Totale Mondfinsternis

15. Juni 2011

 

Berichte:

Fotomontage © Alexander Pikhard

Die Totale Mondfinsternis vom 15. Juni 2011 wird als eine der dunkelsten in die Geschichte eingehen. Schon im Vorfeld war vermutet worden, dass mehrere Vulkane so viel Asche in die Erdatmosphäre befördert hatten, das eine sehr dunkle Mondfinsternis zu erwarten sein würde. So war es dann auch. Dass der Anfang der Finsternis viele enttäuscht hatte, hatte eigentlich drei Gründe: Erstens, die eben erwähnte sehr dunkle Finsternis; zweitens, der Beginn der Totalität in der noch hellen Dämmerung; und drittens, Wolken am Horizont.

Stimmen zur Finsternis:

Wieder einmal fiebern wir einem großen astronomischen Ereignis entgegen. Heute ist es die letzte totale Mondfinsternis bis zum Jahr 2015, die von Wien aus zu beobachten sein wird. In einem vom Wetter her durchaus begünstigten Frühjahr hatten wir oft an entscheidenden Terminen Pech, doch heute sollte es passen. Alexander Pikhard.

Die ersten Blicke zum bereits teiweise verfinsterten Mond waren jedoch anders als viele erwartet hatten. Durch den noch hellen Himmel und leichte Wolken hob sich der Mond nur sehr zart vom Hintergrund ab und bot zeitweise einen Anblick, der eher an Saturn oder Science Fiction erinnerte. Doch die Stimmung unter den vielen hunderten Menschen auf der Terrasse war ausgezeichnet. Als "Pausenfüller" zeigten wir in mehreren Teleskopen den Saturn (den echten!), denn der blasse Mond war mit freiem Auge besser zu sehen. Erst später, mit zunehmender Dunkelheit stand der orange Mond deutlich über dem nächtlichten Wien. Anneliese Haika.

Das Wort "standorttreu" ist im allgemeinen positiv besetzt. Es gibt Ausnahmen: Eine standorttreue Wolkenbank über dem Grazer Raum verdichtete sich kurz nach Beginn der Totalität immer mehr, sodaß nur ein kurzer Blick auf den Mond möglich war. Dank Lichtsammeln von 10 Sekunden Belichtungszeit ist der Schnappschuß wesentlich besser als der visuelle Eindruck des diesmal sehr dunklen und blassen Mondes in Erinnerung blieb. Michael Karrer.

Es dürfte die wohl dunkelste Mondfinsternis gewesen sein, die ich bislang erlebt habe. Die Milchstraße war kurz vor dem 3. Kontakt ohne weiteres erkennbar. Insgesamt war es ein sehr gelungener Abend. Matthias Juchert.

Der Dämmerungshimmel hingegen wurde stetig dunkler und gab immer schwächere Sterne frei. Etwa 30 Minuten vor dem Ende der Totalität wurden die ersten Wolken der Milchstraße sichtbar. Dies war der Anblick, auf den ich mich besonders gefreut hatte: der total verfinsterte Mond inmitten dieser Sternwolken. Wenn bei anderen Mondfinsternissen einige wenige Sterne während der Totalität am Mond stehen, und teilweise von ihm bedeckt werden, so war deren Anzahl diesmal nicht zu zählen. Der optisch eindrucksvollste Zeitraum waren die Minuten vor dem Ende der Totalität gegen 23 Uhr. Der Himmel war fast ganz dunkel und das Band der sommerlichen Milchstraße zog sich kontrastreich und detailliert über den Osthimmel bis in den Süden. Mitten darin leuchtete orange der gerade noch total verfinsterte Mond. Danach folgte die einstündige partielle Phase, in welcher der Mond den Kernschatten verließ. Thomas Rattei.

Mein Beobachtungsabend begann mit einem stimmungsvollen Sonnenuntergang. Einige Minuten später tauchte dann am gegenüberliegenden Horizont der bereits stark partiell verfinsterte Mond über dem Leithagebirge auf. Dunst, der niedrige Mondstand, einige dichtere Cirren in Horizontnähe und die Abenddämmerung ließen ab der Totalität den Mond visuell zunächst oft nur sehr schwer erkennen und der Anblick war eher enttäuschend. Erst längere Belichtungszeiten zeigten mehr vom Mond. Dafür gabīs dann nach der Totalitätsmitte zunehmend traumhafte Bedingungen und einen schönen, glutroten Mond zu sehen. Ronald Köhne.


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Ein Bericht der Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie.
www.waa.at