Der südlichste Vollmond 2016

Wien 12, 20. 06. 2016

20160620api21.shtml

Beobachter / Observer: Alexander Pikhard
Datum / Date: 20. 06. 2016
Uhrzeit / Time: 21:00 MESZ
Beobachtungsort / Location: Wien 12
Instrument: 8" Meade LX-90, ASI 120MC-S, Canon EOS 70D
Bedingungen / Observing conditions:
Durchsicht / Transparency: gut (2)
Seeing: sehr schlecht (5)
Sonstige Bedingungen / Remarks: Zwischen tiefen Wolkenschichten längere Wolkenlöcher.
Bericht / Report:

Über den heutigen Vollmond wird unglaublich viel Unsinn geschrieben. Nein, er fällt nicht genau mit der Sommersonnenwende zusammen, es liegen gut 12 Stunden dazwischen, was bei uns nach MESZ sogar bedingt, dass die beiden Ereignisse nicht einmal am gleichen Kalendertag stattfinden. Nein, es ist kein Blutmond (dieser unsinnige Begriff bezeichnet, wenn schon, eine totale Mondfinsternis). 1918 taucht in einem amerikanischen Handbuch für Pfadfinder erstmals der angeblich indianische Name "Erdbeermond" für den Vollmond im Juni auf, den gibt es also jedes Jahr.

Interessant am heutigen Vollmond ist, abgesehen von der Tatsache, dass er am 20. Juni um 13.02 Uhr MESZ (für den Erdmittelpunkt) bzw. um 13.10 Uhr MESZ für Wien stattgefunden hat und damit für uns unbeobachtbar war, dass er jetzt in der kürzesten Nacht des Jahres zu sehen ist und dass es sich um den südlichsten Vollmond in diesem Jahr handelt.

Doch wie südlich ist südlich? Die Deklination des Mondes betrug beim Vollmond -18,56° und das ist deutlich nördlicher als der südliche Scheitelpunkt der Ekliptik mit -23,44°. Tatsächlich hat der Mond derzeit, aufgrund der aktuellen Lage der Mondknoten, eine hohe Nordbreite im südlichen Teil der Ekliptik. Rund einen Tag vor Vollmond wurde die maximale Nordbreite erreicht, 5,2° nördlich der Ekliptik. Dies ist auch gut zu erkennen, denn am Südrand des Mondes ist selbst heute eine deutliche Lichtschattengrenze (Terminator) zu erkennen. Wir müssen, bedingt durch die Knotendrehung des Mondes, rund 9 Jahre warten, bis sich eine extreme Südbreite ergibt. Am 11. Juni 2025 wird der Vollmond eine Deklination von -28,09° erreichen und dies wird der südlichste Vollmond seit 100 Jahren sein.

Jetzt ein paar Fotos vom Mondaufgang und auch ein Versuch, den Mars aufzunehmen, obwohl das Seeing wirklich grottenschlecht ist.


Aufgang des Mondes rund 9 Stunden nach Vollmond. Das ist kein Blut- oder sonstiger Mond. Die rote Färbung ist ein ganz normaler atmosphärischer Effekt (Streuung), wie er auch beim Sonnenauf- oder Untergang passiert. (Mit Mausklick vergrößern)


Obowohl die Luft sehr unruhig ist, erkennt man am unteren (südlichen) Mondrand deutlich Berge. Erstens sind sie dort sehr hoch und zweitens hat der Mond heute eine sehr hohe ekliptikale Nord(!)breite. Es ist der südlichste Vollmond in diesem Jahr, aber er steht rund 10° nördlicher als es theoretisch möglich wäre. In rund 9 Jahren werden wir diesen Extremwert erreichen. (Mit Mausklick vergrößern)


Webcamaufnahme der Südpolregion des Mondes (ASI 120MC-S bei F=2.000mm f/10), die deutlich den Terminator am Südrand des Mondes zeigt. (Mit Mausklick vergrößern)


Wolken beginnen, den Mond zu verdecken. (Mit Mausklick vergrößern)


Das helle Mondlicht erzeugt in den Wolken wunderbare Farben (irisierende Wolken). (Mit Mausklick vergrößern)


Ein Blick zum Mars bei grottenschlechtem Seeing. ASI 120MC-S, F=2.000mm f/10, 10.000 Frames, davon 2.500 gestackt. FireCapture - PIPP - AutoStakkert! - Registax - ACDSee.


Das gleiche Bild mit 3x Drizzling gestackt.



Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie.
www.waa.at