren wird häufig die Meinung vertreten, dass das Maximum der Perseiden, von Störungen durch Mondlicht abgesehen, jedes Jahr annähernd gleich gut zu beobachten ist. Auf Grund der alljährlichen Verschiebung der Meteorstrommaxima um ca. 1/4 Tag trifft das für einen bestimmten Ort jedoch nur alle 4 Jahre zu, wovon wiederum jede zweite Gelegenheit durch Mondlicht beeinträchtigt ist. Zieht man zudem das wechselhafte Wetter Mitteleuropas in Betracht, so kann es leicht passieren, dass mehr als ein Jahrzehnt vergeht, bis man ein Perseiden-Maximum bei dunklem Himmel erleben darf. Das Erfassen eines "vollständigen" Aktivitätsprofils erscheint unter diesen Bedingungen praktisch aussichtslos.

Daher trug ich mich schon längere Zeit mit dem Gedanken, diesen beeindruckenden Strom von einem klimatisch begünstigten Ort aus zu verfolgen. Heuer ergab sich schließlich die Gelegenheit, dies mit einem Familienurlaub auf Kreta / Griechenland zu verbinden. Zudem waren die astronomischen Bedingungen ideal, da der von der IMO vorhergesagte Maximums-Zeitpunkt (12. August, 23h30m UT bis 13. August, 02h00m UT [4]) sowohl in die europäischen Nachtstunden als auch in die Nähe des Neumonds (10. August, 03h UT) fiel.

Kreta ist nicht nur eine landschaftlich beeindruckende Insel mit weithin bekannten Sehenswürdigkeiten, sie bietet darüber hinaus während der Sommermonate nahezu ungetrübten Sonnenschein (Wolkenhäufigkeit im Schnitt weniger als 20 %; siehe Abbildung 1). Afrikanisches Klima also, verbunden mit europäischen Annehmlichkeiten!


Abbildung 1: Mittlere Wolkenhäufigkeit im August

Demzufolge konnte ich vom 06./07. bis 15./16.08. von der Südküste nahe dem Ort Frangokástello (24°13' E, 35°11' N bzw. 24°15' E, 35°11' N) aus sowie in den Bergen nahe Asféndou (24°11' E, 35°15' N) jede Nacht (!) ohne Einschränkung beobachten und insgesamt 1642 Meteore, davon 882 Perseiden (PER), erfassen (effektive Gesamtbeobachtungsdauer 42,31h, Grenzgröße durchschnittlich +6,35mag).

Daneben wurden einige Südliche δ-Aquariden (53 SDA), Piscis Austriniden (3 PAU), α-Capricorniden (15 CAP) und κ-Cygniden (12 KCG) sowie sporadische Meteore (677 SPO) registriert.


Abbildung 2: Der Schlafsack bleibt eingepackt


Abbildung 3: Unerwarteter Besuch

Wie erwartet, lagen zu Beginn meiner Beobachtungen die Raten der PER noch relativ niedrig (ZHR 11 ± 5 bis 16 ± 6; siehe Abbildung 5). Dies änderte sich auch in den kommenden Tagen kaum, dafür machten sich ab dem 07./08. zunehmend helle PER (bis zu -5mag) bemerkbar, welche von nun an immer wieder für kleinere Höhepunkte sorgten (aus der Helligkeitsverteilung für den gesamten Beobachtungszeitraum ermittelter Populationsindex r = 1,82 ± 0,04; m6,5 = +2,00mag). Ungeachtet dessen blieben die stündlichen zenitalen Raten selbst in der Nacht vor dem Maximum hinter den Erwartungen zurück bzw. fielen in deren Verlauf sogar etwas ab (ZHR 44 ± 10 bis 31 ± 7).

Leider machte sich ausgerechnet gegen Abend des 12.08. stärkerer Dunst vom Meer her bemerkbar, weshalb ich mich entschloss, in größere Höhen auszuweichen. Dies sollte ich aber nicht bereuen, in den Bergen Kretas auf 1100 m Seehöhe war der Himmel einfach grandios (Grenzgröße +6,50mag, Pfeifen-Nebel freisichtig etc.)! Bereits zum Zeitpunkt meiner Ankunft zogen immer wieder z. T. recht helle PER über den Himmel, manche davon als "Erdstreifer" auf bis zu 60° langen Bahnen, darunter ein außergewöhnliches, -1mag helles Exemplar mit orange glühendem Kopf und fadenförmiger Spur um 19h52m00s UT. Die betreffende ZHR für das nachfolgende Intervall (20:00-21:00 UT) lag bei 85 ± 17. In der Folge nahm sie auf 62 ± 13 ab, um für die nächsten Stunden auf nur geringfügig höherem Niveau zu verharren (ZHR 70 ± 12 bis 79 ± 10). Erst gegen Ende der Nacht (01:00 bis 02:00 UT) war wieder ein kräftiger Anstieg, welcher mit 96 beobachteten PER in einer ZHR von 117 ± 12 gipfelte, zu verzeichnen (Populationsindex r für den 12./13.08. = 1,79 ± 0,06; m6,5 = +1,87mag; bis zu -5mag).


Abbildung 4: Eindrucksvolles Bergpanorama

Auch die Nacht nach dem Maximum brachte noch respektable Perseiden-Raten (ZHR 63 ± 14 bis 54 ± 10), dies setzte sich in abgeschwächter Form am 14./15.08. fort (ZHR 46 ± 9 bis 26 ± 8). Auffällig war der nach wie vor hohe Anteil heller Meteore (bis zu -4mag), welcher, ebenso wie das verzögerte Nachlassen der Aktivität, in deutlichem Gegensatz zum langjährigen Erscheinungsbild des Stromes steht.


Abbildung 5: Aktivitätsprofil der Perseiden 2010 (06./07.-15./16.08.)

Aus der Helligkeitsverteilung für den gesamten Zeitraum (siehe Abbildung 6) lässt sich ableiten, dass 30 % der erfassten PER zumindest 0mag erreichten. Diese wiesen vor allem gelbe, untergeordnet auch orange, blaue und weiße Farben auf, grüne Farbtöne waren nur sehr selten anzutreffen. 32 % aller aufgetauchten PER hinterließen eine Spur.


Abbildung 6: Helligkeitsverteilung der Perseiden 2010 (06./07.-15./16.08.)

Insgesamt betrachtet handelte es sich bei den Perseiden 2010 somit um eine durchschnittliche Wiederkehr, die aber auf Grund zahlreicher heller Meteore ein eindrucksvolles Erlebnis bot. Darüber hinaus folgt sie jenen der letzten Jahre, denen z. T. ungewöhnliche geometrische Bedingungen zugrunde lagen (siehe auch diesbezügliche WAA-Berichte):

2007: Überlagerung des "traditionellen" Maximums durch ein Filament, d. h. eine von Jupiter gesteuerte Resonanzzone, für die Dauer von ca. 1,5 Tagen [5]

2008: Begegnung mit einem Staubstreifen des Kometen 109P/Swift-Tuttle aus dem Jahr 441 [1]

2010: "Traditionelles" Maximum, infolge von Störungen durch Saturn geringerer Abstand der Erde zum Zentrum des Stromes [3], dadurch möglicherweise neben leicht erhöhten Raten (laut IMO live ZHR profile / Stand 28.09.2010 [6] Aktivitätsspitzen am 12.08., 17h19m UT, ZHR 129 ± 11 sowie am 13.08., 11h32m UT, ZHR 112 ± 8) auch ein höherer Prozentsatz heller Meteore (s. o.)

Auch das Maximum 2009 bot von der Geometrie her ungewöhnliche Voraussetzungen [2, 3], war aber auf Grund schlechten Wetters im Osten Österreichs praktisch nicht beobachtbar.

Literatur:

[1] CBET1480: 20080826: Perseid Meteors 2008.

[2] CBET1921: 20090822: Perseid Meteors 2009.

[3]Maslov, M.: Perseids 2009-2010: prediction of activity http://feraj.narod.ru/Radiants/Predictions/Perseids2009eng.html

[4] McBeath, A., (ed.): 2010 Meteor shower calendar. IMO 2009.

[5] Rendtel, J. and Arlt, R. (eds.): Handbook for Meteor Observers. International Meteor Organisation, Potsdam 2009.

[6] Website der IMO (http://www.imo.net)


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Ein Bericht der Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie.
www.waa.at