Die Saison der nachtleuchtenden WolkenAlexander Pikhard |
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Etwa einen Monat vor bis einen Monat nach der Sommersonnenwende können auch in unseren Breiten nachtleuchtende Wolken beobachtet werden. Sie werden auch als NLCs bezeichnet, von engl. noctilucent clouds. Es handelt sich bei ihnen um Erscheinungen der oberen Erdatmosphäre, die nur aufgrund der besonderen Beleuchtungssituation um diese Jahreszeit zu sehen sind. Was sind NLCs?Nachtleuchtende Wolken sind Erscheinungen der Mesopause, also der Grenzschicht zwischen der Mesosphäre und der Thermosphäre. Sie entstehen typischerweise in einer Höhe von 80 bis 85 Kilometern, liegen also wesentlich höher als die "üblichen" Wolken der Troposphäre, die unser Wettergeschehen prägen.
Nachtleuchtende Wolken sind Ansammlungen von Eiskristallen oberhalb der Mesopause in einer Höhe von 80 bis 85 Kilometer. Damit sich dort Eiskristalle bilden können, braucht es Wasser und Kristallisationskerne. Wasser ist an der Mesopause sehr untypisch. Die Kristallisationskerne können von Mikrometeoriten stammen (Meteore treten in der gleichen Höhe auf) oder auch Staubpartikel von Vulkanausbrüchen, Raketenstarts oder anderen Quellen atmosphärischer Verschmutzung. Warum sehen wir NLCs?Wir sehen diese hoch liegenden Wolken, weil die Mesopause noch im Sonnenlicht liegt, während auf unserem Beobachtungsplatz bereits fortgeschrittene (nautische) Dämmerung herrscht.
Speziell um die Sommersonnenwende zieht die Sonne so flach unter dem nördlichen Horizont, dass sie höhere Atmosphärenschichten (und übrigens auch Erdsatelliten) lange beleuchten kann. Auf der geografischen Breite von Wien (48° Nord) liegt das Beobachtungsfenster für NLCs am Rand der nautischen Dämmerung.
Die Erscheinung von NLCsNLCs sind in der Abenddämmerung im Nordwesten und in der Morgendämmerung im Nordosten zu sehen. In der hellen Dämmerung sind sie selten, typischerweise treten sie in der nautischen Dämmerung auf. Sie unterscheiden sich von Cirruswolken in der Troposphäre durch eine auffällige hellblaue Färbung und eine wellenartige Struktur.
In der nautischen Dämmerung sind NLCs am auffälligsten. Cirren der Troposphäre sind dann von der Sonne nicht mehr beleuchtet (Achtung bei künstlichem Licht, das tief liegende Wolken beleuchtet).
Mit fortschreitender Abenddämmerung erscheinen NLCs immer tiefer am nordwestlichen Horizont, wo sie schließlich verblassen. Mit fortschreitender Morgendämmerung erscheinen sie immer höher am nordöstlichen Horizont, ehe sie in der heller werdenden Dämmerung verblassen.
Am besten sind die nachtleuchtenden Wolken übrigens zwischen 50° und 65° nördlicher Breite zu beobachten, wo um die Sommersonnenwende die Dämmerung ohne Unterbrechung von der Abend- in die Morgendämmerung übergeht. In unseren Breiten sind NLC-Sichtungen selten und erfordern einen flachen Nordwest- bzw. Nordosthorizont. |
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Ein Beobachtungstipp der WAA Wir möchten Sie ermuntern, dieses Himmelsereignis zu beobachten. Wenn Sie Anleitungen oder Hilfestellungen dazu benötigen, dann sind Sie bei unseren gemeinsamen Beobachtungen herzlich willkommen. Informationen (Ort, Termin, Treffpunkt und mehr) dazu finden Sie auf unserer Webseite und auf Facebook. |
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