Easter Star Party 2010

Hohe Wand, beim Gasthof Postl

Die heurige Easter Star Party war besonders spannend. Wie würde das Wetter nach einer total verregneten Woche sein? Doch zum Glück bestand fundierter Grund zur Hoffnung ...

Stimmungsbericht, Beobachtungsnacht 16./17. April

Der Erfolg eines Teleskoptreffens, und ein solches ist unsere Easter Star Party, hängt eigentlich immer primär vom Wetter ab. Nur ganz Unentwegte kommen auch bei Schlechtwetter nur wegen des Erfahrungsaustausches und der geselligen Runde Gleichgesinnter. Die Easter Star Party liegt hier als erstes unserer derartigen Treffen im Jahr immer in einem Grenzbereich zwischen Winter und Frühling und, da Ostern meist in den April und die Star Party wegen des Mondes daher immer zwei Wochen nach Ostern fällt, in einer wettermäßig instabilen Zeit im Jahr.

Das Vorfeld der heurigen Easter Star Party war schier zum Verzweifeln. Ein Höhentief (Kaltlufttropfen) sorgte für eine Woche Regenwetter und die Schneefallgrenze sank auf 800 Meter, auch auf der Hohen Wand fiel zeitweise Schnee. Doch "unser" Meteorologe Andreas Pfoser machte uns schon mittelfristig mit einem guten Wettermodell für das Wochenende der Easter Star Party Mut. Es würde eine haarscharfe Sache werden: Freitag bis in den Nachmittag hinein sogar noch Schauer! Dann eine brauchbare Nacht, gefolgt von einem Tag mit Kaiserwetter und einer erstklassigen Nacht, ehe das Wetter am Sonntag wieder labiler werden würde. Uff, das nennt man Timing. Und bald würde sich zeigen, ob diese Prognosen auch zutreffen würden.

Am späten Nachmittag des Freitag, auf dem Weg zur Hohen Wand, sehen wir erstmals seit langem wieder blauen Himmel.


Erstmals seit einer Woche blauer Himmel

Die Hoffnung, bisher gestützt einzig und allein auf die Wetterprognosen, wird durch die Realität genährt. Die heurige Easter Star Party ist auch besonders wichtig; sie ist eine unserer Veranstaltungen im Rahmen des Global Astronomy Month (GAM) 2010, einer weltweiten Aktion, die Astronomie als völkerverbindendes Werkzeug einsetzt. In der heutigen Zeit der Engstirnigkeit ein unglaublich wichtiges Zeichen, dass es auch anders geht.

Angekommen an unserem Beobachtungsplatz empängt uns tatsächlich durchaus freundliches Wetter.


Blauer Himmel über dem Gasthof Postl

Doch da ist noch etwas dieses Wochenende: Eyjafjallajökull. Eine Wolke aus Asche, ausgestoßen von diesem Vulkan im fernen Island, treibt "dank" passender Windrichtung auf Mitteleuropa zu. Nach und nach stellt ein Flughafen nach dem anderen den Betrieb ein, denn ein Durchfliegen dieser Wolke aus feinen Eis- und Staubpartikeln kann ein Flugzeug erheblich beschädigen und sogar zum Absturz bringen. Obwohl die Wolke unsichtbar sein sollte, dürfte sie dennoch die Durchsicht beeinflussen. Aber wieviel? Der Sonnenuntergang am Beobachtungsplatz wird jedenfalls interessant.


Ein spannendes Farbenspiel zu Sonnenuntergang. Die Wolke ist aber eine normale Wasserwolke.

Eine kurze Exkursion zum Westhorizont des Waldeggerhauses zeigt uns dann auch einen spektakulären Sonnenuntergang. Die "echten" Wolken verziehen sich bald ...


Schon die erste Nacht wird klappen, die Teleskope werden aufgebaut

... und machen einem malerisch schönen Sternenhimmel Platz.


Malerischer Dämmerungshimmel mit zunehmendem Mond und Venus

Unter diesem Sternenhimmel findet sich ein gutes Dutzend Beobachterinnen und Beobachter mit insgesamt 7 Teleskopen ein; nicht viel, aber für das Wetter diese Woche doch. Schon die erste Nacht wird also ein schönes Teleskoptreffen mit vielen bemerkenswerten Höhepunkten:

Die Vulkanaschenwolke? Kostet uns eine Größenklasse, zugegeben. Vielleicht auch eineinhalb. Aber wir haben ja Planeten. Und Deep Sky geht trotzdem. Besser jedenfalls, als in einer Nacht ohne Vulkanasche in der Stadt. Viel besser sogar.


Star Party!

Erst gegen Mitternacht bremst uns ein Wolkenfeld ein; anstatt seinen Durchzug abzuwarten, was realistisch gewesen wäre, bauen wir ab und sammeln Kräfte für den nächsten Tag. Er soll ja noch besser werden. Und er wird es auch!

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Stimmungsbericht, Samstag, 17. April

Nachdem wir die erste Beobachtungsnacht mit dem Aufzug von Wolken um Mitternacht beendet haben, gehen wir ausgeruht in diesen Samstag. Es ist ein herrlicher Tag! Strahlend blauer Himmel empfängt uns, ein paar tiefe Nebelfetzen, Reste der kalten Nacht, lösen sich bald auf. Auf dem Programm steht jetzt die Beobachtung von Tagesgestirnen: Neben der Sonne warten auch Mond und Venus.

Nach dem Frühstück werden vor dem Gasthof Postl die Teleskope aufgebaut, eines für jedes Objekt.

Zunächst versuchen Roland und ich, mit dem manuell einzustellenden 6" Skywatcher Venus und Mond zu finden. Die Teilkreise kann ich auf der Montierung vergessen, der Vorbesitzer dieses Instruments ist mit ihnen nicht sehr sorgsam umgegangen. Also probieren wir es mit Azimut und Höhe, scheitern aber bald an der Bestimmung der Nordrichtung. Kompass? Viel zu ungenau! Ich beschränke mich auf die Beobachtung der Sonne im Weisslicht. Wie zu erwarten war, ist kein einziger Sonnenfleck und kein einziges Fackelgebiet zu sehen.


Versuch, die Venus zu finden


Doch lieber zur Sonne - mit Sonnenfilter


Auf der Sonne ist leider überhaupt nichts los

Schwerere Geschütze werden aufgefahren. Eine EQ6-Montierung soll mittels GoTo das Auffinden von Venus und Mond erleichtern. Problem auch hier: Die Nordrichtung. Und Gabi Richter baut ihren Refraktor mit spezieller Sonnenausrüstung auf. Im Hα-Licht sollte auf der Sonne mehr zu sehen sein.


Eine Vixen Sphinx-Montierung ...


... und eine NEQ6


Ein schöner TMB-Refraktor ...


... und ein Celestron 8


TMB mit Lille-Sonnenequipment


C8, ausbalanciert


Sonne im Weißlicht (links) und Hα (rechts)


Auf der Suche nach Venus

Nach einer guten Stunde Aufbau, die mit viel Fachsimpeln und auch Scherzen rasch vergeht, sind alle drei Instrumente einsatzbereit. In der Tat können wir jetzt auf der Sonne zumindest ein paar kleine Protuberanzen sehen. Und das C8 auf der EQ6 findet letztendlich auch die Venus und schließlich den Mond. Mit fortschreitendem Vormittag wir der Himmel dunkler und der Kontrast besser. Bald ist der Mond freisichtig und daher auch für den Skywatcher ein Ziel.


Venus bei Tag


Kontrastarm: Mond bei Tag


Drei Teleskope für drei Ziele: Mond (links), Sonne (Mitte) und Venus (rechts)

Um die Mittagszeit genießen wir den herrlichen Tag in aller Ruhe, still und friedlich liegt auch unser Beobachtungsplatz in der Frühlingssonne.

Ein paar Flieger steigen in den Himmel auf und bald erkennen wir, dass der Himmel nicht gleichmäßig blau ist. Die Aschewolken des Eyjafjallajökull sind deutlich zu erkennen!


Taghimmel, extrem kontrastverstärkt

Für heute Nachmittag sind zwei Workshops geplant: Computerplanetarien (Starry Night, Stellarium) und Meteorologie-Praxis. Die Workshops sollen unsere Teleskoptreffen wetterunabhängiger und den Besuch daher attraktiver machen. Doch um 14 Uhr möchte sich niemand in den dunklen Raum zurückziehen angesichts des herrlichen Wetters, und so verkürzen wir beide Workshops und starten erst um 16 Uhr. Wenn wir hier etwas lernen, dann, dass wir auch zwei unterschiedliche Workshopprogramme brauchen: Eines für Schön- und eines für Schlechtwetter.


Workshop: Starry Night ...


... und Meteorologie. Andreas Pfoser macht mit uns eine Detailprognose für heute Nacht.

Nach den Workshops geht es zum Abendessen, dann warten Sonnenuntergang und die zweite Beobachtungsnacht.

Stimmungsbericht, Beobachtungsnacht 17./18. April

Wie Andreas Pfoser in seinen Prognosen diese Woche und dann verstärkt in seinem Workshop heute Nachmittag angekündigt hatte, steht uns heute eine traumhafte Beobachtungsnacht bevor. Zwar kälter als die vorangegangene und eventuell auch feuchter, Wolken sollten heute aber kein Thema sein. Kaum ist der letzte Flieger gelandet, wird mit dem Aufbau der Instrumente begonnen. Bilder ohne viele Worte.

Parallel dazu fahren viele auf eine Exkursion zum Waldeggerhaus, wo wir den Sonnenuntergang bewundern. Die Vulkanasche, heute Nachmittag noch freisichtig, sollte jetzt weniger ein Thema sein.


Beim Bewundern des Sonnenuntergangs

Zurückgekehrt vom Sonnenuntergang setzen wir den Aufbau fort. Es wird eine tolle Nacht, schon vom Besuch her. 31 Teleskope werden aufgebaut, mit den kleineren sogar 36. Fast so gut wie bei der letzten Summer Star Party und das bei erheblich niedrigeren Temperaturen.


Rege Stimmung


Die Easter Star Party, ein schönes Teleskoptreffen

Es erwartet uns wirklich eine sehr schöne Beobachtungsnacht.


Venus und Mond auf klarem Himmel

Der zunehmende Mond mit tollem Erdschein, Venus, Mars, Saturn und viele Deep Sky-Objekte, das ist die ideale Basis für ein erfolgreiches Teleskoptreffen.


Nächtliches Treiben unter dem Frühlingshimmel


Kostprobe einer wirklich tollen Nacht

Bis Mitternacht ist die Nacht auch wirklich etwas feucht, vor allem in Bodennähe. Auf niedrigeren Instrumenten bildet sich Eis, ebenso auf den Scheiben der Autos. Um Mitternacht wird es eine Spur wärmer und trockener. Kein Wunder, dass etliche Beobachter bis weit nach Mitternacht ausharen, um einen wirklich guten Sternenhimmel zu genießen. Von der Vulkanasche merken wir kaum etwas. Nur anfangs war der markant blaue Hof um den Mond ein deutliches Anzeichen dafür.

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Alexander Pikhard


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Ein Bericht der Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie.
www.waa.at