| Beobachter: | Wolfgang Vollmann | ||||
| Datum: | 01. 06. 2006 | ||||
| Zeit: | 23.00 MESZ | ||||
| Ort: | Wien 21 | ||||
| Instrument: | Refraktor 130/1040mm, CCD-Kamera SBIG ST-237A | ||||
| Bedingungen: |
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| Bericht: |
Einige Versuche mit der Astrometrie mit CCD-Kamera habe ich schon beim Kometen 73P/Schwassmann-Wachmann 3 gemacht (siehe Apr.18 und Mai 14). Jetzt wollte ich die erreichbare Messgenauigkeit ausprobieren. Das Minor Planet Center (MPC) schlägt dazu einen Kleinplaneten mit gut bekannter Bahn vor (siehe Guide to Minor Body Astrometry). Ich suchte mir also einen Kleinplaneten heraus, der derzeit weit nördlich der Ekliptik steht und am Abend gut beobachtbar ist: (434) Hungaria erfüllte meine Anforderungen. Das Ephemeridenservice des MPC weist auch darauf hin dass der Kleinplanet derzeit keine Beobachtungen benötigt um die Bahn zu verbessern. Daher suchte ich den Kleinplaneten auf -- er steht derzeit mit 13,6mag im Sternbild Herkules. Zwischen 23h26 und 23h56 machte ich 25 Aufnahmen im Fokus meines Refraktors 130/1040mm mit meiner kleinen Kamera SBIG ST237A. Die Belichtungszeit von 10 Sekunden reicht vollkommen aus, um Sterne und sternartige Objekte bis ca.14,5mag mit einem guten Signal/Rauschverhältnis astrometrisch zu vermessen.
Der Kleinplanet war hell genug abgebildet und gut zu vermessen: hier einige Ergebnisse: Datum UT Rekt (2000.0) Dekl Schon in der kurzen Zwischenzeit von etwa 1/2 Stunde ist die Bewegung des Kleinplaneten (sinkende Rektaszension, steigende Deklination) eindeutig erkennbar! Die astrometrischen Residuen in den Vergleichssternörtern betragen nur um die 0,25 Bogensekunden. Da war es natürlich interessant für mich meine Messungen mit der Berechnung des hochgenauen Ephemeridensystems Horizons des JPL zu vergleichen. Es muss unbedingt der Beobachtungsort Wien gewählt werden -- schliesslich beträgt die Parallaxe des zur Beobachtungszeit fast genau eine Astronomischen Einheit (1 AE) entfernten Kleinplaneten ja bis zu 8 Bogensekunden! Ergebnis des Vergleichs: die mittlere Differenz Beobachtung minus Rechnung beträgt in Rektaszension nur 0,05 Sekunden, in Deklination nur 0,1 Bogensekunden mit einer Standardabweichung von nur 0,25 Bogensekunden. Die Bahn des Kleinplaneten scheint also wirklich sehr genau bekannt zu sein. Und ich freue mich dass meine Messungen offenbar wirklich recht genau sind -- besser geht es mit einem Meter Brennweite wohl nicht -- ein Pixel der Kamera entspricht dann 1,47 Bogensekunden. Die Messgenauigkeit ist also etwa 1/6 Pixel. |