Easter Star Party

Hohe Wand, beim Gasthof Postl, 17.-19. 04. 2015

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Beobachter / Observer: Alexander Pikhard
Datum / Date: 17. - 19. 04. 2015
Beobachtungsort / Location: Hohe Wand, beim Gasthof Postl
Bericht / Report:

Das ist jetzt vielleicht ein etwas anderer Bericht über eine Star Party; aber vielleicht sollten wir einmal wirklich über diesen Begriff reden. Wikipedia, die englische Version natürlich, hat eine genaue Definition für diesen Begriff parat: "A star party is a gathering of amateur astronomers for the purpose of observing the sky. " -- Eine Star Party ist ein Treffen von Amateurastronomen mit dem Ziel, den Himmel zu beobachten. Party bezeichnet im Englischen einfach ein Treffen mehrerer Personen, die einer Einladung eines Gastgebers folgen.

Also geht es ums Beobachten, und in unseren Breiten damit natürlich auch ums Wetter, denn bekanntlich ist bei uns nur jede vierte bis fünfte Nacht im Schnitt für astronomische Beobachtungen brauchbar. Eine zweitägige Star Party zu organisieren heisst daher auch, damit zu rechnen, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit zumindest eine der beiden Nächte ausfällt, mit durchaus Pech alle beide. Da ist nichts zu machen, denn es gibt logistische Vorgaben wie Zimmerreservierung, die mit der in der Amateurastronomie sonst so üblichen und notwendigen Spontanität in Widerspruch stehen.

Absagen oder nicht?

Die Wettermodelle sind in den 2010er-Jahren schon recht gut geworden. Die Großwetterlage lässt sich über mehrere Tage im Voraus ganz gut abschätzen. Es war bald klar, dass das Wochenende der heurigen Easter Star Party so ziemlich einen worst case darstellen würde: Am Freitag eine Kaltfront mit anhaltendem Regen, der auf 800m Seehöhe in Schnee übergehen würde, dann ein Höhentrog am Samstag und in der Nacht auf Sonntag eine Chance auf Trogrückseite, wobei die tiefen Wolken einer solchen im Gebirge absolut nicht abzuschätzen sind. Soweit die Fakten.

Die WAA hat in den letzten Jahren aber einen sehr positiven Pragmatismus entwickelt; wenn es nichts zum Beobachten gibt, dann kann man in aller Ruhe Erfahrungen austauschen, Sachen ausprobieren oder einfach nur nett plaudern. Wir sind nicht die Verbissenen, die sich schon bei einer Cirre einen Haxen ausreissen möchten oder bei einem Windstoß die Natur verdammen; wir sind ein Teil der Natur, verbringen in dieser unsere kostbare Freizeit und machen, was sich ergibt. Ich denke, das macht diesen Charme der Gruppe aus.

So fahren wir am Freitag im Regen auf die Hohe Wand.

An diesem Abend war nicht viel zu machen. Nach dem Abendessen wird Webcamaufnahme an der Lampe über dem Tisch geübt, aber bald zur Nachtruhe geschritten. Immerhin, in einem Wolkenloch zeigen sich Arktur und die nördliche Krone. Zu kurz für sinnvolle Beobachtung, aber immerhin, und absolut nicht modellierbar.

Fotomotive gibt es überall!


Samstagmorgen auf der Hohen Wand

Am Samstag zeigt sich die Hohe Wand, abgesehen von recht frischer Temperatur (3°C), durchaus freundlich. Am Himmel ist außer Wolken noch nicht viel los und schon beim Frühstück beginnen wir mit fotografischen Fingerübungen. Nein, wir fotografieren nicht nur Sterne. Jetzt ist einmal die lokale Singvogelkolonie (Gimpel, Grünfinken und Kohlmeisen) dran.

Ja, auf dem letzten Bild sitzt ein Gimpel im Schneegestöber. Es fängt zu Schneien an auf der Hohen Wand.

Spontaner FireCapture-Workshop und Sonnenbeobachtung

"Bitte einen Workshop!" lautet jetzt der Wunsch, und recht spontan wird ein FireCapture-Workshop aus dem Boden gezaubert.


Spontaner FireCapture-Workshop


Die Zielobjekte sind "nahe liegend"


Was diese ASI Webcam wohl anvisiert?

Dann kommt die Sonne heraus - Aprilwetter! Rasch wird ein sehr kleines Teleskop im Gastzimmer aufgestellt und die Sonne durch das Fenster aufgenommen. Optisch nicht der Kick, aber zum Üben ideal!


Improvisierte Sonnenaufnahme aus der Gaststube, der Weißabgleich ist noch nicht so toll


Jetzt, beim Stacken, schon


Hier die Sonne. Durchs geschlossene Fenster, daher optisch nicht berauschend, aber immerhin.

Hohe Wand oder Tunguska?

Wir erkunden, obwohl es immer wieder schneit, die Umgebung. Schrecklich, was hier passiert ist! Anfang Dezember hatte tagelanger Eisregen den Wald so sehr belastet, dass kaum ein Baum intakt geblieben ist. Das Ausmaß der Schäden wird jetzt deutlich ...


Kaum ein Wipfel ist intakt.


Der Sturm gab den Bäumen dann den Rest


Irgendwie kommt hier Tunguska-Stimmung auf

Jeder nicht mehr intakte Baum würde bald für Schädlinge ein sprichwörtlich gefundenes Fressen sein und muss gefällt werden. Das Geräusch der Kettensägen ist allgegenwärtig. Erst in gut 100 Jahren wird es hier wieder einen intakten Hochwald geben. Vielleicht.

Der Schneefall wird dichter.


Am Nachmittag vor einer vermeintlichen Beobachtungsnacht


Der Gimpel scheint es gewöhnt zu sein, ist hier ja auch nicht besonders außergewöhnlich


Am Skywalk. Brrrr!

Am Skywalk beobachten wir das Abziehen einer Schneefront.


Noch gruselig


Schon freundlicher, sagen wir mal

Beobachtungsnacht

Doch dann wird der Abend etwas freundlicher, der Schneefall hört auf.


Na bitte

Da wird doch gleich mit Vorbereitungen für den Abend begonnen. Warm ist es aber nicht.


Eifriges Hantieren in Winteradjustierung

Am Abend zeigen sich zwischen den rasch ziehenden Wolken dann auch kleinere und größere Wolkenlöcher. Immerhin so viele, dass einige kommen und Instrumente aufbauen, wohl auch im Vertrauen auf die Wettermodelle, die ab 23 Uhr wolkenlosen Himmel versprechen. Ein paar "Verbissene" hadern mit dem Schicksal, ich sage nur, so macht man sich das Amateurastronomiedasein in unseren Breiten nur schwer.


Erste kleine Wolkenlöcher


Venus taucht auf und auch einige Sterne wie Capella

In der Tat geht sich ein schönes, stimmungsvolles Bild von Venus im Goldenen Tor aus:


Venus oberhalb der Hyaden und der Plejaden. Beachte die Lichtsäule oberhalb und unterhalb des Planeten!
Die Schneekristalle in der Luft machen das offenbar möglich. (Click zum Vergrößern)

Phasenweise sind viele Sterne zu sehen und über die eine oder andere längere Strecke ist es auch so gut wie wolkenlos.


Löwe und Jupiter und viele andere Sterne zwischen den rasch ziehenden Wolken

Auch Jupiter nahe der Praesepe ist ein schönes Motiv, sowohl mit als auch ohne Wolken.


Jupiter und Praesepe durch dünne Wolken. (Click zum Vergrößern)


Jupiter und Praesepe ohne Wolken, länger belichtet (Canon EOS 70D, 19x15s bei 2000 ISO). (Click zum Vergrößern)

Der Löwe ist lange Zeit wolkenfrei, da geht sich mit 300mm Tele sogar eine Serie vom Leo-Triplet aus, 14 x 60s bei 2000 ISO:


Leo Triplet. (Canon EOS 70D, 14x60s bei 2000 ISO). (Click zum Vergrößern)

Da immer wieder Wolken durchziehen, beschließen die meisten schon vor Mitternacht, abzubauen. Aber immerhin, es war keine Nullnummer (außer, jemand wollte gerade heute das ultimative Astrofoto aufnehmen ...).

Epilog

Am nächsten Morgen ist es freundlich, aber kalt.


Stahlblauer, kalter Morgenhimmel

Auch der Blick übers Land ist schon viel, viel freundlicher geworden.


Blick auf die schneebedeckten Berge im Süden


Blick nach Osten

Es wird ein sehr schöner, sonniger Sonntag; dennoch brechen wir bald nach dem Frühstück auf. Es warten noch andere Verpflichtungen. Auf der Heimfahrt noch ein Blick zum Schneeberg, der seinem Namen alle Ehre macht.


Der Schneeberg

Text: Alexander Pikhard.
Fotos: Gabriele Mitschke und Alexander Pikhard

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Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie.
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