Komet 9P/Tempel 1

Wien 21, 06. 07. 2005

20050706wvo22.html

Beobachter:Wolfgang Vollmann
Datum:06. 07. 2005
Zeit:22.15 bis 23.00 MESZ
Ort:Wien 21
Instrument:Fernglas 16x70 auf Stativ; Refraktor 130/1040mm
Bedingungen:
Durchsicht:sehr gut (1)
Aufhellung:ausreichend (3)
Bericht:

Nach unserer Beobachtung am 4.Juli (und meiner missglückten Helligkeitsschätzung) hatte ich am Abend des 6.Juli die nächste Gelegenheit zur Beobachtung des Kometen 9P/Tempel 1.

22h20 MESZ: zuerst versuchte ich mit meinem Fernglas 16x70 meine Beobachtung vom 4. nachzuprüfen: am damaligen Ort des Kometen war nichts Nebeliges zu sehen. Nur die vier Sterne 8.Grösse waren erkennbar: das kleine Sterndreieck am Ort 13h39,6m -10°07' (2000.0) und südlich davon sowie der Stern am Ort 13h38,7m -9°53'. Heute war es klarer als am 4. und die Sterne auch besser sichtbar. Danach schwenkte ich ein Grad nach Südosten zum heutigen Ort des Kometen: er war im Fernglas definitiv unsichtbar. Was habe ich am 4. im Fernglas geschätzt? Ich bin ziemlich sicher dass es nicht der Komet war, wie mehrere visuelle Beobachter zur selben Zeit zeigen, die den Kometen alle um die 10mag hell sahen: siehe z.B. http://groups.yahoo.com/group/comets-ml/message/8462, http://groups.yahoo.com/group/comets-ml/message/8466, http://groups.yahoo.com/group/comets-ml/message/8467 und http://groups.yahoo.com/group/comets-ml/message/8471. Auch unsere Beobachtung im 18 Zoll Dobson zeigte den Kometen ziemlich schwach: das passt besser zu einem Kometen 10.Grösse als zu einem helleren Objekt.

Danach versuchte ich es mit dem Refraktor 130/1040mm. Die beste Beobachtungszeit war um 22h45 MESZ, da war die Dämmerung weit genug fortgeschritten und der Komet noch nicht so tief. Die durchgezogene Kaltfront hatte den Himmel "saubergewaschen" und die freisichtige Grenzgrösse betrug 5,2mag. Bei 55-facher Vergrösserung sah ich den Kometen bei indirektem Sehen immer wieder am richtigen Ort aufblinken -- er ist ziemlich schwach aber zu erkennen! Die Koma erscheint deutlich zentral verdichtet, aber einen sternartigen Kern kann ich heute auch nicht sehen. Der Komadurchmesser ist etwa 2 bis 3 Bogenminuten gross. Ich versuche eine neuerliche Helligkeitsschätzung: der Komet ist sicher heller als der Stern am Ort 13h43,2m -10°19' (2000.0), der eine V-Helligkeit von 10,74mag hat (Tycho2). Er ist etwa so hell wie der Stern am Ort 13h42,6m -10°25', der mit V=9,79mag im Katalog steht (Stern etwa auf Kometendurchmesser unscharf gestellt). Also ergibt das eine geschätzte Gesamthelligkeit m1=9,8mag. Die Schätzung ist um einige Zehntel Grössenklassen unsicher, da der Komet im Fernrohr so schwach erscheint, passt aber gut zu den Schätzungen anderer visueller Beobachter. Ergebnis: zumindest heute ist keine Auswirkung des "Deep Impact" (mehr) zu erkennen.