| Bericht: |
Die Luft war zwar ziemlich unruhig und erlaubte keine höheren Vergrösserungen. Trotzdem war es sehr schön auf dem Mond "spazierzusehen". Ich experimentierte mit der Webcam und machte einige Bilder im Primärfokus (1040mm Brennweite) -- mehr hatte bei der doch recht "wackligen" Luft keinen Sinn. Alle Bilder sind aus kurzen AVI-Filmen mit der ToUcam Pro II, gestackt mit Registax und etwas geschärft mit Gimp. Bei der Mondfotografie gibts jedenfalls noch viel für mich zu lernen -- wie geht "digitales Abwedeln" (für alle die das noch in der Dunkelkammer mit Film selber probiert haben)? Die Bilder haben Norden oben, der Anblick ist wie am Himmel mit freiem Auge oder Fernglas. | Mond-Süden und Südpol Diese sehr verkraterte Gegend sieht im Fernrohr immer recht "wild" aus. Rechts der Bildmitte ist die sechseckige Form des Kraters Janssen (siehe Beobachtungsbericht). Links der Mitte ziemlich an der Licht/Schattengrenze ist der mehrfach überlagerte Ring des Kraters Maurolycus. Sein Zentralberg guckt aus dem schattengefüllten Inneren und der Westwall leuchtet in der aufgehenden Sonne. Richtung Südpol ist auf meiner Aufnahme bei kleiner Brennweite nur ein unübersichtliches Durcheinander von Kraterwällen zu sehen -- ich finde es immer recht schwierig mit der Mondkarte die einzelnen Krater zu identifizieren. Bei gutem Seeing und hoher Vergrösserung erlaubt der Mondsüdpol atemberaubende Anblicke: mir kommt es immer vor wie wenn ich im Raumschiff darüberfliege und nach vorne schaue. Einen ähnlichen Eindruck macht das wunderbare Bild von Martin Fiedler und Thomas Böhme vom Astroclub Radebeul: http://www.astroclub-radebeul.de/digitales/Mond/2004/moretus.html. | | Westufer des Meers der Ruhe Dieses Bild ist eine Ausschnittsvergrösserung (alle anderen sind in voller Grösse). Am südlichen Rand des Mare Tranquillitatis landete 1969 Apollo 11: die beiden Krater Ritter und Sabine sind auf meiner Aufnahme gut sichtbar, die zwischen 4,6 und 2,3 Kilometer messenden Krater Armstrong, Aldrin und Collins nicht mehr. Im westlichen (linken) Teil des Meers der Ruhe ist der Krater Arago auffallend. Südöstlich davon (rechts unterhalb) sind die Ruinen des "Geisterkraters" Lamont angedeutet: dieser Krater wurde bei der Überflutung des Einschlagsbeckens des Mare Tranquillitatis mit Lava fast vollkommen zugedeckt. Westlich (links) des Meers der Ruhe ist auch die schattengefüllte Ariadaeus-Rille zu sehen: ein etwa 4-5 Kilometer breiter und 800 Meter tiefer Graben. | | Das Einschlagbecken des Mare Nectaris Der Mond ist von riesigen Einschlagbecken geprägt: das Nektarmeer ist eines davon. Diese Einschlagsbecken haben eine Struktur aus mehreren grossen Ringen und sind im Inneren oft von Marelava überflutet. Diese Ringe sind natürlich von vielen später entstandenen Kratern ziemlich verdeckt. Am ausgeprägtesten ist der vierte Ring (Wood, Seite 112): er wird durch Rupes Altai (Altai-Furche, links unten vom Mare Nectaris) gebildet. Auf der Mondkarte von Rükl und mit dem Buch von Wood lassen sich die Spuren weiterer dreier innen liegender Ringe finden: 1 -- Meeresrücken im Mare Nectaris; 2 -- Montes Pyrenaeus; 3 -- Santbech-Cyrillus. | | Östlicher Mondrand -- Mare Crisium Besonders hübsch finde ich es im Fernrohr, am Mondrand entlangzuschauen und einige der Berggipfel zu bewundern die je nach Libration ein wenig im Relief herausschauen. Neben dem berühmten Mare Crisium (grosse Ellipse oben Mitte) sind einige weitere Randmeere zu sehen: rechts des Mare Crisium ganz am Mondrand das Mare Marginis (Randmeer), rechts unten die Mareflecken von Mare Undarum (Wogenmeer) und Spumans (Schaummeer). Ganz am Mondrand rechts unten ist das Mare Smythii zu sehen: eines der beiden Mondmeere die nach Personen benannt sind. Namensgeber war Admiral William H. Smyth, ein amerikanischer Amateurastronom, der 1844 den ersten "Himmelsreiseführer" geschrieben hat. Sein Buch "The Bedford Catalogue -- A Cycle Of Celestial Objects" ist als Nachdruck bei Willmann-Bell erschienen und für Sterngucker mit Gewinn zu lesen! | | Meer des Südens Das Mare Australe ist am südöstlichen Mondrand in Form von vielen Mareflecken auf diesem Bild zu sehen. Vergleichen Sie das Bild mit dem vom Vortag! |
Literaturhinweise: für Mondbeobachter unerlässlich ist der "Mondatlas" von Antonin Rükl. Sehr gut gemacht und hochinteressant finde ich das neue Buch "The Modern Moon - A Personal View" von Charles A. Wood und seine Webseite: http://www.lpod.org (Lunar Photo of the Day).
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