Bedeckung von Gamma Vir durch den Mond, Mare Orientale, Zwergnova U Gem

Wien 21/Stammersdorf, 14. 01. 2004

20040114wvo03.html

Beobachter:Wolfgang Vollmann
Datum:14. 01. 2004
Zeit:03.00 bis 05.00 MEZ
Ort:Wien 21/Stammersdorf
Geogr. Länge:16°25'18,7" Ost
Geogr. Breite:48°18'09,6" Nord
Seehöhe:173
System:GPS ÖK 50
Instrument:Refraktor 130/1040mm
Bedingungen:

Durchsicht:gut (2)
Temperatur:+6 °C
Wind:sehr stark
Bemerkungen:Starke Windböen

Bericht:

Heute stand wieder eine Bedeckung von Gamma Virginis durch den Mond auf dem "Fahrplan" im Himmelskalender. Diese Sternbedeckung ist besonders interessant, da der Stern erstens hell ist und ausserdem ein enger Doppelstern: derzeit haben die beiden Sterne nur mehr 0,63 Bogensekunden Abstand im Positionswinkel 216 Grad (siehe Ephemeride des "Washington Double Star Catalog": http://ad.usno.navy.mil/proj/WDS/). Die für Österreich bisher letzte Bedeckung von γ Vir war am 6.Juli 2003 (siehe Bericht von Thomas Weiland und meinen Beobachtungsbericht).

Beobachtung des Eintritts: Um 3 Uhr morgens war es überraschend klar! Ich baute schnell das Fernrohr auf und hoffte dass es den Sturmböen standhalten würde die auch auf meiner ziemlich windgeschützten Terrasse sehr spürbar waren: bei jedem Windstoß lenkte das Fernrohr um einige Bogenminuten aus und brauchte einige Sekunden um wieder zur Ruhe zu kommen. Ab 3h20m MEZ verfolgte ich die Annäherung des Mondes an γ Vir bei 130-facher Vergrößerung. Kurz vor der Bedeckung am hellen Mondrand erschien der Stern sehr weiß im Farbkontrast zum eher gelblichen Mond. Der Stern "klebt" schon am Rand, ich lauere mit dem Finger auf der Stoppuhr, der Wind heult, eine Bö verwackelt das Fernrohr und als sich alles wieder beruhigt, ist der Stern weg und ich hab die Bedeckung nicht gesehen. Sie wäre durch die grosse Sternhelligkeit vermutlich zu stoppen gewesen. Na gut, dann also der Austritt!

Die Wartezeit auf den Austritt vertrieb ich mir damit den Mond anzuschauen. Der Mond kippte uns schon weniger seinen (astronautisch) Westrand zu als noch vor drei Tagen. Daher konnte ich das Mare Orientale heute nur mehr undeutlich als dunkle Stelle am äußersten Mondrand sehen. Die Randgebirge waren wieder im Relief deutlich, wie schon bei der Beobachtung am 11.Jan.2004. Der Unterschied in der Libration ist offenbar gross genug, um das Mare Orientale ganz an den Rand zu rücken:
DatumUhrzeit MEZLibration in LängeLibration in Breite
2004 Jan.115h30m-5,6°-6,4°
2004 Jan.143h45m-5,6°-4,1°

Dann schaute ich schnell noch auf die Zwergnova U Geminorum. Zu ihrer Beobachtung hat die AAVSO aufgerufen: http://www.aavso.org/publications/newsflash/sp11.shtml. Der Ausbruch ist nun schon einige Wochen überfällig. Auch heute konnte ich den Stern noch nicht sehen. Der schwächste sichtbare Stern im Gesichtsfeld bei 130x war 13,3mag hell, also meine Schätzung von 3h50m MEZ: schwächer als 13,3mag.

Austritt von γ Vir: Den Austritt beobachte ich bei 115x und fixiere den dunklen Mondrand in der Nähe der nördlichen Spitze des beleuchteten Mondteils. Auf einmal bemerke ich aus dem Augenwinkel - der Stern ist da! - ganz knapp neben der beleuchteten Hörnerspitze erscheint er, und wenige Augenblicke danach wird er sogar heller, vielleicht 0,3 Sekunden später erscheint der zweite Stern. Ich kann sie nicht trennen aber das deutliche stufenförmige Wiedererscheinen zeigt die Doppelsternnatur an. Eine halbe Ewigkeit braucht der "Befehl" "drück auf die Stoppuhr": ich hab wahrscheinlich um 0,5 bis 1,0 Sekunden zu spät gedrückt, der Austritt überraschte mich und ich schaute auch nicht genau auf den richtigen Ort (das muss ich nächstes Mal besser machen!). Hier also die gemessene Austrittszeit: 4h08m12,2s MEZ (Tel.1505). Sie bezieht sich auf die 2.Komponente des Doppelsterns und dürfte wie gesagt etwas zu spät sein.

Vielen herzlichen Dank an Alois Doblinger (http://www.ag-doblinger.at/), Thomas Steiger (http://www.astrofoto.at/), Arthur Heinz (http://members.chello.at/arthur.heinz/) und Prof. Hermann Mucke (http://members.eunet.at/astbuero), die mir nach meinem "Hilferuf" um genaue Koordinaten meines Beobachtungsorts (siehe Beobachtungsbericht vom 30.Nov.2003) mit Karten geholfen haben. Arthur war sogar bei mir auf Besuch und hat mit einem GPS-Empfänger den Ort genau vermessen: Breite 48°18'09,6" Nord, Länge 16°25'18,7" Ost, Seehöhe 173m (GPS ÖK50).