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Star Party Guide
Die offizielle Anleitung zum erfolgreichen WAA-Teleskoptreffen
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Star Parties finden auf der ganzen Erde statt; im deutschsprachigen Raum hat sich der etwas zu nüchterne Begriff Teleskoptreffen eingebürgert; ein seltsames Wort, denn Teleskope treffen einander üblicher Weise nicht alleine. Star Party hingegen drückt besser aus, was es sein soll: Das gemeinsame Erleben des Sternenhimmels in besonders geselliger Atmosphäre.
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Inhalt
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Miteinander den Himmel erleben
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Das gemeinsame Erleben des Sternenhimmels steht bei einer Star Party an allererster Stelle;
dicht gefolgt vom Erfahrungsaustausch und der Möglichkeit, Geräte oder Zubehör
auszuprobieren. Niemand wird erwarten, im Rahmen einer Star Party genaue wissenschaftliche
Beobachtungen oder präzise fotografische Aufnahmen durchführen zu können,
obwohl wir das auch nicht ausschliessen möchten.
Damit das Miteinander wirklich funktioniert, möchten wir hier ein paar Regeln
präsentieren, deren Einhaltung eine gute Basis für eine erfolgreiche
Star Party bilden. Dann braucht nur mehr das Wetter zu passen.
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Was wir mögen
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Mitmachen
Unsere Gemeinschaft lebt vom Mitmachen. Das ist speziell bei Star Partys wichtig.
Nein, hier geht es nicht darum, jedes Jahr die gleichen paar Objekte im Fernrohr
anzusehen. Es geht vor allem darum, die eigenen Erfahrungen der letzten Monate
auszutauschen, und das in einer geselligen, stressfreien Atmosphäre.
 Bei einer Star Party gibt es Instrumente zu sehen, die man sonst nur selten sieht
Es ist nicht jedes Jahr das Gleiche. Es gibt immer wieder neue Instrumente oder
neues Zubehör, und dank unserer Partner kann es auch ausprobiert werden.
So ist der Besuch einer Star Party besser als das Studium einschlägiger Seiten im
Internet oder gar von Herstellerprospekten. Denn: Hier gibt es nicht nur die entsprechenden
Teile live zu sehen, es gibt auch die Leute, die tatsächlich damit arbeiten - und die
ganz ehrlich sagen, was sie darüber denken.
Toleranz
Wie jede Gesellschaft lebt auch eine astronomische Gemeinschaft von einer bunten
Vielfalt. Bei unseren Star Partys kann daher jeder mitmachen, ob mit oder ohne eigener
Ausrüstung (für die, die ohne Ausrüstung kommen, gibt es weiter unten ein
paar spezielle Tipps).
 Klein, groß, einfach, kompliziert: Alles ist bei einer Star Party willkommen
Natürlich ist auch jedes Instrument willkommen, und sei es noch so klein oder noch so exotisch. Gerade die Vielfalt von Instrumenten, von ganz klein bis ganz groß, von möglichst vielen Bauarten, macht den Reiz einer Star Party aus.
Abstand halten
Beobachten braucht Platz; vor allem im Dunkeln ist es wichtig, sich nicht durch einen
Wald von Stativbeinen, Koffern, Hockern, Tischen und anderen Dingen durchkämpfen
zu müssen. Die Plätze, an denen wir Star Partys veranstalten, sind im Regelfall
so groß gewählt, dass auch bei 30 Teleskopen oder mehr ein Abstand von 3 bis
5 Metern von Teleskop zu Teleskop eingehalten werden kann. Bei der Wahl eines geeigneten
Stellplatzes immer den Schwenkbereich des eigenen Teleskops und jenen der benachbarten
Instrumente berücksichtigen.
 Das ist eigentlich zu eng (war allerdings eine sturmbedingte Ausnahme)
Achtung! Wenn tief stehende Objekte beobachtet werden sollen (Merkur, Venus oder ein Komet in der Dämmerung, Sommermilchstraße, etc.), dann bitte darauf achten, dass nicht den Nachbarn die Sicht verstellt wird. Im Zweifelsfall hilft wie immer ein gutes Wort: "Stört es Dich/Sie, wenn ich mich hierher stelle?".
Speis und Trank
In "Star Party" kommt das Wort Party vor, und ja, wir freuen uns,
wenn Kaffee, Tee, Kuchen oder Kekse mitgebracht werden. Auch beim Beobachten sind
Pausen wichtig, und derartige Mitbringsel fördern die Gemeinschaft.
Aber Achtung beim Alkohol! Er mindert nicht nur das astronomische Sehvermögen
und erhöht das Risiko von Beschädigungen am eigenen oder fremden Instrumenten,
er kann auch den Führerschein kosten, wenn man dann noch die Heimfahrt antritt.
Und zwischen Mitternacht und der Morgendämmerung sind die Polizeikontrollen auf
Landstraßen besonders streng. Aber auch hier gilt: Einfach nicht übertreiben!
Freunde mitbringen
Wann und wo, wenn nicht bei einer Star Party, kann man Freunden, Bekannten und
Verwandten zeigen, wie toll Astronomie ist (vorausgesetzt, das Wetter spielt mit).
Ein schöner Himmel verbunden mit einer Gruppe von Menschen, die sichtlich Freude
daran haben, das ist die beste Werbung für Astronomie.
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Was wir nicht mögen
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Zuviel Licht
Lichtverschmutzung ist in aller Munde und leider ein Thema, das uns alle betrifft.
Lichtverschmutzung beginnt aber schon in dem kleinen Bereich rund ums Fernrohr.
Daher ist eine Grundregel: Unnötiges Licht vermeiden. Aber wie?
Es beginnt beim Auto. Zufahren und Wegfahren vom Beobachtungsplatz bitte
nur mit Standlicht und daher aus Sicherheitsgründen mit Schritttempo.
Im Zweifelsfall sollte jemand vorgehen. Und wenn sich das Abblendlicht nicht
ausschalten lässt? Dann bitte mit diesem Fahrzeug nicht zufahren!
Gänzlich ohne Licht fahren ist auch nicht gut. Allzu leicht kann
es zu kleineren oder größeren Unfällen kommen.
Abgesehen vom Ärger, wie erklärt man das der Versicherung?
Die zahlt in diesem Fall nämlich nicht.
 So bitte nicht am Beobachtungsplatz!
Bleiben wir beim Auto. Die Innenbeleuchtung bitte abschalten,
damit nicht jedesmal, wenn eine Tür geöffnet wird, die
Festbeleuchtung von neuem erstrahlt. Kleine L¨mpchen am Armaturenbrett stören
meist nicht.
Beim Hantieren am Fernrohr bitte nur mit Rotlicht arbeiten -
aber das machen wir ja schon aus eigenem Interesse. Wenn einmal etwas herunter
fällt, etwa in die Wiese, und eine Suche mit Weißlicht ist dringend
nötig, dann bitte vorher alle warnen ("Achtung, Weißlicht!").
Auch Laptops machen viel Licht. Hier gibt es ein paar Tipps. Erstens einmal:
Laptop immer so aufstellen, dass der Bildschirm von allen Beobachtern wegweist.
Wer mit Laptop arbeitet, wählt einen Stellplatz am Rand des Teleskoptreffens.
Die Helligkeit so weit hinunter regeln, wie es geht, und wenn das immer noch nicht
ausreicht, dann eine dunkle Folie vor dem Bildschirm anbringen.
Nicht mit Blitzlicht fotografieren! Im Ernst, das kommt auch bei dem Versuch,
ein Astrofoto anzufertigen, immer wieder vor, vor allem bei kompakten Kameras,
deren Bedienung noch nicht gut beherrscht wird. Wer ein Stimmungsfoto machen will
(ehrlicher Tipp: Mit Blitz wird das nichts, da sieht man nur den unmittelbaren Vorderund
in absoluter Dunkelheit), der möge bitte alle anderen Beobachter warnen ("Achtung,
Blitz, bitte Augen zu!") und wenn nur einer ruft: "Jetzt bitte nicht!",
zum Beispiel, weil eine Aufnahme läuft, dann bitte warten.
Grüne Laser
So praktisch die grünen Laserpointer bei öffentlichen Sternabenden sind, um
Besucherinnen und Besuchern die Sternbilder zu erklären, so wenig gehören sie
zu einem Teleskoptreffen. Es geht rasch der schöne Eindruck des Sternenhimmels
verloren, wenn der Himmel von lauter grünen Linien überzogen ist.
 Bei der Starparty bitte keine grünen Laser!
Und vor allem:
Diese Laser sind enorm gefährlich (Laserklasse 3)! Blickt jemand direkt in den Strahl eines solchen Lasers, gibt das unbedingt einen Augenschaden. In einer großen Gruppe von Personen ist die Gefahr, jemanden zu treffen (auch durch einen unerwarteten Reflex), viel zu groß. Also: Die grünen Laser bleiben bei der Star Party bitte zu Hause.
Rauchen
Bei einer Star Party wollen wir nicht nur den Sternenhimmel, sondern die ganze Natur möglichst
ungestört und mit allen Sinnen genießen. Der Qualm einer einzigen Zigarette kann das zunichte
machen. Es ist aber nicht nur extrem unhöflich, ungefragt in Gegenwart von Nichtrauchern zu rauchen,
der von Zigaretten oder gar Zigarren emittierte Feinstaub ist extrem gesundheitsschädlich und
schlägt sich darüber hinaus auch noch auf den Optiken nieder. Fazit:
Bei Star Partys gilt auch im Freien absolutes Rauchverbot!
Vierbeinige Beobachter
Ein Stativ ist kein Baum! Doch das ist nur einer der Gründe, warum wir bitten, Ihren vierbeinigen
Liebling an die Leine zu nehmen. Es ist bei einer Star Party dunkel und es kann einfach viel zu viel
passieren, vom "Häufchen" an unerwarteter Stelle bis zum umgeworfenen Teleskop oder gar
verletztem Zwei- oder Vierbeiner. Also bitte:
Hunde an die Leine!
Grantig sein
Wie gesagt, niemand darf erwarten, im Rahmen einer Star Party große beobachtungstechnische
oder fotografische Leistungen zu erbringen, die höchste Konzentration und völlige Ruhe
erfordern. Dazu ist ein derartiges Treffen nicht gedacht, sondern zum Erfahrungsaustausch. Seien
Sie daher nicht ungehalten, wenn Leute durch Ihr Teleskop oder Ihnen über die Schulter schauen
wollen. Und wenn wirklich einmal Konzentration gefragt ist, dann genügt ein
höfliches "Verzeihung, ich muss mich jetzt konzentrieren". Und das führt zum letzten Punkt,
Zu aufdringlich sein
Gehen wir einmal davon aus, dass alle unsere Beobachterinnen und Beobachter
mit ihren Instrumenten umgehen können. Gehen wir weiters davon aus, dass es
sich bei diesen Instrumenten um Privateigentum handelt. Hilfestellung geben wir beim
Auf- und Abbau daher nur dann, wenn wir darum gebeten werden. Im Dunkeln sind alle
Handgriffe genau einstudiert. Eine Hand mehr kann wirklich zu viel sein! Und wer durch
ein fremdes Fernrohr durchschauen möchte - und nicht dazu eingeladen wird -
fragt natürlich vorher höflich. Auf keinen Fall darf das Instrument einer
fremden Person dauerhaft belegt werden, ohne dass dies vorher vereinbart wurde!
Stehlen
Es ist zum Glück bei WAA Star Partys noch nie vorgekommen,
auf größeren Teleskoptreffen aber leider an der Tagesordnung:
Diebstahl. Es gibt hier nur die folgenden Tipps:
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Lassen Sie Ihre Ausrüstung nicht unbeaufsichtigt und sperren Sie alles, was Sie nicht unmittelbar brauchen, ins Auto (und selbiges zu).
- Bitten Sie Beobachterinnen und Beobachter in Ihrer Nähe, Ihre Ausrüstung
zu beaufsichtigen, wenn Sie einmal doch kurz den Beobachtungsplatz verlassen müssen.
- Halten Sie Augen und Ohren offen und fragen Sie Personen, die Sie nicht kennen, ganz einfach nach deren Namen. Man ist ja schließlich hier, um sich gegenseitig kennen zu lernen.
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Kreativität ist gefragt!
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Das Programm machen wir alle
Eine Star Party hat kein Programm, abgesehen vielleicht von dem einen oder anderen
Workshop untertags. Das klingt vielleicht unorganisiert, ist es aber nicht; es soll
vielmehr Freiraum lassen für spontane Ideen, die jede und jeder einbringen kann!
Gemeinsam gestalten wir das Programm unserer Star Party.
Exoten vor!
Es muss nicht immer der Ringnebel oder M13 sein, auch wenn zumindest ein Blick
zu diesen Objekten (im Sommer) nicht fehlen soll. Der Himmel ist voll mit verborgenen
Schönheiten oder zumindest unbekannten Objekten, die je nach Fernrohr eine mehr
oder weniger große Herausforderung darstellen. Nützen wir die Gelegenheit
einer Star Party, um die weniger bekannten Regionen des Himmels zu durchmustern.
Denkanstoss gefällig? Im Großen Bären gibt es einen Kugelsternhaufen!
Und danach ...
Dann war es hoffentlich eine gelungene Star Party. Doch mit der Zeit verblasst der
Erinnerung. Das muss aber nicht sein! Unsere Homepage dient unter anderem dazu, unsere
Erinnerungen festzuhalten, auch im Sinne eines Erfahrungsaustausches. Es sollen aber nicht
immer nur die gleichen Personen berichten - wir laden alle, die an einer Star Party teilgenommen
haben, herzlich ein, ihre persönlichen Erinnerungen auf unserer Homepage zu vereweigen.
Das ist ganz einfach, und keine Angst, jeder Text ist willkommen (und die Rechtschreibfehler
bessern wir heimlich aus).
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Astropraxis online ist ein Onlinemagazin als Unterlage und Nachlese zur Astropraxis der
Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie. Alle Inhalte, insbesondere auch Grafiken,
sind geistiges Eigentum der WAA. Jede Art der Verwendung, die über private Zwecke
hinausgeht, bedarf des ausdrücklichen und schriftlichen Einverständnisses der
Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie. Dieser Artikel ist eine Kurzfassung des WAA-Seminars "Besser beobachten: Der Mars".
Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie, Fraungrubergasse 3/1/7, A-1120 Wien.
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